Sa., 26.05.12

Kindstötungen 04.07.2011 Wenn das Baby nur ein Klotz im Bauch ist

baby.jpg (Foto)
Mit Blumen, Kerzen und Kuscheltieren gedenken Anfang Januar in Schwarzenberg (Sachsen) Menschen dem toten Säugling, das von einem Arbeiter in einem Altkleidercontainer entdeckt worden war. Bild: dpa

Von Veronica Frenzel

Eine Polizistin ersticht ihr Baby, eine 20-Jährige wirft ihr Neugeborenes aus dem Fenster: Mehrere Mütter stehen vor Gericht, weil sie ihre Kinder getötet haben sollen. Fast immer verdrängen die späteren Täterinnen ihre Schwangerschaft völlig.

Eine 20-jährige Mutter aus Berlin wirft ihr Neugeborenes aus dem Fenster, kurz darauf stirbt das Kind an Unterkühlung. Eine junge Polizistin ersticht im niedersächsischen Verden ihr Baby mit einer Schere. Eine 23-Jährige erschlägt ihr Kind im niederbayerischen Bad Griesbach mit einer Zange. Alle drei Frauen sollen die Tat sofort nach der Geburt begangen haben. Gerichte versuchen zu klären, wie es zu den Kindsmorden kam.

Es sind keine Einzelfälle. Jedes Jahr töten in Deutschland durchschnittlich zwischen 20 und 35 Mütter ihr Neugeborenes, sagt Therese Höynck, Juristin an der Universität Kassel. Die Zahlen schwanken jedes Jahr, ein Anstieg ist nicht zu erkennen. Die Berichterstattung über Kindstötungen hat seit 2005 jedoch zugenommen. Höynck hat alle bekannten Fälle von Müttern untersucht, die zwischen den Jahren 1997 und 2006 ihr Kind töteten, aus dieser Analyse leitet sie ihre Aussagen ab. Sie geht davon aus, dass das Dunkelfeld sehr groß ist. Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasst die Fälle nicht, genaue Zahlen liegen auch aus anderer Quelle nicht vor.

Mehrheit tötet Baby zehn Minuten nach der Geburt

Nach Höyncks Erkenntnissen wiederholt sich ein Muster: Die große Mehrheit der Frauen tötet das Kind in den ersten zehn Minuten nach der Geburt. Diese findet meist zu Hause statt, die Mutter ist dabei allein. Um die Tat zu begehen, müssten keine Muttergefühle überwunden werden, erklärt Höynck. «Sie haben gar keine entwickelt, schließlich haben sie die Schwangerschaft verdrängt.»

«Fast immer haben die Frauen die Schwangerschaft zuvor geleugnet beziehungsweise völlig verdrängt», bestätigt Psychologin und Anwältin Annegret Wiese. Sie hat Mütter verteidigt, die ihre Kinder getötet haben und 15 Fälle psychologisch analysiert. «Manchmal zeigt sich die Verdrängung sogar körperlich: Die Frauen entwickeln keinen Bauch.» Wenn die Geburt anstünde, seien sie in keiner Weise darauf vorbereitet. «Die Frauen denken nur: ‹Ich muss das Kind irgendwie loswerden.› Sie handeln in Panik.» Allen Frauen sei gemein, dass sie ein sehr schwaches Selbstwertgefühl haben. «Sie sind nicht in der Lage dazu, eine Entscheidung für oder gegen das Kind zu fällen.»

Goethes Gretchen war eher Opfer als Täterin

Etwa zwei Drittel der Frauen, die der Kindstötung verdächtigt werden, werden auch verurteilt. Ein Drittel der Verurteilten erhält eine Bewährungsstrafe, die übrigen meist kurze Freiheitsstrafen. «Die Richter versuchen oft die subjektive Sichtweise der Frau nachzuvollziehen», sagt Höynck. «Wenn das Gericht hingegen die Situation objektiv bewertet, fällt das Strafmaß höher aus, denn die Situation ist nicht nachzuvollziehen.»

Es sind ganz junge Mütter darunter, aber auch ältere. Es ist oft auch das zweite oder dritte Kind. «Die Frauen kommen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und nicht, wie oft angenommen, vor allem aus sozial schwachen Familien», betont Höynck. Objektive Gründe gebe es oft nicht. «Es ist nicht so, dass das Kind von einem anderen Mann ist, oder dass der Vater das Kind nicht will», sagt Höynck. «Die Frauen können sich nach der Tat meist selbst nicht mehr verstehen.»

Schon in der griechischen Mythologie kommt die Kindstötung vor: Die schöne Ino ertränkt sich in Panik gemeinsam mit ihrem Sohn, zuvor war sie von der eifersüchtigen Göttin Hera mit Wahnsinn geschlagen worden. Und Johann Wolfgang von Goethe suchte im «Faust» nach den Gründen dafür, wieso eine Mutter ihr Kind tötet. Das Ergebnis: Seine Kindsmörderin Gretchen ist eher Opfer als Täterin. «Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Kindstötung mit den sozialen Umständen erklärt», sagt Eva Tolasch, Soziologin an der Universität München. «Danach wurde das Vergehen meist auf eine psychische Erkrankung der Mutter geschoben. So ist es heute noch.»

jag/wie/news.de/dpa
Leserkommentare (12) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
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  • Kommentar 12
  • 05.07.2011 03:14
 

@ Deutscher Ursprungssprecher "Die Frauen die mit ihrem Leben nicht klar kommen...!" Gehe ich recht in der Annahme das Schwangerschaft - Geburt - Baby - Kind - Liebe - Pflege - Erziehung alleinige Sache der FRAU ist? Die Zeugung auch - nehme ich an! I see:lauter "unbefleckte Geburten!" Unter dem Aspekt sind diese Frauen vielleicht zu verstehen. Sie sagen - da war doch gar nichts - kann doch gar nicht sein - ich bilde mir da sicher nur was ein - was da jetzt ist. Und dann ist dann ist das Unliebsame beseitigt und sie wachen wieder auf und s. Text: "Sie verstehen sich selber nicht!" Hormone

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  • Kommentar 11
  • 05.07.2011 02:58
 

Das Problem ist der Staat der auf "Familie" macht - obwohl die meisten gar keine Familie haben. Die Mütter überstehen ja die Schwangerschaft und die Geburt s. Text. Die Schwierigkeit kommt dann: Was nun? Kinder sollten alle angehen! Und für Jene die es zu Hause unerträglich finden/haben sollte es Kinderhotels geben. Aufgeweckte, ernste Kinder könnten ab 4 Jahren alleine sein. In China arbeiten die Eltern in den Städten und lassen schon ganz Kleine einfach: Alleine! Sie versorgen sich selber. Die Eltern sparen ihr geringes Gehalt und kommen einmal im Jahr zu Besuch.

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  • Kommentar 10
  • 05.07.2011 02:53
 

Ich las den Text noch einmal. Es ist wirklich so: Es gibt viel mehr Frauen die zu Schwangerschaftsdepressionen neigen und die nach der Geburt mit dem Kind überhaupt nichts anfangen können. Es ablehnen. Viel mehr als der katholische "Die Mutter und ihr Kind" Mythos und Verherrlichung desselben vermuten lässt. Schwachsinn wahrscheinlich deshalb weil sich die Umgebung dem Problem nicht stellen will. In den meisten Gesellschaften müssen die Frauen arbeiten. So fällt es nicht weiter auf, daß sie auch später kein Gefühl für ihr Kind entwickeln.

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  • Kommentar 9
  • 05.07.2011 02:38
 

@8 German Natives zur Zeit kommt erst einmal die Sonne zur Ruhe. Das heisst wir bekommen eine Kältezeit (in unseren Breiten zumindest). Was deutlich zu spüren ist. Wenn das Klima kälter ist - kühlt das vielleicht manche ab. Aber: Die Menschen werden auch noch depressiver. Wenn weniger Sonne scheint kommen Schmerzen in den Gelenken und im ganzen Knochenbau dazu ... Aber: Sie können ja schon mal anfangen trotz alledem ein humorvoller, gütiger, tüchtiger Mensch zu sein. Mit freundlichen Grüßen

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  • Kommentar 8
  • 05.07.2011 02:30
 

DIE FRAU in unserer Gesellschaft Ich stelle mir das so vor: Die schwangere Frau geht zu einem Arzt und erklärt daß sie das Kind nicht möchte aus diesen oder jenen Gründen. Der Arzt erklärt ihr wie schön das doch wäre wie normal und natürlich und das sich das richtige Gefühl schon einstellen würde. Bla bla bla alles nur nichts was ihr das Gefühl vermittelt das Jemand sie ernst nimmt. Genauso schief geht es mit anderen persönlichen Angelegenheiten "nicht krank!" Nichts oder falsch mit Zuständigen in ihren Dienstzimmern anderer Berufe. Frau hat alleine zu sein - mit Geld! um Mann aufzufangen.

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  • German Natives
  • Kommentar 7
  • 05.07.2011 02:29
 

Ich bin der Meinung das der GESAMMTE MENSCHENMÜLL sterben muß damit unser eigentlich schöner Planet mal zur RUHE kommt.... WEG MIT UNS und alles wird GUT!!!!!!!!!!!!!!

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  • Kommentar 6
  • 05.07.2011 00:25
 

Was haben wir für Gesetz? Was sind Richter für Menschen? Eine womöglich angebliche - oder versuchte - oder auch stattgefundene Vergewaltigung in einer bestehenden Beziehung ist also schlimmer oder mindetens genau so schlimm - als der gewaltsame Tod eines Menschen der sein ganzes Leben noch vor sich hatte. Oder: Ein noch ganz junger Mensch - ist weniger wert als ein erheblich älterer Mensch? Und ein Afrikaner der in einer deutschen Polizeizelle verbrennt - ist auch weniger wert ....denn: Die Polizei kanns ja nicht gewesen sein. In 4 1/2 Jahren kommt die junge Polizistin wieder frei. Und dann?

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  • Kommentar 5
  • 05.07.2011 00:08
 

Wenn Jemand etwas in sich abspaltet - so tut als wäre das nicht da ... Das machen viele Leute heutzutage: Das sie etwas in sich oder etwas oder Jemanden abspalten. Dann: Klingt das nach Schizophrenie! Was aber haben Schizophrene in einem Gefängnis zu suchen? Was verstehen wir denn heute unter "seelisch krank!"? Ist das wenn eine Frau einen Mann anspricht? Oder: Gar anlächelt? Oder: Arbeitet? Oder: Keine Schulden hat? Die werfen alle mit ihren BEGRIFFEN um sich - und wenn es drauf und an kommt - ist NIEMAND DA!

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  • Kommentar 4
  • 04.07.2011 23:58
 

Diese Frauen scheinen eine Schwangerschaft zumindest nicht abzulehnen. Ursprünglich. Sonst hätten sie etwas dagegen unternommen. Wenn sie nicht schwanger werden um zu morden. Als "Kick"? Sowas halte ich in der heutigen Zeit auch noch für denkbar - dann muss in den 9 Monaten etwas passiert sein. Warum befragt man sie nicht? Vielleicht wurden sie wahnsinnig! Oder: Siehe oben sie waren schon vorher wahnsinnig - schützten sich deshalb nicht - verhüteten nicht und: s. Text "verdrängten die Schwangerschaft!" Verdrängungen sind: Wahnsinn oder traumatische Schockerlebnisse! Drogen?

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  • Kommentar 3
  • 04.07.2011 23:47
 

Wenn Dinge/Vorkommnisse nicht zu verstehen sind - dann: Sind sie nach unseren derzeitigen Erkenntnissen krank. Im Falle der Polizistin wäre in jedem Fall grundsätzlich zu überprüfen ob die Eignungstests nicht versagt haben. Wurden/werden überhaupt welche durchgeführt? Fahrlässig wenn dem nicht so wäre. Was fehlt: Eine STUDIE die Frauen in unerwünschten Schwangerschaften begleitet - und gleichzeitig Hilfsangebote/Alternativangebote mit den Frauen entwickelt. z.B. sofortige Freigabe zur Adoption. Es gibt sehr viele Ehepaare die sich ein neugeborenes Baby für eine Adoption wünschen.

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  • AB
  • Kommentar 2
  • 04.07.2011 22:24
 Antwort auf Kommentar 1

Vielleicht wäre es aber auch sinnvoller, auf SEX ganz zu verzichten, wenn die Folgen daraus nur als "Klotz im Bauch" bezeichnet werden. Verantwortung beginnt bereits vorher und nicht nachher!!! So dumm kann doch kein Mensche sein, dass er nicht weiß, was er da tut!!!

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  • iris blume
  • Kommentar 1
  • 04.07.2011 19:37
 

wenn ich sowas lese,könnte ich mir die todesstrafe wieder vorstellen.kindsmord ist das schlimmste.wenn so eine frau ihr kind nicht will,soll sie es zur adoption freigeben.heute ist es doch keine schande mehr,wenn man ungewollt chwanger wird.ich wünsche mir einesund hoffe,daß es klappt.

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