Von Irena Güttel
Mit ihm will Greenpeace zu neuen, spektakulären Umweltaktionen aufbrechen: Die dritte Ausgabe des «Regenbogen-Kriegers» darf erstmals aufs Wasser. Das Schiff ist natürlich nach Öko-Standards gebaut - und Umweltschützer können Teile kaufen.
Wenn Thomas Kayser Gäste durch den Schiffsbauch führt, müssen die Besucher noch viel Fantasie mitbringen. «Hier ist die Kommandozentrale, hier werden später die Aktionen geplant», sagt der Vorarbeiter und zeigt auf ein Gewirr von Kabeln, das aus der Decke hängt. «Im Moment sieht das noch nicht so aus», gibt Kayser zu. Bis auf die Konstruktionszeichnungen an der Wand ist der Raum so gut wie leer.
Von außen allerdings kann sich der Regenbogenkrieger schon sehen lassen. Der grün lackierte Rumpf glänzt in der Morgensonne. Den Bug ziert eine weiße Taube, die einen Regenbogen hinter sich herzieht. «Greenpeace» prangt daneben in großer Schrift. Auf der Fassmer Werft in Berne lässt die
Umweltschutzorganisation für rund 23 Millionen Euro ein neues Flaggschiff bauen. Im Juli 2009 hatte sie es in Auftrag gegeben. An diesem Montag wird die «Rainbow Warrior III» zum ersten Mal zu Wasser gelassen.
Ein Elektromotor für die Regenbogenkriegerin
Wie ein gestrandeter Wal ruht der fast 58 Meter lange Segler auf einer Plattform am Weserufer im Bremer Stadtteil Blumenthal. Am 14. Oktober will Greenpeace den Neubau in Amsterdam taufen und damit das bisherige Flaggschiff ersetzen. Die Umweltschützer hatten es Ende der 1980er Jahre gekauft, nachdem der französische Geheimdienst die erste «Rainbow Warrior» im neuseeländischen Hafen Auckland versenkt hatte.
Bei der neuesten Regenbogenkriegerin soll nicht nur Greenpeace draufstehen, sondern auch öko drin sein - eine Herausforderung für die Konstrukteure. «Wir wollen damit zeigen, dass ökologische Standards im Schiffsneubau möglich sind», erläutert Patric Salize von Greenpeace. Viele Zulieferer schieden von Anfang an aus. «Alle Böden an Bord sind natürlich PVC-frei. Wir setzen keine Tropenhölzer ein, sondern Sperrhölzer aus Europa.»
Der Dieselmotor läuft mit einer eigens entwickelten Abgasreinigungsanlage, wenn geringe Geschwindigkeiten ausreichen, übernimmt ein sparsamer Elektromotor den Antrieb. Die meiste Zeit soll die neue «Regenbogenkriegerin» allerdings mit Hilfe ihrer knapp 1300 Quadratmeter großen Segel fahren. In A-Form werden die meterhohen Masten in den Himmel ragen, was sie besonders stabil macht. Diese werden aber erst demnächst aus den Niederlanden geliefert.
Umweltschützer können Teile des Schiffes kaufen
Trotzdem ist Projektleiter Uwe Lampe schon jetzt stolz, wenn er die technischen Wunderwaffen an Bord aufzählt. Die Segel entfalten sich auf Knopfdruck. Trinkwasser wird aus dem Meer gewonnen, Abwasser wieder aufbereitet und Müll automatisch sortiert. Die Beiboote können während der Fahrt aufs Wasser gelassen werden, und auf dem Deck gibt es einen Hubschrauberlandeplatz. Bis zu 32 Seeleute finden auf der «Rainbow Warrior III» Platz, auf der Vorgängerin waren es nur 15.
Doch nicht nur die Ingenieure der Fassmer Werft betreten mit dem Schiff Neuland, auch Greenpeace selbst. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der 1971 gegründeten Umweltorganisation lässt sie sich eine schwimmende Einsatzzentrale nach ihren Wünschen bauen. Dafür werden Spender gesucht. Im Internet können Umweltschützer symbolisch einzelne Teile des Schiffes kaufen. Viele sind aber nicht mehr übrig. «Die Toiletten waren als erstes weg», sagt Salize.