Sa., 26.05.12

Indien absurd 27.06.2011 Brautleute als Umwelt-Säue

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News.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Indische Hochzeiten gefährden den Wald: Umweltschützer bringt es auf die Palme, dass für die üppigen Speisen viel zu viel Holz verbrannt wird. Tatsächlich sind Hochzeiten weltweit ein ökologisches Ärgernis - und mit Indien ist es sowieso eine Sache. Eine Glosse.

Da achten sie ein Leben lang die Kuh, ernähren sich vegetarisch und machen Yoga, um der Umwelt ihre Aggressionen zu ersparen - und nun wollen Umweltschützer ihnen ihre große Hochzeitsfeierei madig machen. Für die meisten Inder ist sie die wichtigste Tradition im Leben. Drei Tage ohne schlechtes Gewissen essen, trinken und tanzen...  aber Moment, da heben diese Umweltschützer schon mahnend den Zeigefinger.

Von wegen, ohne schlechtes Gewissen. 600 Hochzeiten gibt es in der Heiratssaison jeden Tag, 15.000 Bäume fallen dann täglich, um die vielen Feuer zu nähren, auf denen traditionell die Speisen zubereitet werden müssen. Vor allem die saftig grüne Provinz Kashmir sei bedroht, sorgt sich Umweltschützer Usmaan Ahmad. Seine Organisation Mercy Corps will den Chefköchen jetzt alternative Brennstoffe vorstellen. Hochzeitsschmaus auf Erdwärme gegart? Indien könnte zum Vorreiter werden für den neuen Green-Wedding-Trend.

Viel Holz unterm Topf
Indische Hochzeiten sind Umweltsäue
Video: news.de

Denn tatsächlich sind Hochzeiten aus ökologischer Warte doch ein ausgesprochenes Ärgernis. Massenweise Kleider und Schuhe, die niemand ein zweites Mal trägt, Freunde und Verwandte, die aus der ganzen Welt anreisen, manche sogar mit dem Flugzeug, und noch dazu Ringe aus Gold und Diamanten, die unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt und gehandelt werden. Die Umweltschützerin Joanna Yarrow, Gründerin der Vereinigung Beyond Green, hat ihre eigene Vorstellung vom Big Fat Green Weeding: Second Hand. Aber ist es noch die erste und einzige Hochzeit des Lebens, wenn man dazu gebrauchte Klamotten trägt?

Lieber mit dem Frachtschiff nach Indien?

Joana Yarrow geht wohl zu weit. Sie will uns auch mit einem Frachtschiff statt Auto oder Flugzeug auf Reisen schicken, um unsere CO2-Bilanz zu schönen. Dabei ist die Sache mit der Schiffsreise nach Indien schon mal richtig schief gegangen. Ganz Amerika könnte ein ökologisches Paradies sein und der Regenwald wäre auch nicht in Gefahr, wäre Kolumbus damals nicht losgeschippert.

Die Sache mit dem Umweltschutz ist verzwickt, das weiß jeder, der sich schon mal zwischen Biomöhren aus Israel und dem regionalen Spritz-Produkt entscheiden musste. Was Grün aussieht, da ist noch lange nicht Grün drin. Kanada zum Beispiel, das Land der Wälder, in dem vor 40 Jahren Greenpeace zur Welt kam. Dort war die Umwelt im vergangenen Wahlkampf nicht einmal Thema. Mülltrennung ist Fehlanzeige, Bodenbesitzer verbrennen lustig ihr gesamtes Herbstlaub und AKW im dicht besiedelten Erdbebengebiet von Quebec stören dort auch keinen großen Waldgeist.

Aber zurück nach Indien. Das Land hat ökotechnisch ganz sicher andere Leichen im Keller als die exzessive Heiraterei. Den Handel mit Klimazertifikaten zum Beispiel. Wie das ARD-Magazin Monitor kürzlich enthüllte, vernichten Unternehmen in Indien und China weltweit das meiste Treibgas. Das klingt ganz nett - doch die Recherchen deckten auf: Weil das Unschädlichmachen der Gase so viel Geld bringt, werden mehr erzeugt, als normalerweise ausgestoßen würden. So viel absurden Umweltschutz kann eigentlich nur noch die furzende CO2-Kuh toppen, die in Indien ja auch sträflich ungefiltert auf der Straße rumläuft.

jag/news.de
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