Sa., 26.05.12

Griechenland 25.06.2011 «Die Hetze verletzt jede Würde»

Krise in Griechenland (Foto)
Vielleicht ist die Krise in Griechenland auch eine Chance, die wir nutzen sollten, sagt Evangelos Angelidis. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Seit 40 Jahren lebt Evangelos Angelidis in Deutschland - doch Griechenland hängt ihm noch immer am Herzen. Wie fühlt sich das an, wenn die Heimat vor der Pleite steht? Ein Exilgrieche über die Wut auf die Bild-Zeitung und die Mitschuld der Griechen.

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Evangelos Angelidis ist betroffen und wütend. Das hört man an seiner Stimme. Er spricht schnell, auf den Punkt. «Verstehen Sie?!», sagt er häufig. Er spricht von der Krise in seinem Heimatland, in dem er seit beinahe 40 Jahren nicht mehr lebt. Er ist trotzdem verbunden mit seiner Heimat, Griechenland. «Es ist ein Paradies», sagt er. «Wir waren fröhliche Menschen.»

Heute sieht das anders aus. Die Krise. Die Unsicherheit. «Man vertraut uns Griechen nicht mehr», sagt der 60-Jährige. Seit Jahren ist er sozial engagiert, ist Vorsitzender der griechischen Gemeinde in Erlangen. «Ich werde viel angesprochen.» In Cafés, von Bekannten. Nicht unschuldig an Vorurteilen: die Bild-Zeitung. «Wir werden als Diebe, als faul, als verlogen bezeichnet.»

Elf Millionen Menschen leben in dem Staat am Mittelmeer: «Wir werden über einen Kamm geschoren», sagt Evangelos Angelidis: «Das ist so gefährlich!» Seine Stimme wird bestimmt. Er respektiere die Freiheit der Presse, die Meinungsfreiheit. Wichtige Dinge nennt er sie. «Das ist Demokratie.» Aber die Hetze gegen seine Heimat, gegen die Griechen, gegen ihn: «Das verletzt jede Würde.» Er wird kurz leise und fügt dann hinzu: «Gerade in einem Land, in dem man weiß, was solche Pauschalisierungen anrichten, soll man vorsichtig damit sein.»

Die Griechen stehen unter einem riesigen Druck

Dabei sieht er die Griechen nicht nur als Opfer. «Es stimmt, viele Griechen sind in den vergangenen Jahren faul geworden.» Man habe über seine Verhältnisse gelebt, aber vor allem: den falschen Menschen vertraut. Die Regierung habe Dinge versprochen, die sie nicht hätte versprechen dürfen. Gutbezahlte Stellen für alle, beim Staat direkt. «Das konnte doch nicht gut gehen!»

Griechenland
EU berät Rettungspläne
Video: news.de/dapd

«Wo ist denn all unser Geld hin?», fragt er. Die Antwort gibt er selbst: «Es ist geschützt deponiert  - auf irgendwelchen Konten im Ausland.» Unternehmen hätten sich in Griechenland bereichert - und nun, wo die Krise da ist und das Land Hilfe bräuchte: «Da sind sie untergetaucht.» Die Krise liegt nun auf den Schultern von denen, die unter der Last beinahe zusammenbrechen. «Die Griechen stehen unter einem enormen Druck», sagt Evangelos Angelidis. Er denkt nach und nennt ein Beispiel: «In einem Unternehmen, müssen die Angestellten zufrieden und glücklich sein, damit der Betrieb erfolgreich ist. So ist es auch in einem Land.»

Die jungen Griechen flüchten aus ihrem Land

Rund 1,29 Kinder bekommen griechische Frauen im Schnitt. Doch die Zahl sinkt, immer weniger Kinder wurden in den vergangenen Jahren geboren: «Warum auch?», fragt der 60-Jährige: «Warum soll man in solch einer Situation Kinder in die Welt setzen?» Eine gefährliche Lage, sagt er. Schon jetzt hat Griechenland mit Vergreisung zu kämpfen. «Auf dem Land, in der Provinz, sitzen die alten Menschen und warten nur noch auf den Tod», sagt er. Die jungen Griechen: in der Stadt - oder schon längst im Ausland.

Dabei, ist Evangelos Angelidis sicher, müssten nun die Kräfte gebündelt werden: «Wir können die Krise meistern.» Die jungen Leute seien gut ausgebildet, man müsse nur Geduld und Hoffnung mitbringen. Was Europa geben müsste? «Den Glauben an uns. Eine Perspektive.»

«Wir müssen umdenken»

Sicherlich, es geht auch um Geld. Viel Geld. Doch der Erlanger ist sicher: «Griechenland ist eine große Chance für Europa.» In der Welt gebe es große Spannungen, ausgelöst durch Ungleichheit und Unzufriedenheit, maßlosen Konsum und Ausplünderung. Griechenland sei ein Warnschuss: «Wir müssen umdenken, wieder menschlicher werden.»

Denn jedes Land auf der Welt kann ebenso enden wie Griechenland. Pleite, voller Wut: «Wenn Griechenland fällt, werden auf Dauer auch die anderen Länder mit fallen», sagt Evangelos Angelidis. Etwas, das er sich lieber nicht vorstellen möchte: «Ich hoffe weiter.»

che/news.de
Leserkommentare (17) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Sowas
  • Kommentar 17
  • 05.07.2011 12:36
 Antwort auf Kommentar 16

Weil wir einen teil der nötigen Reformen schon hinter uns haben :/ Ich sag nur Agenda 2010. Das hat auch keiner gewollt und nun sehen wir aber, wie bitte nötig das war. Das kann sicher allen Ländern passieren. Aber bevor man andere Länder rettet die zudem kaum Leistung bringen, gemessen an der Gesamtleistung.. sollte man erst ein Mal die eigenen Schulden abbauen.

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  • writer
  • Kommentar 16
  • 29.06.2011 10:08
 Antwort auf Kommentar 2

Entschuldigung, wo lassen Sie denn denken?? Solche Sprüche zeugen von Nichtwissen um die Strukturen, die das Land in diese Lage brachten. Cliquen aus Militär und Beamten, steuerhinterziehenden Milliardären/Millionären haben dort die Wertschöpfung abgegriffen. "Die Griechen" -das sind zunächst mal zum hohen Anteil Menschen, die unter schwierigen Bedingungen mit Fleiß und Einsatz ihr Brot verdienen. Das ist nicht anders als hier. Bei uns hat es lediglich noch nicht geknallt, weil es bei 85 Mio. naturgemäß langsamer abläuft als bei 11 Mio. Die sind uns nur zeitlich voraus.

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  • rogiconsult
  • Kommentar 15
  • 27.06.2011 13:10
 

Es ist wie es immer ist. Die Bevölkerung muss für die Handlungen seiner Regierung bezahlen. Das ist in Griechenland so und es ist hier bei uns so. Jedes Land hat die Regierung, die es verdient weil gewählt hat. Wer jetzt über die Regierung meckert, sollte mal überlegen, wo er seinerzeit sein Kreuz gemacht hat. Es ist müßig, darüber zu lamentieren, warum die Situation so ist wie sie ist. Was sind die Alternativen für uns? Was kostet uns eine griechische Staatspleite oder eine geordnete Insolvenz mit Schulenschnitt. Das gilt es zu klären.

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  • hector
  • Kommentar 14
  • 26.06.2011 18:07
 

Man sollte Griechenland in die Pleite gehen lassen. Wenn immer wieder hunderte Milliarden hingegeben werden, dann wird sich nichts ändern. Die Gläubiger könnten nicht viel machen, da sie ja keine Sicherheiten besitzen. Die Geldgeber würden sich künftig genau überlegen, an wen sie Geld leihen. Wenn über alles ein riesiger Rettungsschirm gespannt ist, dann machen alle weiter wie bisher. Als erstes müssten die Griechen dann den Sozialismus abwählen, weil dies für ihr Land das größte Übel ist. Auch die kleinen Leute können insofern etwas dafür, da sie ihre Regierungen ja wählen. Europa würde das aushalten, da bin ich mir sicher.

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  • amerikanerin
  • Kommentar 13
  • 26.06.2011 14:32
 Antwort auf Kommentar 1

Auch mir geht die BILD-Hetze schon lange auf den Zeiger, aber Fakt ist nun mal, dass sich die griechische Regierung den Zugang zum Euro mit getürkten Zahlen erschlichen hat, was zwar so gut wie bekannt war, von Schröder und seinem Finanzminister aber einfach ignoriert wurde (FM Waigel hatte jahrelang rigoros abgelehnt, die Griechen in die Eurozone mit einzubeziehen, was besser gewesen wäre). Dieses der jetzigen Regierung anzukreiden (übrigens Frau Merkel ist keine sog. Bundeskanzlerin, mir scheint, du bist kein sog. Trottel sondern ein kompletter) geht an der Wirklichkeit vorbei.

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  • Kommentator
  • Kommentar 12
  • 26.06.2011 02:00
 Antwort auf Kommentar 11

Dir fehlt doch der Überblick, sonst würdest Du solchen Mist nicht schreiben.

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  • ruster
  • Kommentar 11
  • 25.06.2011 22:39
 

ich bin deutscher und die hetzte der griechen auf die deutschen kann ich auch nicht akzeptieren wir werden als nazis faschisten u.s.w. bezeichnet obwohl sie von uns das geld bekommen wenn deutschland vor der pleite steht hilft uns niemand da wir ja eh immer die bösen und geldgierige arroganten sind ,aber ich sag dir was wir brauchen niemanden schon garnet solche die so hetzen über uns

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  • DB
  • Kommentar 10
  • 25.06.2011 19:27
 Antwort auf Kommentar 3

"Sie demonstrieren gegen Sparmaßnahmen" Ist/währe das in D anders ? "obwohl sie bisher Steuehinterziehung und Korruption geduldet haben!?" Wenn man das lange genug macht, hält man's halt für Normal !

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  • DB
  • Kommentar 9
  • 25.06.2011 19:19
 Antwort auf Kommentar 4

Da hast Du wohl zu schnell gelesen, also nochmal von vorne - ganz langsam !

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  • Kommentator
  • Kommentar 8
  • 25.06.2011 19:18
 Antwort auf Kommentar 6

Der kleine Bürger in Griechenland kann genauso wenig dafür wie es auch in Deutschland eines Tages nicht der kleine sein wird der die Schulden gemacht hat. Also sollte man nicht zu schnell alkle über einen Kamm scheren...

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  • 4tec
  • Kommentar 7
  • 25.06.2011 17:56
 Antwort auf Kommentar 6

Wer wie Du 11 Mill. Griechen in Sippenhaft nehmen will, für die Schönung von Zahlen durch einige Spitzenbeamte der macht es sich sehr einfach, das ist Dampfplauderei. Sind alle Deutsche Betrüger weil unser Finanzminister mal eben an die Schweizer Grenze fährt und sich von einem Waffenschieber namens Schreiber einen Geldkoffer übergeben lässt oder ein Kanzler Millionen in schwarze Kassen einsammelt?

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  • auweia
  • Kommentar 6
  • 25.06.2011 17:25
 

Angelidis ist betroffen und wütend. Aber die Hetze gegen seine Heimat, gegen die Griechen, gegen ihn: «Das verletzt jede Würde.» Lieber Angelidis 11 Mill. Einwohner hat Griechenland und macht einen Schuldenberg von über 300 Milliarden Euro, hat die Menschen in Europa betrogen und belogen und dann sprechen sie wenn andere ihnen helfen wollen, die "Hetze" gegen Griechenland macht sie wütend und betroffen... wie beurteilen denn "ihre BILD" Medien den zahlenden deutschen Michel mit Höhne und faschistischen Beschimpfungen, das ist für sie fair.. ach es ist ja so einfach über die anderen zu urteilen

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  • Jasper
  • Kommentar 5
  • 25.06.2011 17:09
 

Vielleicht sollte man aber auch einmal schauen, bevor man in dieses Horn bläst, woher diese „Antistimmung“ kommt. Wenn man außer der Bildzeitung auch mal etwas anderes liest, denn hierzu könnte man nur gratulieren. Zum Beispiel http://www.coffeeandtv.de/2011/06/22/jugend-hetzt/ oder das hier http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-06/Griechenland-Volk-Schuldfrage/komplettansicht

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  • Hellsicht
  • Kommentar 4
  • 25.06.2011 16:18
 

Der gute Mann hat eine sehr einseitige Sicht der Dinge. Von Selbstkritik keine Rede. Vielleicht lebt er zulange hier und hat eine rosa Brille auf, was seine Heimat betrifft. Dass hauptsächlich das Geld der reichen Griechen im Ausland ist, davon keine Rede. Es gibt in Griechenland mehr Reiche als hier. Arm und ausgeplündert ist der Staat, in erster Linie von den Griechen, den "cleveren". Die Misswirtschaft/ Vetternwirtschaft sollte den Griechen den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde einbringen. Leider ist dies schöne Land randvoll mit infantilen unreifen Menschen. Leiden müssen Lohnabhängige!

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  • Anti
  • Kommentar 3
  • 25.06.2011 15:34
 

Ihm liegt Griechenland am Herzen, mir zum Halse heraus! Seine Leute beschimpfen die Deutschen obwohl sie nur durch Betrug den Euro erhalten haben! Ist das für Griechen ok? Sie leben in einem wärmeren Urlaubsland als wir. Sie demonstrieren gegen Sparmaßnahmen, die wir längst ertragen müssen? Sie erwarten finazielle Hilfe obwohl sie bisher Steuehinterziehung und Korruption geduldet haben!? Auch die Griechen haben die Politiker verdient, die sie gewählt haben!

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  • claus
  • Kommentar 2
  • 25.06.2011 13:42
 

Wenn ich in den Nachrichtensendungen die Demonstrationen in Permanenz sehe, die von den Griechen veranstaltet werden, beschleicht mich doch so rgendwie die Frage, ob diese lieben Menschen, es nicht einmal doch mit ehrlicher Arbeit versuchen sollten. Ist ja nur so ein Gedanke... claus

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  • Tomahawk
  • Kommentar 1
  • 25.06.2011 13:24
 

In der Tat. Die Hetze gegen Griechen ist einfach nur noch peinlich. besonders wenn es von der sogenannten "Bundeskanzlerin" kommt. Ich denke mal das die deutschen auch nur hinters Licht geführt werden sollen. Um nicht die wirklichen Abzocker, wozu auch die Deutsche Bank zählt, zu nennen wird gelogen und gehetzt, das die Balken sich biegen. Ich arbeitete 33 Jahre mit Ausländern zusammen. Griechen waren die besten und lernfähigsten. Auf diese Leute konnte man sich verlassen.

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