Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Wenn's nicht läuft, liegt das nicht an seinen dreckigen Socken, die er in der Wohnung verteilt. Nein, sie ist Schuld. Weil sie schlecht schläft. Das hat eine neue Studie herausgefunden. Wir fragen uns: Warum liegt der schwarze Peter immer bei der Frau?
Wer ist Schuld? Eigentlich niemand. In Gefühlssachen gibt es keine Schuld, außerdem gehören immer zwei dazu. Jaja, blabla. Natürlich suchen wir einen Schuldigen, wenn's nicht läuft in der Beziehung. Und die US-amerikanische Psychiaterin Wendy M. Troxel hat da gerade etwas entdeckt. Von wegen stinkende Socken auf dem Fußboden oder Sauftouren mit den Kumpels! Der schlechte Schlaf der Frau zermürbt in Wirklichkeit eine Partnerschaft, eruierte Troxel mit Hilfe 32 probeschlafender Paare. Schlummert die Frau spät ein, empfinden beide Partner die Beziehung am Tag darauf eher als negativ, lautet ihr Ergebnis, das Troxel Ende der vergangenen Woche veröffentlichte.
Die Frau ist also Schuld. Woran das allerdings liegt, enthält die Psychiaterin uns vor. Der Verdacht drängt sich jedoch auf, dass da wieder einmal die Evolution ihre Finger im Spiel hat, wie so oft, wenn es um Frauen, Männer und ihr zartes Gefüge geht. Evolutionspsychologe Benjamin Lange allerdings ist nicht so recht zufrieden mit Wendy M. Troxels Schlüssen. Er nimmt die Frauen in Schutz. «Bei vielen Studien bringt man einfach zwei Merkmale zusammen, das heißt aber nicht, dass sie zwingend kausal zusammenhängen. Ein Beispiel: Der Verzehr von Speiseeis hängt mathematisch zusammen mit der Zahl der Ertrinkenden. Das liegt aber einfach daran, dass im Sommer mehr Eis gegessen und mehr baden gegangen wird.»
Frauen können kaum was richtig machen
Was bedeutet das nun für die beziehungsbelastenden Schlafstörungen? Lange meint, andersherum würde vielleicht eher ein Schuh draus. «Wer sagt denn, dass das Schlafproblem die Beziehung schlecht macht? Es kann doch auch so sein: Ist die Beziehung schlecht, schläft man schlechter. Und Frauen machen sich einfach mehr Gedanken um das Verhältnis als Männer, sie sind erheblich empathischer und sensitiver», sagt Lange. Der Grund liegt für den Evolutionsforscher auf der Hand: Für den weiblichen Part ist das Risiko größer, nach einer Trennung mit dem Kind allein sitzenzubleiben, während der Mann dann - rein biologisch - einen geringeren Schaden hat.
Aber es ist ja nicht nur der schlechte Schlaf. Frauen können heutzutage kaum noch etwas richtig machen. Sind sie zu schön, schadet das der Beziehung, haben britische Forscher kürzlich festgestellt. Verdienen sie mehr als ihr Mann, stehen die Chancen auch nicht gut. «Frauen sind im Durchschnitt wählerischer als Männer, und das hat klare evolutionäre Gründe», erklärt Benjamin Lange. Hat sie also viel zu bieten, sucht sie jemanden, der noch ein bisschen mehr drauf hat. Das Resultat: «Extrem intelligente und attraktive Frauen bleiben auffallend oft Single.»
Welcher Mann soll die Frauen noch übertrumpfen?
Am Ende also liegt der schwarze Peter wieder bei der Frau. Wie so oft schlägt die Evolution der gesellschaftlichen Entwicklung ein Schnippchen, erläutert der Forscher. Denn der Mechanismus, dass Frauen auf die Versorgung durch den Mann angewiesen sind, stammt noch aus Höhlenzeiten. Ganz automatisch verlangen sie noch heute, dass der Mann mehr bietet, auch wenn es längst nicht mehr ums nackte Überleben geht. «Selbst sehr reichen Frauen ist es wichtig, dass der Mann immer noch ein bisschen mehr Geld und Erfolg hat. Ist das nicht so, ist das ein guter Prädiktor für das Beziehungsende.» Die Durchschnittsfrau gebe dem Mann allerdings ein paar Jahre Zeit und warte ab, ob er die Kurve noch kriegt.
Dumm nur, dass gesellschaftlich die Frauen immer stärker nach vorn drängen, dass sie an den Universitäten besser abschneiden und sich langsam aber sicher in Führungspositionen vorboxen. Welcher Mann soll sie noch übertrumpfen? Mit wem sollen sie Kinder bekommen? «Man könnte düstere Szenarien entwerfen», gibt Lange zu. Doch das ist nicht sein Metier. Die Evolution schaut nicht in die Zukunft.
Eine Chance sieht er trotzdem noch: Dass unser Wohlstand zur Neige geht. Denn es ist weltweit zu besichtigen, dass in größerer Armut Frauen mehr Kinder bekommen, während Wohlstand die Kinderzahl gering hält. Auch dahinter sieht die Evolutionsforschung ein klares biologisches Prinzip: «Sind die Verhältnisse gut, habe wenig Kinder, sorge aber sehr gut für sie. Sind die Verhältnisse schlecht, habe so viele Nachkommen wie möglich und hoffe, dass ein paar durchkommen.» Sollte unser Wohlstand sich dem Ende zuneigen, fällt es den Männern dadurch vielleicht wieder leichter, die Frauen zu übertrumpfen.
Welche Frau kann bei solchen Perspektiven noch ruhig schlafen?
beu/news.de