Sa., 26.05.12

Gewalt 09.06.2011 Ein Jahr lang im Wohnhaus gefangen

Familie soll junge Frau ein Jahr gefangen gehalten haben (Foto)
Ein Blick in einen Raum der Wohnung einer Familie aus Hassmersheim, die eine Frau über ein Jahr gegen ihren Willen festgehalten und misshandelt haben soll. Bild: dapd

Von Caroline Wadenka

Eine junge Frau soll ein Jahr lang in einem Wohnhaus in Baden-Württemberg festgehalten worden sein. Vermutlich wurde sie auch sexuell missbraucht. Am vergangenen Wochenende konnte sie fliehen. Vater, Mutter und der minderjährige Sohn sitzen in Untersuchungshaft.

Erst vor drei Monaten war die Familie aus dem Rhein-Neckar-Kreis nach Haßmersheim gezogen. Der Staatsanwaltschaftssprecher sagte: «Ja, es hat einen Umzug in der Tatzeit gegeben.» Ob jedoch die genauen Umstände des Umzugs ermittelt werden könnten, sei unklar.

Vater soll junge Frau sexuell genötigt haben

Die 20-jährige Frau und die dreiköpfige Familie waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft einander bekannt. Es handele sich nicht um einen Entführungsfall, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler hegen den dringenden Verdacht, dass die Familie die Frau durch Gewalt und Drohungen zu Haushaltsdiensten zwang. Mindestens ein Familienmitglied bewachte die Frau und hinderte sie an der Flucht. In einem Fall soll das Opfer auch vom Vater sexuell genötigt worden sein. Das Ehepaar und sein Sohn sollen die Frau ein Jahr lang in dem 4800-Seelen-Ort gefangen gehalten haben.

Ein extremer Fall wie im österreichischen Amstetten, wo ein Mann seine Tochter über viele Jahre im Keller gefangen hielt und mit ihr mehrere Kinder zeugte, habe der Fall in Haßmersheim nicht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben zu den Umständen, wie die Frau im Haus der Familie gelebt habe, wollte er nicht machen.

Am vergangenen Wochenende war das Opfer durch ein offenes Fenster geflohen. Danach wandte sich die Frau an eine Polizeidienststelle im Rhein-Neckar-Kreis. Die Frau stammt nach Angaben der Staatsanwaltschaft gebürtig aus Würzburg.

Der Haßmersheimer Bürgermeister Marcus Dietrich (Freie Wähler) zeigte sich bestürzt und überrascht von der Tat, die er sonst nur in Großstädten erwartet habe. Das Haus der Familie stehe in der Nähe der Haßmersheimer Fähre, die Bebauung sei dort dicht. Allerdings gebe es dort auch häufige Mieterwechsel, sagte Dietrich. «Eine Verzahnung der Familie in den Ort war mir überhaupt nicht bekannt.»

SEK-Einsatz am frühen Morgen

Der Familienvater ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten. Da es Hinweise gab, dass er im Besitz von Waffen sein könnte, wurde das Sondereinsatzkommando am Mittwoch zur Festnahme hinzugezogen. Bürgermeister Dietrich sagte, dass Augenzeugen den Einsatz als relativ kurz beschrieben hätten. Kurz nach 5.00 Uhr seien die Beamten gekommen und hätten kurz darauf die drei Beschuldigten in Handschellen abgeführt.

Die Staatsanwaltschaft Mosbach erwirkte Haftbefehle gegen die drei Beschuldigten, die seit Mittwoch in Untersuchungshaft sitzen. Der Vater bestritt die Vorwürfe nach Angaben der Staatsanwaltschaft. Der Sohn habe jedoch einzelne Vorwürfe und auch Gewalt gegen die Frau eingeräumt. Die 20-Jährige, die aus Würzburg stamme, sei eine Bekannte des Sohnes. Ersten Erkenntnissen zufolge sei sie freiwillig zu der Familie gezogen, sagte der Mosbacher Oberstaatsanwalt Franz-Josef Heering der Nachrichtenagentur dpa.

iwi/cvd/news.de/dapd/dpa
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