Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Besser kein gärendes Futter mehr: Kamele gelten wegen ihres hohen Methanausstoßes als Klimasünder - und sollen nun in Australien abgeschossen werden. Dabei sind die Tiere im Gegensatz zu Menschen harmlos.
Die Rechnung klingt einfach wie grausam: Wer mit seinen Firmen die Umwelt verschmutzt und dafür Emissionszertifikate braucht, kann Kamele erschießen. Die Tiere gelten als Klimakiller - ihr Rülpsen stößt ungeheure Mengen Methan aus. Und in Australien - dem Land, aus dem Idee kommt - sind die Paarhufer eine wahre Plage. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser stürmen sie ganze Dörfer und werden zu einer Gefahr für die Menschen. Warum also nicht Kamele erschießen, um die Welt vor dem Klimawandel zu retten?
Pro Jahr rülpsen die Wüstenschiffe eine Tonne gefährliches Gas aus. Die rund eine Million Kamele in Australien produzieren somit so viel wie 300.000 Autos. Schon 2010 hatte ein australischer Politiker deshalb gefordert, «die Tiere auszurotten». Neben dem Kamel als Klimakiller kam noch hinzu: sie sind eine Gefahr für den Straßenverkehr, essen dem Nationalheiligtum Känguruh die Nahrung weg und zerstören von Menschenhand angelegte Plantagen.
Untersuchungen haben gezeigt: ab zwei Kamelen auf einem Quadratkilometer wird es heikel. Die Tiere fressen, trinken und zerstören, was es zu fressen, trinken und zerstören gibt. Eine selbst gemachte Katastrophe - am Ende des 19. Jahrhunderts holten Siedler die Tiere als Transportmittel nach Australien.
Eine Katze rülpst zwar nicht - sie braucht aber Katzenstreu
Nun, bis auf ihr Rülpsen haben Kamele aber gar keine schlechte Klimabilanz. Weil sie eben fressen, was da ist. Für sie muss nicht extra Futter angekarrt werden. Eine normale Hauskatze, die Katzenstreu und Futter braucht, hat eine jährliche Bilanz von 2,2 Tonnen klimaschädigendem Kohlendioxid. Das ist mehr als doppelt so viel als die eines Kamels.
Ganz zu schweigen von uns Menschen. Während wir also überlegen, Kamele wegen ihres Rülpsens vom Erdboden zu tilgen, sorgen wir in jedem Jahr für rund 11 Tonnen Treibhausgas. Elfmal soviel. Wenn wir modisch mit unserem Coffee-to-Go durch die Fußgängerzone schledern, halten wir auch einen kleinen Klimasünder in der Hand: Rund 200 Gramm Kohlendioxid pustet jeder Kaffee zum Mitnehmen in die Luft.
Schlimmer als der Kaffee im Pappbecher ist der Fleischkonsum. 20 Prozent des Treibhausgases kommt durch die Nutzviehhaltung. In der belgischen Stadt Gent wird deshalb an jedem Donnerstag fleischlos gekocht. Ein Zeichen wollen die Genter setzen und zeigen, dass Fleisch nicht immer sein muss.
Fleischkonsum schlägt den Bogen zurück nach Australien. Die toten Kamele könnten nämlich nach dem Tod durch die wahren Klimakiller, die Unternehmer auf der Jagd nach Emissionszertifikaten, zu Kamel-Burgern verarbeitet werden. Guten Appetit.
jag/news.de/dpa
http://www.tasso.net/Tierschutz/Aktionen/Kameltotung Die Klimawirkung der Landwirtschaft schlägt neben Methanemissionen aus der Viehhaltung auch mit Lachgas-Emissionen durch den immensen Düngemitteleinsatz zu Buche.
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