Sa., 26.05.12

Software 05.06.2011 Hacken gegen die Probleme der Welt

Hacker (Foto)
In Berlin haben sich Hacker getroffen, die Software-Lösungen für die Probleme der Welt finden wollen. Bild: dapd

Von Peter Zschunke

Sie entwickeln Programme für Rollstuhlfahrer und Menschenrechtler: In Berlin haben sich Hacker getroffen, um Software-Lösungen für die Probleme der Welt zu finden. 80 Punkte umfasst die Liste der Initiative «Random Hacks of Kindness». Eine große Aufgabe.

Draußen strahlt die Sonne, drinnen rauchen die Köpfe. Viel Zeit gibt es nicht für rund 70 Hacker, die in Berlin zu einem besonderen Programmierwettbewerb zusammengekommen sind. Sie entwickeln Software-Lösungen für einen guten Zweck - zur gleichen Zeit wie einige hundert weitere Entwickler in Basel oder Aarhus, Melbourne oder Seattle.

Ihre Angriffsziele sind nicht Sony oder Regierungsrechner, sondern die Probleme der Welt: 80 konkrete Aufgaben listet die Website der Initiative «Random Hacks of Kindness» (RHOK) auf, was mit «Programmieren für die Menschlichkeit» übersetzt wird. Dazu gehört etwa die Entwicklung eines Frühwarnsystems für Dürrephasen oder einer Software zur Bekämpfung der Korruption.

«Hacken bedeutet, innovative, besonders intelligente Lösungen für besonders komplexe Probleme zu finden», erklärt Anke Domscheit-Berg vom Organisationsteam des Wettbewerbs. In den Medien werden Hacker allerdings meist mit «Crackern» gleichgesetzt, wie diejenigen genannt werden, die ohne Erlaubnis in fremde Computernetze eindringen.

Eine Karte nur für Rollstuhlfahrer

Bisher lag der Schwerpunkt der 2009 gegründeten RHOK-Initiative darin, humanitäre Einsätze in Katastrophengebieten zu unterstützen. So hat Shoaib Burq im vergangenen Jahr eine Karten-Anwendung für die Hilfsorganisation Caritas mitentwickelt, die Katastrophenhelfern schnelle Informationen über den Bedarf in Einsatzgebieten bereitstellt. Jetzt soll sie um neue Funktionen ergänzt werden.

In diesem Jahr liegt ein besonderer Schwerpunkt der RHOK-Wettbewerbe auf Lösungen für den Klimaschutz. Künftig soll es aber ganz allgemein um humanitäre Projekte gehen.

Der englische Hacker David Owens hat sich in Berlin eine Aufgabe des Projekts Wheelmap ausgesucht - diese Web-Anwendung zeigt auf einer Karte an, an welchen Orten Rollstuhlfahrer mit Hindernissen rechnen müssen und wo sie gut zurechtkommen. Owens will die Anwendung für den Internet Explorer anpassen, und da gibt es noch ein paar Probleme. «Es muss einfach funktionieren», sagt er. Außerdem, so wünscht es sich der Initiator Raúl Krauthausen vom Berliner Verein «Sozialhelden», soll es die Wheelmap nicht nur fürs iPhone, sondern auch auf anderen Handys als App geben.

«Viel Erfolg und vielen Dank schon mal!»

Zur gleichen Zeit erklären Bernd Meding und Michael Wiegand von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport einer Gruppe von sechs Hackern, wie die von ihnen gewünschte App zur Alarmierung von Team-Mitgliedern in Notfällen funktionieren soll: «Eigentlich ist die Anforderung recht simpel.» Die Anwendung soll es möglich machen, die Mitglieder des Teams in einem Alarmfall gleichzeitig anzurufen. Diese sollen dann durch Eingabe einer Nummer auf dem Handy reagieren und mitteilen, ob sie sofort verfügbar sind und kommen können.

Die Hacker haben viele Fragen - schließlich steht die genaue Eingrenzung der Funktionen am Anfang jeder Programmierarbeit. Aber schließlich haben sie eine genaue Vorstellung und die beiden Mitarbeiter der Verwaltung verabschieden sich: «Viel Erfolg und vielen Dank schon mal!»

beu/cvd/news.de/dpa
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