Sa., 26.05.12

Belgien 27.05.2011 Vereint durch Pommes und Fußball

Pommes (Foto)
Flamen und Wallonen verstehen sich nur, wenn es um Pommes oder Fußball geht. Wenn es aber um Musik geht, knallt es. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus

Backstreet Boys statt Edith Piaf: In Brüsseler U-Bahnen wird keine Musik mehr in den Landessprachen gespielt. Belgien ist gespalten, es hat keine Regierung, aber viele Probleme: Die Beschallung in Bahnen gehört dazu. Einig sind sich die Belgier nur noch selten.

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Nur noch zwei Wochen sind es, dann ist Belgien seit einem Jahr regierungslos. Eine harte Zeit, nicht nur für die neun Streitschlichter, die die verschiedenen Parteien beinahe beknien, nun doch endlich eine Lösung zu finden. Im Januar rief die Senatorin Marleen Temmerman die Frauen der Politiker dazu auf, «die Beine zusammenzukneifen» und ihren Männern den Sex zu verweigern. Erst wenn die Regierung stehe, sei auch im Bett das Stehen wieder erlaubt.

Gebracht hat das nicht viel. Immer noch streiten sich zwei Parteien, die Neu-Flämische Allianz (N-VA) unter Bart De Wever und die sozialistische PS von Elio di Rupo um die Regierungsbildung. Geht das so weiter und wird das Sex-Verbot konsequent durchgeführt, dann lösen sich alle Probleme von allein: Belgien stirbt aus. Oder wird ein Land von Bartträgern: denn nicht wenige Männer haben gesagt, sie würden sich erst wieder rasieren, wenn die neue Regierung steht.

Fluglärm für alle!

Und nicht nur die Politiker sind zerstritten. Ein ganzes Land befindet sich im Dauerstreit. Die Flamen (die niederländisch-sprechende Bevölkerung im Norden) und die Wallonen (die französisch-sprechende Bevölkerung im Süden) sind sich spinnefeind. Und das nimmt kuriose Züge an.

In den Brüsseler U-Bahnen beispielsweise. Bis vor einigen Tagen dudelte noch niederländische und französische Musik aus den Boxen. Doch nun hat die Betreibergesellschaft kapituliert: Weil jedes niederländische Lied und jeder Chanson für unzählige Beschwerdebriefe und Ärger in den Bahnen sorgte, wird nun nur noch spanische, italienische oder englische Musik gespielt. Kein Edith Piaf und kein Alfred Jodocus Kwak mehr, stattdessen gibt es nun die Backstreet Boys.

Oder der Flughafen Brüssel-Zaventem: Hier geht es um den Lärm, den die Flugzeuge machen. Denn Zaventem liegt direkt auf der Grenze zwischen flämischem und wallonischem Gebiet. Wallonen behaupten, sie hätten mehr Krach als die Flamen zu verkraften, die Flamen sehen das genau andersherum. Beide Seiten wollen, dass die Dezibel gerecht verteilt werden. Wie das gehen soll, das wissen Flamen und Wallonen nicht.

Nur zwei Themen einen die Belgier: Pommes und Fußball

Vor einigen Jahren berichtete ein belgischer Sender, das Land werde geteilt. 30 Minuten wurde dort in einer Sendung dieses Ereignis diskutiert. Dass die ganze Sendung den Konflikt nur ironisch betrachtete, wurde nirgendwo eingeblendet. Die Folge: Panik, Aufregung, Diskussionen. Nicht wenige sahen ihren großen Wunsch in Erfüllung gehen. Endlich weg von den ungeliebten «Anderen», endlich ein Land für Flamen, eins für Wallonen - und Brüssel als Stadtstaat.

Nur in zwei Bereichen sind sich Flamen und Wallonen einig: Wenn es um ihre Pommes geht - oder um Fußball. Auf dem Fußballplatz jubeln Flamen und Wallonen gemeinsam. Da feiert jeder Daniel van Buyten - egal, ob er zuhause Französisch oder Niederländisch spricht. Und eben bei den Pommes. Wer schlecht über das belgische Kultessen spricht, der bekommt Beschimpfungen in gleich zwei Sprachen um die Ohren geworfen.

iwi/news.de
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