Alle sind gleichberechtigt, aber Frauen sind gleichberechtigter? Dass Goslar seine Gleichstellungsbeauftrage absetzte, weil sie auch was für Männer tat, bringt ins Grübeln. Männer fördern, das ist für viele Kommunen eine Überforderung. Dabei gibt es gute Vorbilder.
Monika Ebeling hat es interessant formuliert. Klar seien Männer benachteiligt: «Schon die kürzere Lebenserwartung ist ein Indiz dafür»,
sagte sie der Süddeutschen Zeitung am Tag, nachdem sie aus ihrem Amt als Gleichstellungsbeauftragte von Goslar geflogen war. Nicht die Biologie sei dafür verantwortlich: «Eine sogenannte Klosterstudie hat ergeben, dass Nonnen und Mönche nahezu gleich lang leben - bei uns liegt die Lebenserwartung von Männern sechs Jahre unter der von Frauen.» Jungs brächen häufiger die Schule ab, seien häufiger arbeitslos, bekämen schlechtere Bewertungen bei gleicher Leistung und litten öfter an Depressionen, zählt Ebeling auf.
Nachteile, die tief in der Gesellschaft verwurzelt liegen. Also nicht anders als bei den Frauen, nur von der anderen Seite aufgezäumt. Nein, es soll hier nicht daran gezweifelt werden, dass Frauen noch immer viel zu oft das Nachsehen haben. Dass sie in vielen Gesellschaften zu meinungslosen Schmuckstücken degradiert bleiben und auch hierzulande noch zu wenig mitziehen an den Strippen, die Land und Welt lenken. Aber Gleichberechtigung klingt doch eher nach einem aufeinander zu bewegen als nach Dauerbeschuss aus einer Richtung.
Jede Kommune hat heutzutage eine Gleichstellungsbeauftragte. Hier die weibliche Form zu wählen hat nichts mit Feminismus zu tun, es ist so. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat Monika Ebeling 380 ehemalige Kolleginnen. Eine von ihnen ist Michaela Fahner, Sprecherin der
Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros.
Keine Zeit für Jungs und Männer
Michaela Fahner hätte eigentlich gar nichts dagegen, auch Jungs stärker zu fördern. Die Rollen von beiden Seiten her aufzubrechen. Sie reagiert dennoch recht heftig auf die Frage, ob das in ihrem Referat mit dazugehöre. «Wenn das Ziel erreicht ist, können wir gucken, wie wir die Aufgabe erweitern. Aber davon sind wir weit entfernt», betont Fahner. Es mangele an Zeit, die 110.000-Einwohner-Stadt Bergisch-Gladbach finanziert 1,5 Stellen.
Doch es ist nicht nur das. Gleichstellungsbeauftragte seien einfach nicht die richtigen für die Männerforderung: «Ich bin bekannt dafür, dass ich parteilich für Frauen bin.» Auch wenn es so wirken mag, Michaela Fahner ist nicht verbiestert, und sie betont, dass sie auch gern Programme für Jungen und Männer unterstützen würde. Doch einfach das Pferd von hinten aufzäumen, das sei keine ehrliche Herangehensweise, betont sie. Ein Beispiel: Der Mädchen-Merker, ein Kalender, in dem sie ihnen untypische Frauenberufe näher bringen. Dasselbe für Jungs? «Ich weiß doch gar nicht, ob die Kalenderform das richtige Medium für sie ist und wie ich sie am besten anspreche. Die Jungen haben was anderes verdient», findet Fahner.
Also lieber erstmal gar nichts tun fürs andere Geschlecht? Grenzen ziehen, wo sich eine Verzahnung anbietet? Schließlich wurde schon 1985 auf der Weltfrauenkonferenz angestoßen, die Stärken und Neigungen beider Geschlechter stärker im Fokus zu haben. Mit dem Inkrafttreten des Amsterdamer Vertrags 1999 heißt das Gender-Mainstreaming - die Geschlechterbrille aufsetzen, nicht alle über einen Kamm scheren.
"Doch einfach das Pferd von hinten aufzäumen, ..." Ich denke auch nicht, dass dies die ausschließliche Betrachtungsweise von Frau Ebeling war und ist. Vielmehr dürfte es sich um eine zum Nachdenken anregende Vorgehensweise gehandelt haben, die offensichtlich das Ziel weitgehend verfehlt hat, wenn man sich das süffisant vorgetragene Statement von Frau Fahner zu Gemüte führt. Eine systemische Betrachtung, ähnlich dem beispielhaften Diversity-Management, kommt der Sache allemal näher, als der misandristische Blick durch die durchgefäbte lila Brille.
jetzt antwortenKommentar meldenSind Frau Fahner nicht ihre eigenen Aussagen peinlich? Wenn die Anliegen der Frauen alle erfüllt sind, sehen wir weiter, parallel können Probleme nicht angegangen werden, und die Männer haben zurückzustecken, auch wenn ihre Probleme weiter anwachsen. Und wie sie Männerarbeit machen soll, weiß sie nicht, findet sie. Wenn sie sich dafür mal interessiert, kann sie ja mal bei Frau Ebeling in Goslar anrufen. Ansonsten geht der Artikel auf die wesentlichen Dinge gar nicht ein. Männerobdachlosigkeit, Schutz vor häuslicher Gewalt, Gleichstellung im Sorgerecht, darum sollte es gehen!
jetzt antwortenKommentar melden"Doch es ist nicht nur das. Gleichstellungsbeauftragte seien einfach nicht die richtigen für die Männerforderung: 'Ich bin bekannt dafür, dass ich parteilich für Frauen bin.' " Nicht zu fassen!! Sie gibt es selbst zu, dass sie ihren Job völlig sexistisch ausübt? Eine Unverschämtheit, wie sehr diese Frauen von Männerhass erfüllt sind, dass sie wie ganz selbstverständlich das auch noch aussprechen. Michaela Fahner gehört schleunigst abgesetzt. Und es müssen auch männliche Gleichstellungsbeauftragte ran, oder alle Gleichstellungsjobs gleich abschaffen.
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