Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Gesucht wird die hässlichste Stadt Deutschlands. Der Hamburger Carlsen-Verlag will das ekligste Plätzchen der Republik ausfindig machen. Ein Anlass für uns, der Hässlichkeit auf die Finger zu schauen.
Ob schön oder hässlich ist eigentlich schnuppe. Alles, was herausragt, fasziniert uns - egal, an welchem Ende der ästhetischen Skala. Langsam aber sicher verschiebt sich der Reiz allerdings zugunsten der Hässlichkeit. Schönes gibt’s ja überall. Nichts ist einfach mehr nur so einfach da und vielleicht nützlich. Nein, alles und jede(r) ist designed, gestaltet, verkleidet. Und damit mehr oder weniger schön, mit einem gewissen, fein kalkulierten Spielraum für den persönlichen Geschmack.
Schönheit ist Massenware geworden? Das lässt die Hässlichkeit sich nicht zweimal sagen. Sie hat Ecken und Kanten, wo eine gerade Linie angesagt wäre, und Rundungen, wo die fett aussehen. Sie ist schreiend bunt, wo man dezent sein sollte, und grau und bröckelig, wo Leben brodeln will. Aber sie hat Charakter. Die Worte «David» und «Hasselhoff» auf einen Hintern tätowiert, haben einen unterirdischen optischen Wert und ideell zumindest einen zweifelhaften. Aber eins ist klar: Diese Tätowierung, knapp vorbeigeschrammt am Titel des hässlichsten Tattoos Deutschlands, die hat ihre Geschichte.
Hässlichkeit ist Kult, weil sie echt wirkt. War das Leben früher hart und echt und das einzig Schöne waren die Blumen, ist das Leben heute schön und unecht und wir haben schwarze Daumen. Hässlichkeit rührt irgendetwas tief in unserem Herz. Als Anfang des Monats die britische Zeitschrift Good Surgeon Guides wieder mal Iggy Pop zum hässlichsten Promi wählte, brodelten die Emotionen: «Dabei ist er doch so niedlich», schreibt das Schweizer Magazin Seite 3. Iggy ist halt auf eine ästhetische Weise hässlich.
Und die WM im Hässlichtanzen seit Jahren ein Renner. Beispiele, die zeigen, was wir eigentlich schon seit den 1980ern wissen: Wir müssen gut aufpassen, dass hässlich nicht bald das neue schön ist. Denn was bleibt uns da noch?
Ach ja - und warum das alles? Der Carlsen-Verlag sucht Deutschlands hässlichste Stadt, und zwar hier. Da hat auch tatsächlich schon jemand Barcelona vorgeschlagen ...
beu/ivb/news.de/dpa