Grímsvötn heißt in diesem Jahr der Schrecken der Urlauber. Die Aschewolke des isländischen Vulkans zieht nach Süden und kommt möglicherweise noch am Abend in Norddeutschland an. Auch hierzulande könnte der Flugverkehr beeinträchtigt werden.
In Schottland und dem Nordosten Englands ist die Wolke schon da. Die Lufthansa hat bereits zwei Flüge von Frankfurt nach Edinburgh gestrichen, die Gesellschaften British Airways, KLM, Easyjet, Flybe, Aer Lingus, Loganair und Eastern Airways stellen ihre Flugverbindungen von und nach Schottland am Vormittag ganz oder teilweise ein. Auch Flüge am englischen Flughafen von Newcastle sind gecancelt worden.
Island hatte am späten Montagabend seine internationalen Flughäfen wieder geöffnet - auch den Airport von Keflavik. Der Grímsvötn ist aber nach Angaben isländischer Experten weiterhin aktiv und schürt die Angst vor neuen Problemen im Luftverkehr - 14 Monate nach dem Flugchaos, das der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausgelöst hatte.
Der britische Verkehrsminister Philip Hammond betonte, es handele sich um den größten Ausbruch eines Vulkans in Island seit 50 Jahren. «Es ist unzweifelhaft, dass ein Vorkommnis wie dieses einige Störungen bringt», sagte er. Seine Behörden seien auf die Situation jedoch weitaus besser vorbereitet als im vergangenen Jahr, als ein Vulkanausbruch in Island zu tagelangem Flugchaos in ganz Europa geführt hatte. Ein flächendeckendes Flugverbot wie im vergangenen Jahr werde es nicht geben.
Die Aschewolke soll auch Richtung deutsche Küste ziehen. Bis zum Abend werde die Aschekonzentration an der Nordseeküste vermutlich Werte zwischen 0,2 und 2,0 Milligramm je Kubikmeter Luft erreichen, sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Bei diesen Konzentrationen seien Flüge nur unter besonderer Aufsicht möglich. Betroffen sei die norddeutsche Küstenregion. Der Meteorologe erwartete aber zunächst nicht, dass die kritische Marke von 2 Milligramm überschritten werde. Auch die Deutsche Flugsicherung rechnet bis 20 Uhr nicht mit einer Einschränkung des Flugverkehrs im deutschen Luftraum.
Nach dem wochenlangen Ausfall im vergangenen Jahr legte Verkehrsminister Ramsauer die 2-Milligramm-Marke als Grenzwert fest. Einen internationalen Grenzwert, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen, gibt es zum Leidwesen der Fluggesellschaften jedoch nicht.
Barça und Obama von der Aschewolke betroffen
Befürchtet wird auch, dass die Wolke nach Frankreich und Spanien weiterzieht. Der spanische Fußballmeister FC Barcelona will aus Furcht vor der Asche seine Anreise zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorziehen. Die Katalanen wollen nach Medienberichten noch heute Abend oder am Mittwoch nach London fliegen, wo sie am Samstag im Wembley-Stadion auf das Team von Alex Ferguson treffen.
Mit Sorge dürften wegen der möglichen Verbreitung der Asche auch die Staatenlenker dem G8-Gipfel am Donnerstag im französischen Deauville entgegen sehen. Laut der Europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol könnte die Wolke am Donnerstag Südeuropa erreichen.
Ihr erstes prominentes Opfer hatte die isländische Asche schon am Montagabend: das Ehepaar Barack und Michelle Obama. Der US-Präsident und seine Frau mussten vorzeitig von Irland nach London abreisen, um der Wolke zu entgehen. Zehn Stunden früher als ursprünglich geplant landete die «Air Force One» auf dem Flughafen Stansted im Norden Londons, um zum Empfang bei Queen Elizabeth II. im Buckingham Palast pünktlich zu sein.
EU-Kommission: Weniger kritisch als 2010
Die Wetterverhältnisse in Island machten es schwierig, die Größe und Höhe der Wolke genau einzuschätzen, sagten isländische Meteorologen. Aber Radaranzeigen machten deutlich, dass die Aschewolke nicht mehr so hoch wie kurz nach dem Ausbruch des Grímsvötn am Samstag sei. Experten gingen von fünf bis sieben Kilometern aus. Im Laufe des Tages sollte ein Erkundungsflugzeug über die Region fliegen.
Die EU-Kommission betonte, es gebe wesentliche Unterschiede zu 2010. «Es weht weniger Wind, die Aschepartikel sind dicker und fallen schneller zu Boden, und wir haben ein besseres Krisenmanagement», sagte eine Sprecherin von EU-Kommissar Kallas. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) rechnet ebenfalls vorerst nicht mit massiven Beeinträchtigungen im Flugverkehr.
Jeder Staat entscheidet selbst darüber, ob er seinen Luftraum schließt - die EU-Luftsicherheitsexperten geben nur Empfehlungen ab. Das europäische Krisenzentrum EACCC empfahl den Staaten am Montag, die Airlines selbst entscheiden zu lassen, ob sie in Gebieten mit Ascheteilchen fliegen wollen oder nicht.
Der Grímsvötn war am Samstag ausgebrochen. Der Vulkan schleuderte seine Asche teilweise mehr als 20 Kilometer hoch in die Luft. Er liegt unter dem größten Gletscher Islands, dem Vatnajökull.
iwi/beu/reu/news.de/dpa/dapd