Sa., 26.05.12

Gegen Gewalt 22.05.2011 Drohungen und Schläge im Krankenhaus

Maedchen und Jungen bekommen beim Zukunftstag Einblicke in die Arbeitswelt (Foto)
Die meisten Ärzte und Pfleger werden Opfer von Gewalt. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Es wird gepöbelt, gedroht, geschlagen. In Krankenhäusern gehört Gewalt für Pfleger und Ärzte fast schon dazu. Das ist nicht neu, aber erst jetzt wollen die Pfleger bundesweit dagegen angehen. Und es gibt schon ein Vorbild.

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In Krankenhäuser kommen Menschen, weil sie gesund werden wollen. Als besonders angenehme Aufenthaltsorte werden die Kliniken dennoch nicht empfunden. Dass Gewalt hier zum Alltag gehört, ist dennoch erschreckend. «Messerattacke in Rettungsstelle» konnten wir im Februar 2010 im Berliner Tagesspiegel lesen, «Mehrmals schon wurde Jörg Schwarz mit einem Messer bedroht. Einmal blickte der Arzt in einen Pistolenlauf», schrieben die Braunschweiger Nachrichten im September 2009.

Beispiele, die Andrea Stewig-Nitschke herausgesucht hat. Die Betriebswirtschaftlerin und Krankenschwester hat sich beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe dem Thema Gewalt angenommen. Es sind keine krassen Einzelfälle. Drei von vier Pfleger haben schon Gewalt von Patienten ertragen.

Besonders hoch her geht es in Psychiatrischen Kliniken. Burkhardt Zieger arbeitete als Pfleger in der Psychiatrie und weiß, wovon die Rede ist. Doch als Problem, gegen das man Strategien entwerfen sollte, hat er die Gewalt damals nicht empfunden. «Dort sind es Menschen in emotionalen Ausnahmezuständen. Als Pfleger denkt man, dass man es auffangen muss. Wenn jemand im Alkoholentzugs-Delirium zuschlägt, weiß er nicht, was er tut. Aber ich spüre dann, dass es schon real ist.»

Pfleger erleben das Leiden ihrer Patienten am eigenen Leib - und gerade Menschen im Delirium entwickeln enorme Kräfte. «Zum Glück war immer ein Kollege in Rufweite. Aber gerade im Nachtdienst, wo eine Pflegeperson allein für zwei Arbeitsbereiche und 45 Patienten zuständig ist, gibt es häufig niemanden.» Deshalb würden für Pflegepersonal auch Selbstverteidigungskurse angeboten.

Konfliktort Notaufnahme

Eine ganz spezielle Stimmung herrscht auch in Notaufnahmen. Häufig überfüllt, gespannte Nerven, Schmerzen und Ungewissheit - das sind keine günstigen Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander. Für jeden steht sein eigenes Leid im Vordergrund, kaum jemand denkt dabei darüber nach, was das Personal zu leisten hat.

Typischerweise sind es männliche Patienten zwischen 20 und 50, die, häufig unter Alkoholeinfluss, die Kontrolle verlieren, hat Andrea Stewig-Nitschke festgestellt. Es müssen nicht gleich die Fäuste fliegen. Drohungen, auch mit Waffen, regelmäßige Belästigungen bis zu Telefonterror, persönliche Beleidigungen zum Beispiel über das Aussehen und dann eben doch - Stoßen, Treten, Schlagen, Prügeln. Die ganze Palette der Gewalt ist auch im Krankenhaus vertreten.

Und ist sicher nicht allein auf die die Patienten zurückzuführen, das gibt Andrea Stewig-Nitschke unumwunden zu. Lange Wartezeiten ob der steigenden Patientenzahlen, gepaart mit fehlender Kommunikation, wie lange es denn noch dauern wird und warum, das sind Aspekte, die von Seiten der Kliniken den unangenehmen Zustand der Kranken noch verstärken.

Doch die vielfältigen Ursachen für den Ausbruch von Gewalt kenne niemand in ihrer Komplexität, bemängelt Stewig-Nitschke. Obwohl das Problem allgegenwärtig ist, fehlen Studien zur Gewalt in Krankenhäusern. Die will der Bundesverband für Pflegeberufe jetzt anstoßen. «Wir brauchen einen Gefährdungscode, um gezielt handeln zu können. Schließlich ist die Situation in einer Kleinstadt anders als in Berlin, und wir müssen herausfinden, wo die Problemzonen sind», erklärt sie.

Eine sei sicher der Wartebereich. Ansätze, wie man dem Dilemma beikommen kann, gibt es schon. Wichtig sei, den Patienten zu Beginn eine erste Einschätzung zu geben, wir dringlich ihre Behandlung sei, wie lange es dauern könne und wenn ein akuter Notfall die Wartezeit erhöht, erklärt Stewig-Nitschke. «Die Gewaltbereitschaft hat sich zwar insgesamt erhöht, aber Patienten verstehen, wenn es anderen noch schlechter geht als ihnen», meint sie. Außerdem arbeiten sie mit ambulanten Notärzten zusammen, was eine bessere Koordination ermöglicht.

Berliner Privatkliniken vorbildlich

Ein Vorbild, wie es laufen kann, sind die Berliner Vivantes-Kliniken. Seit drei Jahren schulen sie ihre Mitarbeiter für den Umgang mit Gewalt. Inzwischen arbeiten in den neun Kliniken 45 ausgebildete Deeskalationstrainer, und die wiederum haben 1500 Mitarbeiter in einer dreitägigen Schulung trainiert. Damit auch wie wissen, was zu tun ist, wenn Patienten pöbeln, drohen oder zuschlagen.

«Wir haben inzwischen einen Ausbildungsgrad von 80 Prozent», sagt Projektleiter Thorsten Rosenbäck. Ein enormer finanzieller Aufwand, zumal auch die psychologische Nachversorgung des betroffenen Personals mitgedacht ist. Doch das ist es der Klinikleitung wert, und mit der Berliner Unfallkasse hat sie einen Partner gefunden, der sie im Kampf gegen die Gewalt unterstützt. In einer Mitarbeiterbefragung hatte sie festgestellt, dass zwei Drittel der 946 Befragten körperliche und fast alle verbale Gewalt erfahren haben. Nach der Schulung fühlen sich die meisten von ihnen wesentlich sicherer.

Weil sie verstanden haben, worum es geht: «Am wichtigsten ist es, Konflikte rechtzeitig zu erkennen. Wer eine Eskalation vermeiden will, muss sich auf den anderen einlassen, eine Ebene mit ihm suchen, auf sein Bedürfnis eingehen: «Ich verstehe, wie es dir geht, ich höre, was du sagst, ich bin bereit, dir zu helfen»», erklärt Thorsten Rosenbäck.

beu/news.de
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Deutschland Schlaraffenland
  • Kommentar 6
  • 23.05.2011 08:19
 

berniboy, Diese edlen Mitmenschen einfach zum kostenlosen Schwimmkurs in der Karibik einaden, also in einen A 400 packen und über Karibik oder Südsee ausklinken. Spaß beiseite, wer sich nicht anständig integriert, muss raus! Illegale sofort raus!

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  • Michelmax Normalo
  • Kommentar 5
  • 23.05.2011 08:12
 

Für mordendes Verbrechergesindel müssen endlich Strafen her, die sich nicht mehr unter 15 Jahren bewegen. Gefangenenexport nach China oder Russland für solchen Abschaum!

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  • Flora Undjulante
  • Kommentar 4
  • 23.05.2011 08:07
 

Die Zustände in unserem grandiosen Rechtsstaat betreffen doch nur den Plebs, denn vor den Türen der Oberedelsten nimmt deren Sicherheitsgarde Platz. Der Saustall, dem unser Volk ausgesetzt werden "muss", ergibt sich aus den schmarotzerhaften Ansprüchen und Verbräuchen einer überflüssigen Oberetage. Als es in Deutschland noch anständig zuging, kam niemand ohne ordentliche Registrierung beim Pförtner überhaupt in ein Krankenhaus rein. Unser Land ist zum Saustall degeniert. Dabei vermute ich, dass es sich im Vorsatz handelt!

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  • romeo
  • Kommentar 3
  • 22.05.2011 17:19
 

In dem Bericht wird gern unterschlagen, daß die messerstechenden und prügelnden Vorfälle in den Notaufnahmen i.d.R. auf orientalische "Kulturbereicherer" zurückgehen.

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  • FrauEnte
  • Kommentar 2
  • 22.05.2011 14:21
 

In was für einer Welt leben wir eigentlich. Dissoziales Verhalten entwickelt sich zur Normalität und wenn dann jemand Zivilcourage zeigt, findet er sich im Knast wieder, weil irgendso ein Rechtsverdreher den Richter davon überzeugt, dass die Angemessenheit der Mittel nicht gewahrt wurde.

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  • berniboy
  • Kommentar 1
  • 22.05.2011 13:44
 

Was soll dieser Artikel? Das Problem besteht schon ewig und drei Tage. Nicht nur in Krankenhäuser werden Ärzte angegriffen oder bedroht. Bei uns in Berlin Kreuzberg haben Arztpraxen geschlossen wegen dieser Art von Bedrohung. Du geben keine Krankmeldung, dann ich komme wieder mit Freunde, sie kamen wieder! Heute ist die Praxis geschlossen. ALLES NATÜRLICH EINZELFÄLLE. Ähnlichkeiten mit anderen Vorfällen dieser Art, wären rein zufällig.

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