Von news.de-Redakteurin Katharina Bott
Es gibt Katastrophen, mit denen rechnet man gar nicht. Umso überraschter ist man als ahnungsloser Reisender dann, wenn auf einer gemütlichen Bootstour in heimischen Gewässern plötzlich Piraten in Badelatschen auftauchen. Ein neues Buch gibt Tipps, wir haben mal reingeschaut.
Terroralarm, Piraten, Kampfhunde in Hoyerswerda: Das 21. Jahrhundert ist sehr gefährlich. Der Mensch schwebt allseits in Lebensgefahr. Wer gewappnet sein will, sollte im Notfall sein Buch aufschlagen. Das zumindest rät das Autorenteam Tobias Moorstedt und Jakob Schrenk. Sie haben das gleichnamige Werk Im Notfall Buch aufschlagen als unterhaltsame Konfrontationstherapie konzipiert: Ein Hoch auf die angeborene Skepsis und gelegentliches Schulterzucken. Manchmal reicht das schon zur Prävention.
Nicht das Wissen über die lauernden Gefahren, sondern das Vermögen, diese einordnen, bewerten und ihnen gegebenenfalls aus dem Weg gehen zu können, hilft im Alltag. News.de hat mit Blick auf die kommende Urlaubssaison Wissenswertes für Flugreise und Segler aus dem überaus lesenswerten, ironischen Katastrophenratgeber Im Notfall Buch aufschlagen zusammengetragen:
Das sollte wissen, wer in ein Flugzeug steigt:
Generell ist der gefährlichste Teil einer Flugreise die vorher stattfindende Autofahrt zum Flughafen. Im Jahr nach dem 11. September 2001 wollten besonders viele Amerikaner nicht mehr in das tödliche Transportmittel Flugzeug einsteigen, sondern lieber mit dem Auto fahren. In den folgenden zwölf Monaten kamen zirka 1500 Menschen mehr durch Verkehrsunfälle ums Leben.
Fliegen Sie nie erster Klasse, denn die Überlebenswahrscheinlichkeit auf den hinteren Sitzplätzen ist um 40 Prozent höher. Für den Fall des Falls sitzt man am besten direkt am Notausgang. Die weiteren Ratschläge von Moorstedt und Schrenk lauten: Bleiben Sie nüchtern, bewahren Sie Ruhe, achten Sie auf den BMI - denn Schlanke können sich besser befreien - und hören Sie unbedingt auf die Stewardess.
Das sollte wissen, wer einen Segeltörn macht:
Neben dem Golf von Aden sollte man tunlichst die Küsten Chinas, der Philippinen, Brasiliens, Venezuelas, Nicaraguas, Guatemalas und Albaniens meiden. Piraten fühlen sich vor allem dort wohl, wo «Seehandel prosperiert, die lokalen Behörden schwach sind und die Bevölkerung aufgrund ihrer unbefriedigenden ökonomischen Situation die Piraterie als ernsthafte Erwerbsalternative betrachtet».
Darum sei auch Vorsicht auf Müritz und Ostsee geboten - vor Überfällen von Hartzern. Schmieren Sie also auch in Binnengewässern die Bordwandkanten mit Öl ein, um den Erwerbslosen das Entern zu erschweren. Die Autoren raten zu Flüssigseife der Hamburger Firma VFR Marine Service in grellem Pink. Die soll die vorwiegend Flip-Flop tragenden Piraten bestens außer Gefecht setzen.
Das sollte wissen, wer hungernd irgendwo feststeckt:
In Wald, Straßengraben und an Ufern finden sich neben vielen Zutaten für ein ausgewogenes Mahl nach der Katastrophe auch Teile für einen Kochstellen-Bausatz. Eine durchlöcherte Blechdose kann mit ein paar einfachen Handgriffen zu einem Mini-Herd werden. Weltweit gibt es, laut den Autoren, etwa 300.000 Pflanzensorten, die Hälfte davon kann man essen.
Wer zurück zu den Wurzeln will (oder muss), für den haben Moorstedt und Schrenk einen wohlklingenden Menü-Vorschlag: Als Vorspeise gibt es Linde-Walnuss-Salat, danach Distelstängel an Möhren-Eichelschrot-Bratlingen. Das Dessert könnte aus Brom-, Him-, oder Walderdbeeren bestehen. Leicht verrottet sollen sie noch süßer schmecken. Als Kaffee danach bietet sich die Wurzel der Wegwarte (die häufig am Wegesrande steht, wie der Name schon sagt) an. Trocknen, rösten - fertig ist der Zichorien-Kaffee oder auch Muckefuck. Wohl bekomm's und viel Spaß beim Überleben!
Tobias Moorstedt arbeitet als freier Journalist für die Süddeutsche Zeitung, spiegel.de, die taz und ARD. Jakob Schrenk arbeitet als Redakteur bei der Zeitschrift Neon.
Autor: Tobias Moorstedt und Jakob Schrenk
Titel: Im Notfall Buch aufschlagen: Tipps für alle möglichen Katastrophen
Verlag: rororo
Umfang: 272 Seiten
Preis: 8,99 Euro
Erscheinung: 1.Juni 2011