Sa., 26.05.12

Guerilla Gardening 15.05.2011 Macht! Die! Stadt! Bunter!

Sonneblume (Foto)
Die Welt soll bunter werden - mit Guerilla Gardening. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus, Leipzig

Die Saat des Bunten: Beim Guerilla Gardening werden Bomben geworfen. Verletzt wird dabei niemand, denn aus den Bomben wachsen Blumen. Eine Stadt wird so bunter - und eine Brachfläche zu einer Fläche zum Wohlfühlen. Für Menschen und für Tiere.

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Ein wenig Lehm, etwas Erde, Blumensamen - und dann erst der Regen: Die Schale bricht auf, die Samenbombe explodiert. Nicht laut, ganz leise. Einige Wochen lang.

Beim Guerilla Gardening werden Bomben geworfen. Statt Tod und Zerstörung sollen sie Leben und Blumen bringen: Die Saat des Bunten. Klatschmohn, Borretsch, Kornblumen. «Alles bio und aus der Region», sagt Martina Neumann vom Leipziger Verein Ökolöwe. Die Umweltpädagogin hat mit ihren Mitstreitern zu Beginn des Frühlings 2000 Tüten mit Blumen- und Kräutersamen verschickt. An Privatpersonen, an Kindergärten und Schulen. Die Aufgabe: «Leipzig soll blühen!» Dunkle Flächen sollen bunt werden, triste Rasenflächen abwechslungsreich. Der Kampf für das Bunte beginnt so auch schon im Kindergarten.

Dabei klingt Guerilla Gardening gar nicht nach dem, was Kinder in der Schule oder der Kita lernen sollten. Es klingt nach vermummten Gesichtern, Dunkelheit und Schmiere stehen. Martina Neumann lacht. «Naja, verboten ist es schon», sagt sie: «Aber Blumen machen Freude.»

Auch eine Person kann für das Bunte kämpfen

Zudem wurde das Leipziger Projekt auch ganz offiziell gefördert: von der Stadt selbst. Verboten ist es dann nicht mehr wirklich. Eher geduldet. Und die Förderung war für das Projekt wichtig, erklärt Martina Neumann. Denn organisiertes Guerilla Gardening kostet Geld. Die kleinen Broschüren mussten gedruckt und verschickt, die Samentütchen gekauft und eingeklebt werden. Vier verschiedene Tütchen gab es. Mittlerweile sind die Gelben für die Imker weg. Auch die für die Landwirte: alle verschickt.

Verschiedene Adressaten, verschiedener Inhalt. Doch das Ziel ist gleich, sagt die Umweltpädagogin: «Mehr Blumen bedeutet nicht nur mehr Schönheit und mehr Buntes, es bedeutet auch, dass es für Insekten mehr Nahrung gibt.» Denn obwohl Leipzig eine grüne Stadt ist, fehlen die Blühpflanzen - und an die wenden sich die Bienen und Schmetterlinge, wenn die Bäume verblüht sind.

Auch in anderen Städten wird Guerilla Gardening betrieben: In Berlin, Hannover, Hamburg, München oder Osnabrück. Um nur einige Beispiele mit wilden Blumen im grauen Stein zu nennen. Nicht alle Gruppen sind organisiert, mit regelmäßigen Treffen und einer Hierarchie. Muss es auch gar nicht. Denn auch eine Person kann mit Lehm, Erde und Blumensamen zum Guerilla-Kämpfer für das Grün werden. Der Regen kommt irgendwann von alleine. Und dann kommen auch die Blumen und Kräuter.

Warum die Sache nicht selbst in die Hand nehmen?

Aber nicht nur Guerilla Gardening wird von der Stadt unterstützt. Auch eine andere Form, wie Martina Neumann erklärt: das Urban Gardening. Kleine Gärten in der Stadt, in denen Gemüse gezogen wird: «Für den Eigengebrauch», sagt sie. Tomaten, Gurken, Salat. Ein kleines Stückchen Land im Asphalt. Manchmal schliessen sich Nachbarn zusammen, um den Innenhof sinnvoll zu nutzen, manchmal sind Vereine daran beteiligt.

«Es gibt in den meisten Städten so viele Flächen, auf denen nichts ist außer ein tristes Grau», sagt Martina Neumann: «Wenn da Pflanzen wachsen, dann macht es die Gegend lebenswerter.»  Es sind alte Wiesen, unbebaute Grundstücke, um die sich niemand mehr kümmert. Warum also die Sache nicht selbst in die Hand nehmen?

Auch Martina Neumann hat mit Blumensamen für mehr Grün gekämpft: Im Innenhof an ihrer Wohnung. Dort wachsen nun Wildblumen. Noch blühen sie nicht: «Aber bald sind sie aufgegangen.» Im Sommer ist es dann soweit: Die Saat des Bunten blüht.

iwi/news.de
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