Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Endlich 18 - und zuhause raus, möglichst weit weg von den Eltern. Warum eigentlich? Das scheinen heute viele junge Leute zu denken. Im Schnitt leben Auszieher 9,5 Kilometer von Mama und Papa entfernt. Versteht sich die Jugend einfach zu gut mit den Eltern?
Junge Deutsche geben sich gern weltoffen. Reisen um den Globus, sind sozial vernetzt mit der ganzen Welt - und wohnen im Schnitt 9,5 Kilometer von ihren Eltern entfernt. Da waren selbst die Autoren der Studie überrascht, dass junge Leute offenbar nicht das Weite suchen. Zehn Prozent der Befragten suchen sich ihre erste Wohnung sogar nur maximal einen halben Kilometer von Muttern entfernt.
Herausgefunden hat das die SOEP, eine Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaft in Berlin, die jährlich 20.000 Menschen in 10.000 Haushalten befragt. Ein Forscherteam um die Soziologen Thomas Leopold und Ferdinand Geißler haben in der interdisziplinären Studie nun zum ersten Mal den Erstauszug aus dem Elternhaus untersucht, indem sie Daten aus den Jahren 2000 bis 2009 auswerteten.
Wie man es auch dreht und wendet - die große Mehrheit der jungen Leute bleibt ihren Eltern nah. Nur zehn Prozent der Befragten suchten ihre eigene Wohnung mehr als 250 Kilometer von den Eltern entfernt. Hat die Jugend kein Bedürfnis mehr nach Eigenständigkeit? Rebelliert sie nicht mehr gegen ihre Eltern? Die Erziehungswissenschaftlerin Christiane Papastefanou hat sich ebenfalls mit dem Verhältnis junger Erwachsener und ihrer Eltern beschäftigt. Die Entfernung habe mit Rebellion nichts zu tun, betont sie: «Räumliche Distanz und emotionale Unabhängigkeit hängen nur bedingt zusammen. Es gibt Eltern und Kinder, die auf einem Grundstück wohnen und keinen Kontakt haben.»
Schlechtere Bildung, größere Nähe
Genaue Ursachen für die verblüffende Nähe zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern haben Geißler und seine Kollegen noch nicht erforscht. Doch ein paar Faktoren konnten sie herauskristallisieren. So bleiben vor allem Kinder mit niedrigem Bildungsniveau ihrem Zuhause nah. Drei Viertel der Befragten mit schlechter Schulbildung ließen sich in einem Umkreis von 20 Kilometern nieder, nur 9,7 Prozent aus dieser Gruppe lebten mehr als 100 Kilometer entfernt.
Verblüffende Zahlen? Für den Berliner Soziologieprofessor Hans Bertram ist das gar nicht weiter verwunderlich. «Man denkt immer, die Gesellschaft sei so furchtbar mobil. Aber so ganz stimmt das nicht», sagt er. Akademiker gingen gern davon aus, dass sich alle genauso verhalten wie sie selbst. «Aber wer die Haupt- oder Realschule absolviert hat, macht meistens eine Lehre in der Nähe des Elternhauses und wird dann in der Regel vom Betrieb übernommen.»
Einen Gegenpol bilden laut Bertram viele Frauen aus dem Osten Deutschlands, die aus beruflichen Gründen häufig nach Baden-Württemberg oder Bayern abwandern. Ihre männlichen Schulkameraden hingegen gehören wiederum zur besonders sesshaften Fraktion: Für viele von ihnen sei auch drohende Arbeitslosigkeit kein Grund wegzuziehen, hat die SOEP ergeben. Interessant ist auch, dass nicht etwa die Landeier besonders sesshaft sind. Tendenziell bleiben mehr Städter den Eltern nah. Logisch, meint Professor Bertram: Sie müssen nicht einmal für ein Studium den Ort wechseln.
Eltern und Kinder verstehen sich
Über das Verhältnis zu den Eltern könne man aus der räumlichen Nähe also nicht viel ablesen, meint Professor Bertram. Doch das ändert nichts daran, dass aus anderen Studien bekannt ist: Man versteht sich viel besser als noch in den 1950er bis 1970er Jahren. «Die Shell-Studien dokumentieren das seit den 1950ern. Eltern werden stärker als Partner denn als Autoritäten wahrgenommen. Kein Vater würde zum Beispiel seinem Sohn noch vorschreiben, was er zu studieren hat. Das führt auch dazu, dass junge Männer inzwischen zu lange zuhause bleiben. 50 Prozent der deutschen Männer leben noch mit Mitte 20 bei den Eltern», erklärt Bertram.
Laut der aktuellen Shell-StudieAnfang 2010 wurden 2500 Jugendliche zwischen 12 und 25 befragt haben mehr als 90 Prozent der 12- bis 25-Jährigen ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, drei Viertel stellen fest, dass man eine Familie braucht, um glücklich leben zu können - und würden ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. Dass es der Entwicklung schaden könnte, wenn die Phase der Rebellion fehlt, findet Professor Bertram nicht. Er führt Studien an, die ergeben haben, dass Eltern, die mit 14, 15 Jahren ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern aufbauen, sich auch im Alter gut mit ihnen verstehen. «Wenn aber das Grundvertrauen verloren geht, ist das schwer wieder zu reparieren», erklärt er.
Selbstständiger seien junge Leute nicht deshalb, weil sie weit von ihren Eltern entfernt lebten - im Beruf zum Beispiel muss sich schließlich jeder allein durchsetzen. Bei den richtigen Nesthockern wird es höchstens mit dem Nachwuchs problematisch, wie in Italien. Dort ziehen die Männer im Schnitt mit 32 Jahren zuhause aus, was die Regierung zeitweilig bereits dazu veranlasste, eine Ausziehprämie auszuschreiben: Denn im Elternhaus werden keine Nachfahren gezeugt.
Die Soziologen Thomas Leopold, Ferdinand Geißler und Sebastian Pink von der Universität Bamberg haben die Studie How Far Do Children Move? Spatial Distances After Leaving the parental Home erstellt. Sie basiert auf Daten, die in den Jahren 2000 bis 2009 im sozial-ökonomischen Panel (SOEP) erhoben wurde. Das SOEP wird seit 1984 jährlich erstellt.
Ichwar auch noch relativ lange bei meinen Eltern mit Sohn ,aber ich habe bezahlt .Meine Eltern nutzte ich nicht aus .
jetzt antwortenKommentar meldenDie meisten Jugendlichen sind nur zu faul um sich nach den eigenen Zelten um zu sehen. Das Geld was sie sparen können nutzen sie meisten für irgendwelche unnützen Dinge zu kaufen. Handy, Spielkonsole u.s.w.
jetzt antwortenKommentar meldenEs machen doch viele jetzt Mamapansion . Ist doch der Trend !Dreimal dürfen Sie raten warum ! Sie sparen dadurch Geld !
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