Von Thomas Burmeister
Zechtouren entlang der Amsterdamer Grachten enden oft tödlich: Meist sind es Betrunkene, die beim Pinkeln in die Kanäle fallen und dann selbst nicht mehr aus dem Wasser kommen. Die Wände sind zu glitschig - und der Kopf vom Bier zu vernebelt.
Manchmal lauert der Mörder im Hausboot. Oder als Taucher unter Wasser. Er steht im Nebel am Ufer oder mimt auf Brücken den harmlosen Spaziergänger, das Messer im Jackenärmel. Leichenfunde in den Grachten von Amsterdam bieten immer wieder Gelegenheit zu Gänsehautfantasien. Allein seit Frühjahrsbeginn zog die Polizei im «Venedig des Nordens» vier Tote aus den Kanälen. Pro Jahr sind es durchschnittlich 15. Meist sind die Leichen männlich.
Wenn der Hosenschlitz offen steht und die Leiche außer leichten Schürfwunden keine Verletzungen aufweist, ist das für Gerichtsmedizinerin Selma Eikelenboom-Schieveld ein erster Hinweis: Kein Verbrechen, sondern eher ein Unglücksfall. «Oft handelt es sich um Männer, die einen über den Durst getrunken haben», berichtet die Expertin. Bierselige zieht es - unter Missachtung der alten Pissoirs entlang der Amsterdamer Grachten - magisch ans Wasser, weiß die 57-Jährige. «Da plätschert es doch so schön.»
Zum Tod führe dann gelegentlich eine verhängnisvolle Verkettung von Ursachen: Durch kräftiges «Bierablassen» sinke der Blutdruck, dem Betroffenen werde schummerig: «Plötzlich purzelt er kopfüber in die Gracht». Motorik und Koordination seien alkoholbedingt gestört. Hinzu komme oft, dass glibberige und steile Kanalwände das Hinausklettern erschweren. «Man muss aber nicht ins Wasser pinkeln, um hineinzufallen. Es genügt, über eines der vielen Fahrräder an den Grachtenufern zu stolpern.»
Überwiegend fallen Studenten in die Grachten
Das «Hosenschlitz-Phänomen» kennt längst nicht nur die Polizei in Amsterdam. Auch in anderen niederländischen Grachtenstädten landen immer wieder Pinkler im Wasser. «Hauptsächlich handelt es sich dabei um Männer», heißt es auch bei der Polizei in Utrecht, dessen Oude Gracht zu den schönsten des Oranje-Königreichs gehört. «Meistens aber läuft das glimpflich ab, und die Leute werden lebend herausgefischt», sagt ein Behördensprecher. In Delft besagt die Polizeistatistik, dass es überwiegend Studenten sind, die ins Wasser fallen. Ähnliches hört man aus Leiden und anderen Grachtenstädten mit Universitäten.
Amsterdam hingegen hängt der Ruf an, dass vor allem betrunkene oder mit Haschisch zugedröhnte Touristen im weltberühmten Grachtengürtel den nassen Tod finden. Diese Vorstellung aber sei «völlig falsch», sagt ein Sprecher der Hauptstadt-Polizei. Zuletzt habe es einen solchen Fall vor drei Jahren gegeben, als ein Teenager aus Frankreich von einer Brücke gestürzt sei. Die meisten der Wassertoten seien Einheimische. Und über Ostern sei kein einziger der mehreren zehntausend Amsterdam-Touristen ertrunken - trotz des ungewöhnlich warmen Wetters und der unzähligen Bierstuben entlang der Grachten.
beu/jag/news.de/dpa
Obwohl wir in unserer Stadt auch viel Wasser haben bin ich noch nie auf die Idee gekommen dort hinein zu pinkeln. Ich schließe mich der Meinung von Kommentator 1 an. :-)
jetzt antwortenKommentar meldenJetzt weiß ich endlich, warum ich nur in Büsche oder gegen Bäume pinkel.
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