Sa., 26.05.12

Osterbotschaft 24.04.2011 Deutliche Worte gegenüber der Politik

Papst verurteilt Gewalt, Bischöfe mahnen Solidarität an (Foto)
Papst Benedikt XVI erteilt den Segen «Urbi et orbi». Bild: dpa

Für den Frieden und gegen den Hass setzte sich der Papst in seiner Osterbotschaft ein. Die Waffen in Libyen mögen schweigen. Auch an die leidgeprüften Japaner erinnerte Benedikt. Die deutschen Bischöfe übten heftige Kritik an der Politik.
 

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Osterbotschaft Hass, Gewalt und Vertreibung in aller Welt verurteilt. «Im Himmel ist alles Friede und Freude. Aber auf Erden ist es leider nicht so», sagte Benedikt am Ostersonntag auf dem festlich geschmückten Petersplatz in Rom vor zehntausenden Gläubigen. Das «österliche Halleluja» stehe weltweit oft noch im Gegensatz zu «Elend, Hunger, Krankheit, Krieg und Gewalt.» Die frohe Botschaft des auferstandenen Christus möge daher besonders diejenigen erreichen, die von einer Zeit des Leidens betroffen seien.

Eindringlich forderte Benedikt einen Stopp der Waffengewalt im libyschen Bürgerkrieg. «Mögen in Libyen die Diplomatie und der Dialog an die Stelle der Waffen treten», forderte er. Mit Blick auf den Nahen Osten wünschte das katholische Kirchenoberhaupt, die Osterbotschaft von Frieden und Menschenwürde möge helfen, «die Finsternis der Teilung, des Hasses und der Gewalt» zu überwinden. In der westafrikanischen Elfenbeinküste müsse «dringend ein Weg der Versöhnung und der Vergebung beschritten werden», fügte er hinzu.

Der Opfer des verheerenden Erdbebens, des Tsunamis und der Atomkatastrophe in Japan gedachte der Papst in besonderer Weise. Das Land möge «Trost und Hoffnung finden, während es sich den dramatischen Folgen des jüngsten Erdbebens» stelle.

Als Höhepunkt der Ostermesse, die den Abschluss der Osterfeierlichkeiten in Rom bildete, erteilte Benedikt XVI. von der Mittelloggia des Petersdoms aus den Segen «Urbi et Orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis). Die Ostergrüße verlas er in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte er: «Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch.»

Anschließend wollte das Oberhapt von mehr als einer Milliarde Katholiken in seine Urlaubsresidenz Castel Gandolfo südlich von Rom fliegen. Dort will sich der 84-Jährige nach dem anstrengenden Osterprogramm erholen und auf die Seligsprechung seines Vorgängers Johannes Paul II. am 1. Mai vorbereiten.

Kritik gegenüber deutschen Politikern

Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche haben an Ostern den Politikern die Leviten gelesen. Vor Tausenden von Gläubigen mahnten die Kirchenvertreter am Ostersonntag, Lehren aus der Atomkatastrophe in Japan zu ziehen und sich für gerechten Frieden in Libyen, Syrien und Ägypten einzusetzen. Gentests an künstlich erzeugten Embryos dürften nicht der Auswahl zwischen «wertvollem» und «unwerten» Leben dienen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch verlangte, statt einer «Haltung des Murrens» müsse eine neue Solidarität auch auf das politische Leben überspringen. «Visionen werden selten umgesetzt, wenn sich Milieus, Parteien und Glaubensgemeinschaften in sich verkapseln», mahnte Zollitsch. Dies gelte auch angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima «mehr denn je, überall in unserer Gesellschaft».

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen kritisierte die Präimplantationsdiagnostik (PID) scharf, mit der menschliche Embryonen auf genetische Fehler untersucht werden. «Es geht um die Tendenz einer Gesellschaft, die sich anschickt, nicht nur nach den Schwächen eines Menschen zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie auszusondern», sagte Algermissen.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erinnerte an die Opfer der politischen Unruhen in Libyen und Syrien. Man werde «stumm», wenn Menschen gewaltsam Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden vorenthalten werde.

Mit deutlichen Worten sprach sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick gegen Waffenlieferungen nach Libyen aus. Es sei richtig, die Waffenlager des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi zu zerstören, aber falsch, den Gegnern Waffen zu liefern.

Nicht vor dem Leid der Mitmenschen abstumpfen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, forderte Konsequenzen aus der Atomkatastrophe in Fukushima und sagte: «Unsere Furcht, die verbunden bleibt mit der Ehrfurcht vor Gott und mit unserer Osterfreude, setzt uns in Bewegung. Sie hilft uns, vor dem Leid unserer Mitmenschen nicht abzustumpfen.»

Auch Präses Alfred Buß von der Evangelischen Kirche in Westfalen machte den Atomunfall in Japan zum Thema. «Die heimlich-unheimliche Katastrophenangst ist wieder da. Fukushima ist ein Fanal menschlicher Selbstüberhebung», sagte Buß.

Der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, ermutigte die Menschen, auf eine friedliche Welt ohne Kernenergie zu hoffen. Auch müsse es gelingen, dass aus der friedlichen Revolution in Ägypten «ein Staat entsteht, in dem die Menschenrechte geachtet werden». Für Libyen sei das Ziel, «die despotische Macht zu brechen und dem Morden ein Ende zu bereiten».

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer, erinnerte an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren und warnte vor den Gefahren der Kernenergie. Die Christen müssten an Ostern innehalten und einstehen gegen «menschengemachte Todesrisiken».

Die innerkirchliche Reformbewegung «Wir sind Kirche» bemängelt eine zunehmende Spaltung zwischen der katholischen Amtskirche und den Gläubigen in Deutschland. Es gebe eine klare Entwicklung weg von der Volkskirche hin zu einer Klerikerkirche neokonservativer Prägung, sagte Dietgard Heine, Sprecherin von «Wir sind Kirche» im Bistum Mainz, der Nachrichtenagentur dapd.

Das zeige sich nicht zuletzt an vielen der neuen Bischöfe, die in den vergangenen Jahren von Rom bestellt worden seien. Das Problem mit vielen dieser jungen konservativen Bischöfe sei, dass sie sich völlig den zentralistischen Vorgaben aus Rom unterordneten und sich entsprechend weniger für die Belange der Menschen im Bistum interessierten.

cvd/news.de/dapd/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Gunnar Sturm
  • Kommentar 1
  • 24.04.2011 22:38
 

Stellt euch vor es wird ein Genozid veranstaltet und keiner sieht hin! Diesen Fall haben wir derzeit in Elfenbeinküste, das findet bis jetzt wenig Echo in den Medien. Das neue an diesem Konflikt, und das sollte wachrütteln: die UNO ist an der Kriegstreiberei ganz massiv beteiligt. Eine Institution die angeblich Frieden bringt!?!? Siehe http://www.ivoireleaks.de oder auf englisch: http://www.ivorycoastpresident.com/home

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