Vor einem Jahr explodierte die BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon». Es war eine der größten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte. Die langfristigen Folgen sind noch nicht bekannt. Wie geht es den Menschen an der Küste, die mit den Folgen leben müssen?
Am Mittwoch vor einem Jahr, am 20. April 2010, explodiert die vom BP-Konzern geleaste Bohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko, rund 80 Kilometer vor der Küste. Zwei Tage später sinkt sie. In 1500 Metern Tiefe sprudelt Öl unkontrolliert ins Meer. Rund 780 Millionen Liter Rohöl laufen den Golf, zeitweise wird die rotbraune Brühe an mehr als tausend Kilometern Küste angeschwemmt.
Ein Jahr danach sind die Auswirkungen der Katastrophe immer noch deutlich zu spüren. Es gebe keine Nacht, in der er nicht an das Öl denke, sagt Dean Blanchard, Inhaber eines Fisch- und Meeresfrüchtehandels an der Küste. Zwar hat auch er Schadensersatz von BP bekommen, reichen tut ihm das aber nicht. Denn das Unternehmen zahlt nur für zwei Jahre, danach sollen - so BP - die Schäden behoben sein. «Ich hab' nachgeschaut - es gab noch nie eine Ölpest, bei der nach zwei Jahren alles wieder okay ist. Das ist doch verrückt», sagt Dean Blanchard.
Die Ölkatastrophe als Konjunkturpaket
Ähnlich sieht es Robert Haddad von der US-Wetter- und Ozeanographiebehörde, dessen Abteilung die Schäden durch die Ölpest ermittelt und später Pläne für die Wiederherstellung der Natur entwerfen soll. «Wir hoffen, dass wir in den nächsten zwei Jahren ein gutes Verständnis vom Ausmaß der Schäden haben, und dass wir beginnen, die Unwägbarkeiten zu verstehen.» Wie lange es dauert, bis man mit einem Plan zur Beseitigung der Umweltschäden beginnt? «Ich glaube, es werden weniger als zehn Jahre ins Land gehen, bis die Wiederherstellung der Natur anfängt», sagt er. «Es ist ein langfristiger Prozess.»
Mike Ballay, Hafenmeister der Cypress Grove Marina in Venice, sieht ein Jahr nach der Katastrophe jedoch auch die guten Seiten: «Die Ölpest war doch das Konjunkturpaket für Süd-Louisiana.» Unmengen Geld habe der Ölkonzern in die Golfküste gepumpt. Mancher Charterkapitän habe 300.000 Dollar in den Monaten der Ölpest verdient. «Einige von denen haben in ihrem ganzen Leben noch nicht soviel Geld gemacht», sagt Mike Ballay, der nach eigenen Worten nicht von dem Geldsegen profitierte. «BP war gut zu uns.»
beu/jag/reu/news.de/dpa
19. April 2011, Pariser Platz, Berlin: Ein Jahr nach der Deepwater Horizon Krise erinnert ein von der WDCS organisierter Protest in Berlin die Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit an die Folgen der Ausbeutung unserer Meere durch die Ölindustrie für Wale und Delfine und das gesamte marine Ökosystem. Der erfolgreiche Protest fand mit der Punkrockband Itchy Poopzkid und dem Schauspieler Andreas Hoppe prominente Unterstützung. http://www.youtube.com/user/WDCSDE
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