Sa., 26.05.12

Erdbeben in Japan 16.04.2011 Das Ringen um Normalität

Schule in Japan  (Foto)
Nur wenige Schüler der Okawa Schule in Japan haben den Tsunami überlebt. Für sie soll jetzt wieder der Unterricht beginnen. Bild: dapd

Von Jay Alabaster

Nur 34 Schüler und ein Lehrer der Okawa Grundschule haben den Tsunami überlebt, das Schulgebäude ist völlig zerstört. Trotzdem soll der Unterricht nun wieder beginnen. Bei vielen Eltern mischt sich die Trauer noch immer mit Wut.

Mehr als einen Monat nach dem schweren Erdbeben und der anschließenden verheerenden Flutwelle herrscht in vielen Regionen entlang der japanischen Pazifikküste noch immer das Chaos. Doch die Behörden bemühen sich, mit Routinen wieder etwas Normalität in den Alltag der Menschen zu bringen.

Für die 34 überlebenden Schüler der Okawa Schule soll es am 21. April wieder losgehen - wenn auch in einem anderen Gebäude. «Wir wissen nicht, ob die Schule wieder aufgebaut werden kann, aber wir wollen für die Kinder wieder etwas Kontinuität herstellen», sagt Kato Shigemi von der Verwaltung der Küstenstadt Ishinomaki.

Insgesamt können in der Region rund 300 Kilometer nördlich von Tokio fast 200 Schulgebäude wegen starker Zerstörungen vorläufig nicht genutzt werden. Die Sachschäden sind dabei noch das geringste Problem: Mehr als 1.000 Schüler und Lehrer wurden bei dem Unglück am 11. März getötet oder werden bis heute vermisst. Aus dem ganzen Land werden Pädagogen und Psychologen entsandt, um den Überlebenden bei der Verarbeitung des Erlebten zu helfen.

Schutz suchen unter Tischen

Die Okawa Grundschule wurde wesentlich härter getroffen als andere Schulen. Bei vielen Eltern mischt sich daher auch Wut in die Trauer. So bei Katsura Sato, deren Tochter Mizuho am 11. März ums Leben kam. «Nach dem Beben hörte ich, dass es einen Tsunami geben sollte, sie (die Tochter Anmk. d. Red.) war da schon in der Schule, also ging ich davon aus, dass sie in Sicherheit ist», sagt Sato.

Den Behörden zufolge forderten die Lehrer beim ersten Anzeichen des Bebens die Schüler zunächst auf, unter ihren Tischen Schutz zu suchen, anschließend seien sie mit ihnen hinaus auf den Schulhof gegangen, wie es ihnen beigebracht worden sei. Der nächste Schritt sei gewesen, einen höher gelegenen Ort aufzusuchen. Weil der Weg hin zu einem steilen Hügel durch umgefallene Bäume blockiert gewesen sei, habe man nach einigen Minuten entschieden, zu einer Brücke zu gehen, die einen Fluss in einiger Höhe überspannt.

Nur ein Lehrer überlebte die Katastrophe

Ob sie die Brücke noch erreichten, ist im Nachhinein nicht mehr zu prüfen. Fest steht, dass der Tsunami viel gewaltiger ausfiel als erwartet. Das mehr als drei Kilometer landeinwärts gelegene zweigeschossige Schulgebäude wurde überschwemmt. Ein großer Teil der Brücke brach einfach ein.

Von den 34 überlebenden Kindern waren 26 rechtzeitig von ihren Eltern abgeholt worden. Sieben wurden von den Wassermassen durch glückliche Umstände an sichere Orte gespült und ein Kind wurde durch Junji Endo gerettet, dem einzigen Lehrer, der überlebte. Bei einer Schulversammlung in der vergangenen Wochen entschuldigten sich Vertreter der Schule und der städtischen Behörden bei Angehörigen der Opfer für den tragischen Verlauf der Ereignisse.

Einige der Angehörigen stellten wütende Fragen, andere zeigten Verständnis. So auch der 15-jährige Lehrersohn Souta Sasaki, dessen Vater bei dem Tsunami am 11. März tödlich verunglückte. «Bei einer solch großen Katastrophe, lassen sich solche Dinge nicht vermeiden», sagt Sasaki.

S P E N D E N A K T I O N

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cvd/som/news.de/dapd
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