Vier Naturkräfte sind bekannt. Kommt bald eine neue hinzu? Forscher haben bei einem US-amerikanischen Teilchenbeschleuniger unerklärliche Messergebnisse festgestellt. Die Entdeckung könnte der spektakulärste Coup in der Physik seit mehr als 50 Jahren sein.
Ein Experiment bei einem US-Teilchenbeschleuniger hat Spekulationen über eine neue Naturkraft ausgelöst. Atomphysiker am Forschungszentrum Fermilab haben ungewöhnliche Werte bei Beschleunigungsversuchen gemessen. «Keiner weiß was es ist», sagte Fermilab-Physiker Christopher Hill der New York Times. «Wenn es wahr ist, wird es die wichtigste Entdeckung in der Physik innerhalb des letzten halben Jahrhunderts.»
In dem Fermilab-Teilchenbeschleuniger Tevatron werden Atomteilchen, die Protonen, und ihr Gegenstücke, die Antiprotonen, mit hoher Geschwindigkeit aufeinander geschossen. Dabei entstehen neue Teilchen. Nun wurden bei einem Experiment mehr Partikel einer bestimmten Art produziert als erwartet. Die gemessene Abweichung ist aber noch zu klein, um in der Gemeinde der Physiker als sichere Entdeckung eines neuen Teilchens oder einer neuen Kraft zu gelten.
«Mysteriöse Beule»
Die «mysteriöse Beule» in der Messkurve könnte ein Hinweis auf ein neues Teilchen im Standardmodell der Physiker oder eine neue Kraft der Natur sein, schreibt das Fermilab auf seiner Internetseite. Zu den vier Naturkräften zählen die elektromagnetische Kraft, die Gravitation, die starke Kraft und die schwache Kraft. Das Forscherteam habe die Arbeit beim Fachjournal Physical Review Letters eingereicht, berichtet die New York Times weiter.
Das Papier ist noch nicht von einem Fachjournal veröffentlicht worden und damit noch nicht nachweislich von unabhängigen Experten überprüft. Die Forscher selbst hatten es jedoch wie üblich zur Diskussion ins Internet gestellt. Ein Eintrag unter dem Titel «Eine Entdeckung am Tevatron! - Vielleicht» vom 4. April hat innerhalb der ersten zwei Tage äußerst wenig Resonanz gefunden. Das Tevatron soll nach Angaben der New York Times im September oder früher aus Finanzgründen «für immer» geschlossen werden.