Sa., 26.05.12

Frauenstudiengänge 01.04.2011 Für Männer kein Zutritt

Von news.de-Mitarbeiterin Juliane Ziegengeist

Frauen und Technik? Da schütteln viele Männer den Kopf. Tatsächlich sind Frauen in technischen Studiengängen Exoten. Um ihnen die Scheu vor männerdominierten Fachbereichen zu nehmen, gibt es sogenannte Frauenstudiengänge. Ob sie helfen und welche Probleme es dabei gibt, erklärt news.de.

Frauenstudiengänge
Sieht so Emanzipation aus?
Video: zij/news.de

Frauen sind Bildungsgewinner. Sie bleiben weniger häufig sitzen, machen höhere und bessere Abschlüsse, brechen ihr Studium seltener ab als Männer. Und dennoch: In naturwissenschaftlichen und technischen Fachbereichen herrscht Frauenflaute. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft war im Jahr 2009 nur jeder dritte Student sogenannter Mint-Fächer weiblich. Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - gängige Männerdomänen.

Frauenstudiengänge sollen das ändern. «Das sind monoedukative Angebote, die sich ausschließlich an Frauen richten», erklärt Christina Haaf vom Nationalen Pakt für Frauen in Mint-Berufen im Gespräch mit news.de. Das heißt: Nur Frauen können sich auf entsprechende Studiengänge bewerben und werden auch angenommen. In Deutschland gibt es insgesamt fünf solcher AngeboteHochschule Bremen: Internationaler Frauenstudiengang Informatik; Fachhochschule Furtwangen: WirtschaftsNetze (eBusiness); Fachhochschule Stralsund: Wirtschaftsingenieurwesen; Fachhochschule Wilhelmshaven: Wirtschaftsingenieurwesen; Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: Informatik und Wirtschaft. In Bremen und Wilhelmshaven sind die Angebote nur teilmonoedukativ, das heißt, nach dem Grundstudium wird in gemischten Gruppen studiert. - alle mit technisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung.

«Sie sind entstanden, weil Frauen in diesen Bereichen deutlich unterrepräsentiert sind», sagt Haaf. Erfahrungen anderer Länder wie der USA, in denen Frauenuniversitäten eine lange Tradition haben, hätten gezeigt, dass sich die weibliche Beteiligung an Technikfächern dadurch erheblich steigern ließe. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) gibt es deshalb seit anderthalb Jahren den Frauenstudiengang Informatik und WirtschaftDer Studiengang dauert drei Jahre und endet mit einem Bachelorabschluss. Im ersten Jahrgang bewarben sich 140 Frauen auf 40 Studienplätze. Davon studieren noch 30 an der HTW. Im letzten Semester gab es 90 Bewerberinnen, davon schafften es 33 in den Frauenstudiengang. . «Damit sprechen wir Frauen an, die sich für Informatik interessieren, aber davor zurückschrecken, mit Männern zu studieren und dann in einer Minderheit zu sein», erklärt Marita Ripke, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HTW.

Andere Konzepte und besseres Lernklima

Laut Ripke sind deutschlandweit etwa 15 Prozent aller Infomatikstudenten weiblich. Fächern wie Mathematik und Informatik hafte noch immer ein männerlastiges Image an, sagt Haaf. Weil weibliche Vorbilder fehlten, würden Frauen solche Studienfächer häufig nicht in Betracht ziehen. Frauenstudiengänge hingegen zeigten, dass es bereits erfolgreiche Frauen in Techniksparten gebe, was die Schülerinnen wiederum ermutige. Ripke schätzt das als zwingend ein, weil die Kombination Frauen und Technik in unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich sei.

Entsprechende Rollenbilder fingen schon in der Schule an, sagt Haaf: «Mädchen werden kommunikative Fähigkeiten zugeschrieben und darin positiv bestärkt. Anders sieht es in naturwissenschaftlichen Fächern aus.» Das kann Ripke bestätigen. Häufig seien Schülerinnen der Ansicht, in der Informatik weniger Vorkenntnisse zu haben als männliche Mitschüler. Das hindere viele daran, sich für ein Informatikstudium zu entscheiden.

Deshalb sei der Berliner Frauenstudiengang so angelegt, dass er mit null Vorkenntnissen beginnt. «Das nimmt vielen Ängste und Hemmungen», glaubt Ripke. Das Profil des Studienganges unterscheidet sich von fachlich vergleichbaren Angeboten: 80 Prozent Fachstoff (60 Prozent Informatik und 20 Prozent Wirtschaft) stehen 10 Prozent Sprachen und weiteren 10 Prozent für Training von Soft Skills gegenüber. «Diese Mischung ist etwas Besonderes. Gerade die Soft SkillsAus dem Englischen: weiche Fähigkeiten. Damit sind soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsvermögen gemeint. fehlen ganz häufig», so Ripke.

Dank Rhetorik- und Teamtraining sowie Verhandlungsmanagement würden Studentinnen bewusst darauf vorbereitet, später in leitenden Positionen zu arbeiten. Das und die Tatsache, dass es ein reiner Frauenstudiengang ist, motiviere auch jene Frauen für ein Technikstudium, die sich sonst nicht getraut hätten, glaubt die HTW-Dozentin. Nur unter Frauen zu studieren, bedeute eine Entlastung. Studentinnen trauten sich, aktiver am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen und mehr zu fragen. «Das tun Frauen im Grunde viel lieber als Männer», sagt Ripke. Im Frauenstudiengang werde das nicht negativ kommentiert, eine andere Gruppendynamik sei möglich.

Machosprüche und Vorurteile bleiben nicht aus

Doch Frauenstudiengänge sind vor Vorurteilen nicht gefeit. «Da heißt es an der Uni schnell: Das ist der leichte Frauenstudiengang», weiß Haaf. Zum Teil gebe es dieses Unverständnis auch in der Familie, sagt Ripke. Für viele Frauen sei das ein Problem, weil sie nicht aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt und als Quotenfrau abgestempelt werden wollen. Jene, die sich trotzdem für einen Frauenstudiengang entscheiden, würden fachlich sehr gut ausgebildet und könnten sich mehr auf das Lernen konzentrieren. «Weil die Frage danach, wie man sich als einzige Frau unter Männern platziert, keine Rolle mehr spielt», so Haaf.

Dass der fehlende männliche Kontrapunkt ein Nachteil sein könnte, glaubt sie nicht. Innerhalb der Universität gebe es Überschneidungspunkte, etwa bei Praktika oder fachübergreifenden Veranstaltungen. «Es sind ja keine reinen Frauenunis», so Haaf. Und selbst da zeigten Beispiele wie Hillary Clinton, dass es funktioniere.

«Trotz des besonderen Lernumfeldes finden sich die Studentinnen auch in gemischten Situationen zurecht», glaubt die Expertin. Dazu trage vor allem ein gutes Fachwissen und das damit einhergehende Selbstbewusstsein bei. Nicht zuletzt lernten sie auch unter Frauen, sich durchzusetzen, ergänzt Ripke: «Sie werden bei uns nicht in Watte gepackt, sondern müssen genauso wie in gemischten Studiengängen Leistung bringen und Konflikte meistern.»

Mehr Hochschulen öffnen sich für Frauen in Technikfächern

Unternehmen stünden dem Frauenstudiengang an der HTW offen gegenüber, sagt Ripke. «Sie fragen in großer Zahl nach, wollen mit uns kooperieren.» Viele bieten den Studentinnen Praktikumsplätze an und seien daran interessiert, sie später einzustellen. Denn in Unternehmen etabliere sich der Geist der Gleichstellung immer mehr, reine Männerteams seien nicht mehr gefragt.

«Frauen bringen qua Geschlecht einen anderen Blick mit - auf Kunden, auf Produkte. Das wissen Unternehmen zu schätzen», so die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Auch Hochschulen signalisierten zunehmend ihr Interesse an Frauen. «Sie sehen, dass die Frauenstudiengänge gut laufen», sagt Haaf. An der Technischen Universität München etwa gibt es den Lehrstuhl «Gender StudiesGeschlechterstudien in Ingenieurwissenschaften». Viele Studiengänge bemühten sich um einen stärkeren Projektbezug, um das gelernte Fachwissen anzuwenden. Denn Frauen fehle dieser lebensweltliche Aspekt häufig.

Frauenstudiengänge hätten eine Vorbildfunktion für herkömmliche gemischte Studiengänge, ist sich Marita Ripke sicher. Sie und ihre Kollegen wurden bereits an andere Universitäten eingeladen, um ihr Projekt vorzustellen. Bis das überflüssig wird, müssten noch einige Jahrhunderte vergehen, glaubt sie. Über lange Zeit kultivierte Frauen- und Männerbilder ließen sich nicht von heute auf morgen ändern. Zudem gebe es immer Gruppen, die nicht daran interessiert seien, dass Frauen in männerdominierte Bereiche eindringen. «Weil damit mehr Konkurrenz verbunden ist», betont Ripke. Das sei verschenktes Potenzial: Wenn Frauen in Männerdomänen vorstoßen, könnte das einiges ändern - zum Vorteil beider Seiten.

rzf/ham/ivb/news.de
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • tingletangle
  • Kommentar 6
  • 01.04.2012 22:36
 

Die Männerwelt auszuperren entspricht ungefähr dem Gegenteil davon, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Ein solcher Frauenstudiengang kann ja z.B. auch bedeuten, als Frau einen Studienplatz zu bekommen, obwohl es einen besseren Mitbewerber gab, der aber (zu seinem Pech) männlich war. Gleichberechtigt ist das also schonmal nicht, und sowas mit inzwischen jahrzehnte zurückliegender Benachteiligung von Frauen zu rechtfertigen erscheint mir...aus vielerlei Gründen...erbrochen dämlich, sorry.

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  • Mannin
  • Kommentar 5
  • 04.09.2011 06:20
 

Diese Genderei ist pervers. Auf dem Weg zum Einheitsmenschen: Frau wird immer mehr vermannt, Mann verfraut. Eine schleichende Entwicklung,es wird als fortschrittlich verkauft und die Jasager schwimmen alle mit. Feministisch motivierte Diskriminierungen unter dem Deckmantel der "Gleichberechtigung,Toleranz,Weltoffenheit,Moderne"-blablabla.

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  • HeliProbelli
  • Kommentar 4
  • 03.04.2011 22:00
 

Frau Ripke, was für eine Vorbildfunktion soll ein Frauen- studiengang haben???. Ich finde Ihren Gender-Beitrag als Männerdiskriminierend. Haben Sie das wirklich nötig?? Schämen Sie sich.

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  • aufmerksamer Leser
  • Kommentar 3
  • 01.04.2011 16:02
 Antwort auf Kommentar 2

Wie wäre es damit, den Videokommentar zum Thema zu schauen...? Die Medaille hat immer zwei Seiten. Und so ganz nebenbei: Den Bauarbeiter gibt es wirklich.

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  • Gevadda
  • Kommentar 2
  • 01.04.2011 15:18
 

Erstmal: Oliver -schlechter Schreibstil- wie kann Frau diesen Kommentar denn ernst nehmen? Dem Inhalt allerdings kann man(n)fast beipflichten, sehr geehrte Frau Journalistin Juliane Ziegengeist. Ihre polemische Einleitung bemüht uralte Geschlechterbilder, die es hauptsächlich in Ängsten gibt -gleiches Beispiel wäre der geifernde Bauarbeiter der harmlosen Passantinen wüste Schweinereien hinterherschreit,sich die Lippen leckt, Augen rollt und vielleicht noch in den Schritt fässt. Das alles gibt es nicht im realen Leben! Hirn einschalten - gemeinsam die Welt nach vorne bringen! nicht separieren.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 01.04.2011 14:21
 

Unsere Politiker sind Spinner, deren Idealvorstellungebn erinnern mich an Maschienen, einfach menschenverachten soetwas ein zu führen. Macht nur weiter so und ich bin wieder für Frau an den Herd.

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