Sa., 26.05.12

Bildungssystem 18.03.2011 Geschlecht spielt kaum eine Rolle

Jungen werden nicht benachteiligt (Foto)
Ein Mythos: Jungen werden an deutschen Schulen nicht benachteiligt. Bild: dpa

Doch keine Bildungsverlierer: Jungen werden in der Schule nicht benachteiligt. Das zeigt eine aktuelle Studie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Diese kritisiert die verzerrte Sicht auf Geschlechterrollen im Bildungssystem.

Die Vorurteile halten sich hartnäckig: Jungs sind die Verlierer im Bildungssystem, heißt es. Sie werden konsequent benachteiligt, weil in Schulen und Kitas überwiegend weibliche Pädagogen arbeiten, die sich in die Jungen nicht recht einfühlen können oder wollen. Alles Quatsch, sagt eine neue Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die jetzt in Berlin vorgestellt wurde.

Der Wissenschaftler Thomas Rieske durchforstete für die GEW existierende Forschungsarbeiten, um zu untersuchen, ob an der These der benachteiligten Jungen und übermächtigen Mädchen etwas dran ist. Seine Antwort: ein doppeltes Nein. Andere Faktoren wie sozialer Status oder nationale Zugehörigkeit hätten deutlich mehr Einfluss auf den Bildungserfolg als das Geschlecht. Wer arme Eltern hat oder aus einer Zuwandererfamilie stammt, der hat in Deutschland schlechtere Bildungschancen - egal, ob männlich oder weiblich.

Auch seien Jungen in der Schule zwar oft schlechter als Mädchen, im Berufsleben hätten sie aber wieder die Nase vorn, sagt Rieske. Mädchen machen im Schnitt die besseren und höheren Bildungsabschlüsse, büßten ihren Vorsprung im Arbeitsleben aber wieder ein: Sie werden schlechter bezahlt und sind in Führungsetagen kaum zu finden.

Lehrerinnen benoten Jungen nicht schlechter

Ebenso falsch sei die Annahme, der hohe Frauenanteil im Bildungswesen sei für Jungen ein Nachteil, sagt Rieske. Lehrerinnen benoteten Jungen nicht schlechter als Mädchen. Das hätten zahlreiche Untersuchungen ergeben.

Der Frauenanteil im Bildungssystem sei ohnehin variabel, erklärt der Wissenschaftler. In Kitas arbeiten zu 95 Prozent Frauen, in Grundschulen zu 90 Prozent. Auch an Haupt- und Förderschulen sind sie deutlich in der Überzahl. Je höher es im Bildungssystem geht, desto geringer ist aber die Zahl der weiblichen Pädagogen.

An Gymnasien und Berufsschulen halten sich Männer und Frauen in etwa die Waage. An Hochschulen gibt es dagegen überwiegend männliche Lehrkräfte. Je mehr es um die Vermittlung von Fachwissen geht, je besser die Bezahlung und je älter und privilegierter die Schüler, desto mehr männliche Pädagogen gebe es, sagt Rieske.

Auch Mädchen mögen Abenteuergeschichten

GEW-Hauptvorstand Anne Jenter ärgert sich über die polarisierende Geschlechterdiskussion im Bildungssystem. Die benachteiligten Jungen und die erfolgreichen Mädchen, zu wenig männliche Vorbilder und zu viele Lehrerinnen - so einfach sei es eben nicht.

Jenter ist selbst Grund- und Hauptschullehrerin. Sie weiß, dass starre Geschlechterrollen an der Realität vorbeigehen: Viele Mädchen mögen Abenteuergeschichten genauso wie Jungs, und Jungen sind nicht immer die Raufbolde im Klassenzimmer.

Jenter wünscht sich einen differenzierteren Blick auf die Geschlechterverhältnisse im Bildungssystem. Lehrer und Erzieher müssten in ihrer Aus- und Fortbildung stärker für das Thema sensibilisiert werden. Nötig sei keine Pädagogik, die sich speziell auf Jungen oder Mädchen ausgerichtet sei, sondern individuelle Förderung.

Auch das Ungleichgewicht von männlichen und weiblichen Pädagogen in den verschiedenen Bildungszweigen müsse ein Ende haben: Mehr Männer in Kitas und Grundschulen also, und mehr Frauen an Berufsschulen und Unis. «Aber wir brauchen nicht einfach mehr Männer in Schule und Kita», betont Jenter. Entscheidend sei, dass diese Männer nicht alte Geschlechterrollen mitbrächten, sondern moderne Vorbilder seien. Das helfe sowohl den Jungen als auch den Mädchen.

zij/som/ham/reu/news.de/dapd
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Michael Klein
  • Kommentar 4
  • 15.05.2011 19:21
 

Es ist wirklich traurig, dass eine Studie wie die von Rieske als wissenschaftlich bezeichnet wird, denn sie strotzt nur so vor handwerklichen und methodischen Fehlern. Das kommt dabei heraus, wenn ein Doktorand der Hans-Böckler-Stiftung sich für die GEW an einen Thema versucht, das ihm fünf Schuhgrößen, zu groß. Eine kleine Auswahl der Fehler, die diese "Studie" enthält, findet sich hier: http://sciencefiles.org/abuse-of-science/

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  • Raynold
  • Kommentar 3
  • 02.04.2011 22:17
 

Ich kann es einfach nicht mehr verstehen wie man denn so ein großes problem leugnen kann. Im schnitt werden die Jungs nunmal benachteiligt, dafür gibt es verschiedene Gründe von denen manche zutreffender sind als andere. Ich habe die Erfahrung gemacht dass Jungs mit ihren Verhaltensweisen trotz guter oder besserer Leistung meistens schlechter abschneiden im vergleich zu den Mädchen. Ein weiterer Grund für die Bervorzugung von Mädchen sind die späteren Nachteile im Berufleben. Ein Lehrer auf meiner Schule klärte uns darüber auf, es finden sich auch einzelne Mädchen die das bestätigen.

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  • cuvo
  • Kommentar 2
  • 02.04.2011 18:44
 

Eigentlich habe ich nicht wirklich gutest statistisches Material, um mich fachkundig zu äußern. Aber was ich erlebt habe ist eine neunte/zehnte Klasse Gymnasium Geburten-Jahrgang 1983/84 in Hamburg mit einem erheblichen Ausländeranteil. Von 22 Schülern waren 4 Jungs.

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  • HTB
  • Kommentar 1
  • 19.03.2011 16:11
 

Wo sind die Zahlen die die Behauptungen im Artikel verifizieren. Tatsache ist dass deutlich mehr Mädchen als Jungen die Studienreife erreichen obwohl mehr Jungen eingeschult werden. Was soll demnach der Titel? Das ist Desinformatia!

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