Die Hilfe für die vom Tsunami betroffenen Menschen im Nordosten Japans kommt nicht in Schwung. Überlebende behelfen sich mit Wasser aus Bergflüssen. Unterdessen sank der Druck im Reaktor 3 nach dem Einsatz von Wasserwerfern.
23.12 Uhr - Blick auf das Fukushima: Ein Internet-Projekt der Universität Straßburg bietet einen Blick auf das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Eins und die vom Tsunami verwüsteten Küstengebiete. Die Sammlung von Satellitenfotos zeigt auch ein Bild vom Freitagmittag, auf dem weißer Rauch oder Dampf von Block 3 aufsteigt. Mit einer anderen Karte lassen sich Abschnitte der Küste im Nordosten Japans anschauen - rote Markierungen verdeutlichen die von der Wasserwalze «hoch beschädigten» Gebiete, gelbe Linien zeigen, wie weit der Tsunami ins Landesinnere vordrang.
22.28 Uhr - Wasserwerfereinsatz beendet: Mit großen Mengen Wasser haben Soldaten und Feuerwehrleute den Reaktorblock 3 in Fukushima zugeschüttet. Der Einsatz wurde am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) beendet. Jetzt soll das reguläre Kühlsystem in Gang gebracht werden - ob dies gelingt, weiß niemand.
21.19 Uhr - Druck in Reaktor 3 gesunken: Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken, wie aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervorgeht. In den beiden anderen Blöcken aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Samstagmorgen (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz. Die NISA gibt lediglich Zahlenwerte an und bewertet diese nicht.
An Stelle der Notkühlung von Block 3 mit Wasserwerfern will die Betreibergesellschaft Tepco am Samstag versuchen, die reguläre Kühlung für die Reaktorblöcke 1 und 2 wieder in Gang zu setzen. Am Sonntag könnten dann die Blöcke 3 und 4 folgen, wie Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde (NISA) am Freitag nach einer Meldung der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo mitteilte. Dazu wurde eine Starkstromleitung zum Atomkraftwerk Fukushima gelegt. Unklar ist aber, inwieweit die Technik der Kühlsysteme nach den Explosionen in den Reaktorblöcken 1 bis 3 und dem Brand im Reaktor 4 noch funktionsfähig ist.
18.44 Uhr - Feuerwehr spritzt wieder Wasser auf Reaktorruinen: Die japanische Feuerwehr hat erneut damit begonnen, Wasser auf Reaktorblock 3 des Atomkraftwerks Fukushima zu spritzen. Damit soll die Reaktorhülle gekühlt werden, um eine drohende Kernschmelze zu verhindern. Der Kampf gegen den Super-GAU steht weiter auf der Kippe: Zwar meldet der AKW-Betreiber Tepco kleine Erfolge, denn die havarierten Reaktoren 1 und 2 sollen morgen wieder mit Strom versorgt werden. Experten in aller Welt sehen aber schwarz.
18.16 Uhr - Tsunami-Welle war bis zu 23 Meter hoch: Der verheerende Tsunami vom 11. März war an seiner höchsten Stelle bis zu 23 Meter hoch. Diese Höhe war vor der Küste der Stadt Ofunato in der Präfektur Iwate registriert worden.
17.53 Uhr - Deutschland will Roboter nach Fukushima liefern: «Die Geräte stehen bereit», sagte ein Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Berlin. Jetzt warte das Ministerium auf eine Entscheidung der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA), welche Roboter konkret benötigt würden. In Deutschland verfügt die Kerntechnische Hilfsdienst GmbH, eine gemeinsame Einrichtung der AKW-Betreiber mit Sitz in Eggenstein-Leopoldshafen bei Karlsruhe, über solche Geräte für den Einsatz bei nuklearen Störfällen.
17.50 Uhr - Situation in Fukushima weiter stabilisiert: Die Situation im und um das Atomkraftwerk Fukushima hat sich nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weiter stabilisiert. «Ich würde es so beschreiben, dass es sich hin zu einer stabilen Lage entwickelt - was positiv ist», sagte der IAEA-Experte Graham Andrew. Dass dies Grund für Optimismus sein könnte, wollte Andrew jedoch nicht bestätigen: «Es ist weiterhin sehr ernst, aber es ist nicht bedeutend schlimmer geworden.»
17.36 Uhr - Medwedew schlägt Japanern Umsiedlung nach Sibirien vor: Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat den vom Erdbeben betroffenen Japanern vorgeschlagen, nach Sibirien umzusiedeln. Russland habe Japan auch Plätze für Verletzte in seinen Kliniken angeboten. Der Kremlchef sagte weiter: «Wir sollten gegebenenfalls darüber nachdenken, einen Teil des Arbeitspotenzials unseres Nachbarn zu nutzen - vor allem in den dünn besiedelten Gebieten Sibiriens.»
17.04 Uhr - Erste deutsche Autofabrik steht wegen Japan-Krise bald still: Bei Opel fallen am Montag und Dienstag im thüringischen Werk Eisenach jeweils zwei Schichten aus. Hier wird der Kleinwagen Corsa produziert. Dafür fehlt ein Elektronikbauteil eines japanischen Zulieferers.
Unterdessen haben alle großen deutschen Autobauer und Zulieferer mittlerweile Krisenstäbe eingerichtet. Viele Automobilzulieferer hätten Lieferschwierigkeiten. Wer beispielsweise Stahl, Elektro- und Elektronikteile oder auch Fahrwerksteile wie Federn von japanischen Herstellern bezogen habe, muss andere Quellen im Großraum Asien aktivieren.
16.28 Uhr: Hilfe für Überlebende kommt nur langsam an: Eine Woche nach dem verheerenden Tsunami in Japan sind viele der Überlebenden der Katastrophe immer noch auf sich allein gestellt. Schneestürme, Benzinknappheit, zerstörte Straßen, Bahngleise und Flughäfen haben die Versorgung von über 400.000 Menschen in der Region bisher nur langsam anlaufen lassen.
In der Stadt Hirota besorgen sich die Überlebenden Wasser aus Brunnen und Bergflüssen. Helikopter haben ein wenig Essen gebracht, aber viel ist es nicht. Bisher haben sie Instant-Nudeln, Brot und Obst geliefert, diejenigen, deren Häuser noch stehen, spendeten Decken gegen die eisige Kälte.
Kouetsu Sasaki, ein 60-jähriger Beamter, sagt, man brauche noch Benzin, Gemüse, Socken, Unterwäsche, Medizin, eigentlich alles. «Es ist eine große Frage, ob wir so für Wochen und Monate weiterleben können. Ich versuche mich darauf konzentrieren, was ich heute mache und nicht darauf, wie lange es dauern könnte.»
16.24 Uhr - Industriestaaten wenden Währungskrise in Japan ab: Die führenden sieben Industriestaaten (G7) sind Japans Wirtschaft in der Not zu Hilfe geeilt. Erstmals seit mehr als zehn Jahren haben sich die Wirtschaftsnationen auf ein gemeinsames Vorgehen zur Währungsstützung geeinigt. Die G7-Finanzminister und Notenbankpräsidenten hatten beschlossen, gemeinsam gegen den starken Anstieg des Yen vorzugehen. Japan, die USA, Großbritannien, Kanada und die Europäische Zentralbank (EZB) sagten zu, mit koordinierten Verkäufen der japanischen Währung und Ankäufen des Dollar einzugreifen.
Der Yen verlor daraufhin am Freitag deutlich an Boden, Dollar und Euro verteuerten sich zugleich im Verhältnis zum Yen. Zuletzt mussten für einen Dollar mehr als 81 Yen bezahlt werden. Am Vortag waren es zeitweise lediglich 76,25 Yen gewesen - so wenig wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte.
16.23 Uhr - Teure AKW-Nachrüstung droht in Deutschland: Alle alten Atommeiler sind vom Netz. Jetzt drohen den Atomkonzernen milliardenschwere Nachrüstungen. Drastische Verschärfungen der Sicherheitsnormen für alle 17 AKW sieht eine Ideensammlung aus dem Umweltressort vor. Sie seien nach Angaben aus Betreiberkreisen so hoch, dass allen AKW die Abschaltung drohe, berichtete das ARD-Magazin Kontraste.
16.08 Uhr - Wind soll in Richtung Tokio drehen: Zu Beginn der kommenden Woche droht Strahlengefahr für die Millionenmetropole, sagt der Deutsche Wetterdienst voraus. Zudem soll es vor allem im Süden des Landes regnen, möglicherweise auch in Fukushima. Dann würden die radioaktiven Partikel in die Erde geschwemmt und könnten ins Grundwasser gelangen.
Zunächst wehe der Wind bis zum Wochenende weiter auf den Pazifik hinaus. In den USA kämen die Partikel frühestens nach sechs Tagen an, allerdings in sehr geringer Konzentration, wie eine Mitarbeiterin des DWD sagt. Am Dienstag soll er dann voraussichtlich erneut seine Richtung ändern und wieder auf Nord/Nordwest umschwenken, kündigt der DWD an.
15.48 Uhr - Zahl der Opfer erneut nach oben korrigiert: Mindestens 6911 Menschen sind ums Leben gekommen, nach diesen Angaben werden noch immer mehr als 17.000 Menschen vermisst. Andere Quellen sprachen von über 10.000 vermissten Menschen. Damit hat das Erbeben mehr Opfer gefordert, als das Kobe-Beben 1995, bei dem mehr als 6400 Menschen ums Leben kamen. Es ist die schlimmste Nachkriegskatastrophe des Landes.
15.17 Uhr - Sanitäter holen Patienten aus AKW-Sicherheitszone: Alle Krankenhauspatienten aus der 30-Kilometer-Sicherheitszone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima sollen herausgeholt werden. In den dortigen Kliniken werden 1100 Patienten behandelt. Noch am Freitag sollen 300 Patienten in sichere Krankenhäuser verlegt werden, die restlichen 800 sollen in den nächsten Tagen mit Helikoptern und Sanitätswagen unter anderem nach Tokio und Yamagata gebracht werden.
14.57 Uhr - Weltweite Produktion gerät ins Wanken: Japans Autofabriken bleiben geschlossen. Nach Branchenprimus Toyota hat nun auch Honda erklärt, wegen der Katastrophe seine Endmontagewerke frühestens Mitte der kommenden Woche wieder zu öffnen. Der US-Konzern General Motors stoppt die Produktion in einer Pick-up-Fabrik in den USA, weil Zulieferteile aus Japan fehlen. Die japanischen Hersteller Toyota und Subaru haben bereits die Produktion ihrer US-Werke verlangsamt, damit die Vorräte länger halten. Auch dem Flugzeugbauer Boeing drohen Produktionseinschränkungen, weil er zahlreiche Teile aus Japan bezieht.
14.54 Uhr - Große Sorge um alte Menschen: Frauen in Japan haben mit 86,4 Jahren weltweit die höchste Lebenserwartung. Neugeborene Jungen werden im Durchschnitt knapp 80 Jahre alt. Seit dem verheerenden Erdbeben sorgen sich Mediziner besonders um das Wohl der vielen Hochbetagten in dem Land.
Alte gebrechliche Menschen schlurfen frierend durch Matsch und Schutt auf der Suche nach ihren erwachsenen Kindern. Verzweifelte Senioren schildern in Fernsehberichten, um Fassung ringend, dass sie alles verloren haben - bis auf die Kleidung auf ihrem Leib.
Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen wollen hier helfen. «Stark betroffen sind in den Notunterkünften die chronisch kranken Menschen - und das sind oft die Älteren», sagte Geschäftsführer Frank Dörner. Ärzte ohne Grenzen sei mit zwölf Experten in kleinen Teams von drei bis vier Personen in den betroffenen Gebieten unterwegs. «Sie versuchen zu Menschen vorzudringen, die bislang noch keine Hilfe erhalten haben.» Die älteren Menschen litten oft unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche und Bluthochdruck. Ein besonderes Problem sei die Alters-Diabetes, denn diese Patienten bräuchten nicht nur Medikamente, sondern auch eine spezielle Diät.
14.27 Uhr - Finnland verlegt Botschaft nach Hiroshima: Die Situation durch das havarierte Kernkraftwerk Fukushima sei sehr unsicher, so das finnische Außenministerium.
13.35 Uhr - Deutsche sehr solidarisch mit Japan: Beim Deutschen Roten Kreuz sind nach einer Woche so viele Spenden eingegangen wie zum gleichen Zeitpunkt nach dem Erdbeben in Haiti im Januar 2010. «Die Menschen wollen Solidarität zeigen», sagte Sprecherin Svenja Koch.
Noch ist aber unklar, ob Japan überhaupt Hilfe anfordern wird. Die Katastrophenhilfe der Diakonie bittet deshalb schon nicht mehr speziell um Spenden für Japan. Besser sei es für die allgemeine Katastrophenhilfe Geld zu geben, sagte Sprecher Rainer Lang.
Eine ganze Reihe von Organisationen bittet ausdrücklich um Geldspenden. Von Sachspenden wie Kleidung oder Decken raten sie dagegen ab. Alle Informationen zu Spenden hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hier veröffentlicht.
13.15 Uhr - Premierminister Kan spricht von größter Krise der Nachkriegszeit: Sichtlich bewegt hat Japans Ministerpräsident Naoto Kan seiner Bevölkerung im Fernsehen Mut zugesprochen. Japan stehe vor der größten Krise der Nachkriegszeit, werde diese aber «überwinden und sich erholen». Im Krisen-AKW Fukushima herrsche weiter eine sehr ernste Situation. Die Lage werde aber «in nicht weiter Ferne» unter Kontrolle gebracht. Kan wehrte sich gegen die Kritik, Informationen über Fukushima zurückzuhalten: «Ich selbst und der Regierungssprecher haben alle Informationen bekanntgegeben, die wir hatten», sagte Kan.
12.41 Uhr - Hessen schaltet Biblis ab: Das hessische Umweltministerium hat den Energiekonzern RWE angewiesen, das Atomkraftwerk Biblis A herunterzufahren. Der Konzern hat angekündigt, der Anordnung zu folgen.
12.20 Uhr - Die Helden von Fukushima erhalten Verstärkung: Neben Spezialisten anderer Atomkonzerne sind fast 140 Feuerwehrleute aus Tokio zum Einsatz gekommen. Diese rückten mit 30 Fahrzeugen an und verspritzten 50 Tonnen Wasser auf den havarierten Reaktor 3. Es handelte sich um Fahrzeuge, die normalerweise für Einsätze an hohen Gebäuden gedacht sind: Mit ihnen können die Feuerwehrleute aus 22 Metern Wasser spritzen.
12.07 Uhr - Preise für Japan-Rückflüge explodieren: Weil viele Deutsche das Land verlassen wollen, kostet ein Economy-Ticket von Japan in die Bundesrepublik derzeit bis zu 8200 Euro. Das ergab eine Auswertung des Flugportals fluege.de (ein Portal der Unister-Gruppe). Für ein First-Class-Ticket müssen Kunden momentan mehr als 20.000 Euro hinblättern. Die günstigste First-Class-Variante, wäre sie noch vorhanden, hätte sonst 9300 Euro gekostet.
11.25 Uhr - Röttgen bezeichnet Lage in Fukushima als «anhaltend kritisch»: Die Kettenreaktionen in den Reaktoren seien weitgehend sich selbst überlassen, man wisse nicht wie viel Radioaktivität austrete, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Bundesrat. Es sei völlig unklar, wie lange die Situation dort noch andauern werde. Die Atom-Katastrophe sei ein «weltveränderndes Ereignis»
10.50 Uhr - Was kommt nach dem Super-Gau? Eine radioaktive Wolke, die in Richtung Tokio ziehen könnte, sei die größte Gefahr, sagt der österreichische Physiker Helmut Hirsch. Das sei jedoch noch nicht alles. Es droht auch Radioaktivität im Boden.
Hirsch sagt, der Reaktorkern sei nach einigen Tagen ausgedampft, bei den Lagerbecken für Brennelemente könne sich das über längere Zeit hinziehen: «Es gibt dabei sicher eine Freisetzung über einen längeren Zeitraum.» Erst längerfristig werde auch die Kernschmelze gefährlich. Dabei frisst sich die glühend heiße Masse aus dem Reaktorkern durch Beton- und Stahlmäntel. «Dabei vergehen Wochen. Das ist gefährlich, weil Radioaktivität in den Boden gelangt.»
Langfristig müsse Fukushima wie Tschernobyl unter einer Schutzhülle begraben werden. Auf die Frage, wie lange das AKW noch strahlt, antwortet Hirsch: «Die Wärmeproduktion in Atomkraftwerken erfolgt zu 93 Prozent durch eine Kettenreaktion. Das kann man abschalten. Sieben Prozent der Wärme entsteht dadurch, dass radioaktive Stoffe im Kern sind und reagieren. Die Stoffe Cäsium und Strontium haben zum Beispiel Halbwertszeiten von 30 Jahren. Sie zerfallen also innerhalb von 300 Jahren. Plutonium aber hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Das strahlt noch eine halbe Ewigkeit.»
10.21 Uhr - Japan stuft Atomunglück hoch: Die Atomenergiebehörde hat das Unglück von Fukushima von 4 auf 5 auf der 7-stelligen Skala hochgestuft. Die Skala definiert Stufe 4 als einen Vorfall mit lokalen Konsequenzen und Stufe 5 mit weitergehenden Konsequenzen. Schon am Dienstag hatten die Pariser Behörde für Atomsicherheit ASN und auch das US-Forschungsinstitut Isis die Katastrophe allerdings mit Stufe 6 definiert.
10 Uhr - Männer und Väter im Unglücks-AKW: Die Verwandten der Arbeiter geben ihren Gefühlen per Twitter und über Mails Ausdruck. ABC-News haben einige davon zusammengetragen: «Mein Vater ist zum Atomkraftwerk gefahren. Nie habe ich meine Mutter so weinen hören. Die Leute am Werk kämpfen, opfern sich um euch zu schützen. Bitte, Dad, komm lebend zurück», schreibt @nekkonekonyaa.
«Bitte lass es dir weiter gutgehen. Ich kann eine zeitlang nicht zuhause sein», schrieb einer der Arbeiter per Mail an seine Frau. Im japanischen Fernsehen wurde die Mail der Tochter eines der Arbeiter vorgelesen: «Mein Vater arbeitet immer noch im Werk - sie haben kaum noch etwas zu essen - wir denken, die Bedingungen sind wirklich hart. Er sagt, er habe sein Schicksal akzeptiert... das klingt wie ein Todesurteil...»
Michael Friedlander, der beim Krisenmanagement in amerikanischen AKWs arbeitet, sagte ABC News: «Sie trinken wahrscheinlich kaltes Wasser und essen Militärrationen. Es ist kalt, es ist dunkel, und du versuchst, dich beim Essen nicht zu kontaminieren.»
9.54 Uhr - 6.500 Tote, 10.354 Menschen werden vermisst: Die Polizei hat die aktuellen Opferzahlen des Erdbebens weiter nach oben korrigiert.
9.24 Uhr - Die Kühlversuche am Reaktor 3 scheinen erfolgreich: Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Ein Armeesprecher berichtet im Fernsehen: «Wir haben das Ziel getroffen.» Seit dem Nachmittag spritzen Wasserwerfer erneut auf den Reaktor. Das Wasser soll die Kernschmelze verhindern. Die Brennelemente im Block 3 enthalten das hochgiftige Plutonium.
8.32 Uhr - Für die Schüler an der Deutschen Schule in Yokohama fällt der Unterricht weiter aus: Bis mindestens 27. März bleibt die Schule geschlossen. «Es ist nicht auszuschließen, dass diese Frist erneut verlängert werden muss», schreibt Schulleiter Michael Szewczyk im Blog der Schule. Zuerst sollte der Unterricht nur eine Woche lang ausfallen. «Dabei waren wir optimistisch genug zu glauben, das Schlimmste läge hinter uns. Dem war leider nicht so.» Die Schule liegt mehr als 200 Kilometer vom AKW Fukushima 1 entfernt.
Besonders schwer sei die Situation für Schüler und Eltern, die noch vor Ort seien. Die Schule bemühe sich, jodhaltige Medikamente zu besorgen. Die Präparate können die Anreicherung von radioaktivem Jod aus der Luft oder Nahrungsmitteln in der Schilddrüse verhindern - und damit auch Schilddrüsenkrebs. Außerdem sollen Lösungen gefunden werden, damit die Schüler der Klassen 12 und 13 ihr Abitur ablegen könnten. Es müsse zum Beispiel noch geklärt werden, ob andere Deutsche Schulen im Ausland Schüler aus Japan aufnehmen könnten.
8.31 Uhr - Die Grünen profitieren stimmungsmäßig von der Atomkatastrophe in Japan: Im Deutschlandtrend des ARD-Morgenmagazins steigen sie in der Wählergunst um fünf auf 20 Prozent. Nach der Umfrage von Infratest dimap halten 68 Prozent der Bürger das Aussetzen der Laufzeitverlängerung von Kanzlerin Angela Merkel für ein reines Wahlkampfmanöver. Nur jeder vierte Bürger hält das dreimonatige Moratorium für einen glaubwürdigen Kurswechsel.
8.00 Uhr - Wir begrüßen Sie beim news.de-Liveticker: In Japan ist es bereits 16 Uhr nachmittags. Mit einem Kampf an zwei Fronten wollen die Techniker in Fukushima 1 die Kontrolle über die vier beschädigten Reaktoren zurückgewinnen. An den Blöcken 1 und 2 soll eine neu verlegte Stromleitung das Kühlsystem wieder zum Laufen bringen. Der Versuch soll noch heute starten, am Samstag sollen auch die Reaktoren 3 und 4 angeschlossen werden.
Außerdem soll bei den Reaktoren 3 und 4 die Kühlung mit Löschhubschraubern und Wasserwerfern im Laufe des Tages weitergehen, wie der Sprecher der Atombehörde Nisa sagte. 130 Feuerwehrleute sollen auf dem Weg zum Kraftwerk sein. In Block 3 ist das hochgefährliche Plutonium enthalten, in Block 4 droht das Abklingbecken voller abgebrannter Brennstäbe zu überhitzen und todbringende Strahlung freizusetzen. Die übrigen zwei Reaktoren sind nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA relativ stabil.
Nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco ist die Strahlung am AKW leicht gesunken - von 309 auf 279 Millisievert am frühen Morgen. Tepco schreibt dies erfolgreichen Kühlversuchen zu, das ist jedoch umstritten.
Ein Überblick über die Ereignisse der vergangenen Nacht:
7.32 - Die Kühlversuche per Wasserwerfer sollen auch auf Reaktor 1 ausgeweitet werden: Das soll die Lage entschärfen. Bislang war der Einsatz der Wasserwerfer nur für die Blöcke 3 und 4 geplant gewesen. Edano betonte, dass die Lage an Reaktor 1 nicht so dramatisch sei wie an den Blöcken 3 und 4. Dort richten seit 6 Uhr Wasserwerfer ihre Fontänen auf die strahlenden Reaktoren. Der Einsatz von Hubschraubern ist für heute allerdings nicht geplant. Er hatte sich am Donnerstag als sehr heikel und wenig effektiv erwiesen.
7.20 Uhr - Mitarbeiter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sind auf dem Weg nach Fukushima: Sie wollen sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden machen und die radioaktive Strahlung messen. Über die Strahlenbelastung hatte es in den vergangenen Tagen häufig widersprüchliche Angaben von japanischer Seite gegeben.
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, forderte die japanische Regierung auf, die Öffentlichkeit besser über die Lage am havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1 zu informieren. Er sagte, Japan befinde sich im Kampf gegen einen Super-Gau in einem Wettlauf gegen die Zeit. Laut japanischer Regierung ist die am AKW gemessene Strahlung nicht so stark, dass sie Gesundheitsschäden hervorruft. Sie kündigte allerdings an, die Messungen auf den Radius von 30 Kilometern auszudehnen.
Auch nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt das Risiko der Strahlenbelastung lokal begrenzt. Es gebe keine Hinweise auf eine signifikante Verbreitung von radioaktivem Material abseits der unmittelbaren Umgebung des Atomkraftwerks.
7.09 Uhr - Genau eine Woche nach dem Erdbeben legt ganz Japan eine Schweigeminute ein: Die Zahl der Toten stieg unterdessen nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN auf 6.406. Vermisst würden 10.259 Menschen.
3.14 Uhr - Japan zählt auf die Unterstützung der USA: Es werde laufend besprochen, wie die USA das Land am besten unterstützen könnten, sagte Regierungssprecher Edano. Zuvor hatte beim Sicherheitsradius um das Krisen-AKW Uneinigkeit zwischen den beiden Nationen bestanden. Japan hält 30 Kilometer für angemessen, die USA hingegen hatten ihren Bürger nahegelegt, das Gebiet im Umkreis von 80 Kilometern zu verlassen.
jag/iwi/cvd/news.de/dpa/dapd
Diejenigen Fluglinien, die die Not der Menschen so ausnutzen, sollten mit einem Flugverbot in allen Ländern von je 1 Monat pro Flug-Wucherpreis belegt werden. Dann würde man hier schnell Abhilfe schaffen. Hier müsste jetzt jede Regierung dieser Welt Abhilfe schaffen können/wollen.
jetzt antwortenKommentar meldenAtomkraft muss ein Auslaufmodell bleiben. Sonne, Wind und Wasser plus Energieeffizienz und Einsparung gehören die Zukunft!
jetzt antwortenKommentar meldenGib es keine Möglichkeit den "fliehenden" Menschen, egal welcher Nationalität, einen kostenlosen oder zumindest einen ermäßigten Flugpreis anzubieten, denn ich finde es unerhört, dass mit der Not, dem Schrecken, dem Leid aller Menschen die Japan verlassen möchten (müssen) noch Profit in höchsten Dimension gemacht wird. Flugpreis zu überhöhten Preisen ist in meinen Augen ein Unding und die japanische Regierung (oder auch ausländische Regierungen) sollte hier regelnd eingreifen können (müssen), um diesen Wucherpreise Einhalt zu gebieten. Ein hilfloser und sehr bewegter deutscher Mitbürger.
jetzt antwortenKommentar meldenEin economy Rückflugticket bis zu 8200 Euro ?? Gibt es denn überhaupt keine Menschen mit ehrgefühl und Scham mehr in Führungspositionen ? Manchmal kotzt mich die menschheit einfach nur an !!!
jetzt antwortenKommentar melden