Hat die Nukleartechnik eine Zukunft? Das Unglück in Japan schreckt die Menschen in Europa auf und beschäftigt auch die Medien. Doch die Meinungen zu Atomkraft und Ausstieg sind geteilt. News.de hat Pressestimmen gesammelt.
The Observer, Großbritannien
«Es gibt einen wichtigen Grund, an der Entwicklung einer verlässlichen, universal verfügbaren und CO2-armen Art der Energieerzeugung festzuhalten, die enorme Energiemengen produzieren kann. Ohne weitere Atomkraftwerke hat dieses Land keine Chance, sich von fossilen Brennstoffen zu lösen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind hier noch immer wichtiger als die geringe Aussicht eines nuklearen Desasters.»
Le Monde, Frankreich
«Über die Zukunft der Atomkraft wird man zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Doch noch bevor man Lehren aus den Ereignissen in Fukushima ziehen kann, sind schon jetzt Fragen angebracht. Wie riskant ist der Bau von Atomkraftwerken am Meer? Warum sind die Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA immer noch nicht obligatorisch? Und wenn die Gefahren so groß sind, darf man dann die Geheimniskrämerei und Undurchsichtigkeit vieler Betreiber von Atomkraftwerken akzeptieren?»
La Repubblica, Italien
«Deutschland handelt im Namen der Sicherheit. Überraschend und bestürzend ist hingegen die Tatsache, dass in Italien ausgerechnet Umweltschutzministerin Stefania Prestigiacomo das Gebot der Vorsicht und Verantwortung missachtet, und mit nahezu herausforderndem Ton Roms Festhalten an seinem Nuklearprogramm kundtut. Es steht zu befürchten, dass die italienische Regierung beabsichtigt, wegen der Atomenergie einen Kreuzzug anzufangen, womit sie neue Spannungen und Brüche verursachen wird.»
Dnewik, Bulgarien
«Panik ist fehl am Platz. Die Atomkraftwerke sind ausreichend betriebssicher, sogar auf ihrem heutigen Entwicklungsstand. Gerade das hat der Unfall in Fukushima gezeigt. In diesem Land gibt es 55 Atomkraftwerke, doch in nur einem kam es zu einem beachtlichen Problem. Die Angst vor der Atomenergie ist genauso irrational wie die Angst vor dem Fliegen mit dem Flugzeug.»
Õhtuleht, Estland
«Wir erinnern uns an Tschernobyl. Die Behörden versuchten damals, den Vorfall geheim zu halten. Wir wussten offiziell noch gar nichts, während die Finnen schon den Sand auf den Kinderspielplätzen austauschten. Befürworter der Kernenergie verweisen darauf, dass sich die Technologie ständig weiterentwickelt und es schon längst eine neue, noch sicherere Generation von Reaktoren gibt. Aber hundertprozentige Sicherheit kann eben keine Technologie gewährleisten.»
De Standaart, Belgien
«Beinahe jede Regierung verspricht nun, dass sie aus den Ereignissen in Japan ‹lernen› werde. Aber zugleich droht die Diskussion für oder gegen Kernenergie auf eine Debatte eingeengt zu werden über den Schaden, der durch ‹Vorfälle› wie Naturkatastrophen, abstürzende Flugzeuge oder terroristische Anschläge angerichtet werden kann. Dabei liegt das größte Sicherheitsrisiko der Kernenergie nicht dort, sondern beim Müll, den sie produziert. Dieser Atommüll ist eine Realität, keine Wahrscheinlichkeit. Und mehr als ein halbes Jahrhundert, nachdem der erste Atommeiler in Betrieb genommen wurde, haben wir immer noch keine Ahnung, was wir damit anfangen sollen.»
Hospodářské noviny, Tschechien
«Ehe man die Kernkraft pauschal ablehnt, sollte man einige Dinge bedenken. Gas und Öl kommen zumeist aus Konfliktregionen wie dem Nahen Osten oder Russland. Alternative Energiequellen sind bislang teuer und nicht konkurrenzfähig. Braunkohle ist zwar ein billiger, einheimischer Rohstoff, kann aber nur um den Preis einer brutalen Zerstörung der Landschaft und der Umsiedlung von Menschen gefördert werden. Die Atomenergie ist unter europäischen Bedingungen die Quelle, die wirtschaftlich und ökologisch ist, weil sie nicht zum globalen Klimawandel beiträgt.»
Neue Zürcher Zeitung, Schweiz
«Eine aufrichtige Diskussion ist unausweichlich. Die Renaissance des Atomstroms ist seit dem letzten Freitag sehr grundsätzlich in Frage gestellt. Dabei wird man der unangenehmen Frage nicht ausweichen können, welche Interessen man höher gewichtet. Welches Restrisiko sind wir bereit zu schultern zur Befriedigung unseres ungehemmt steigenden Hungers nach Energie?
che/mat/ivb/news.de
Wenn die Angst vor Atomkraft irrational ist, sollen diese Mutigen nach Fukushima zum Atommüll- wegräumen und in die Asse um die leckenden und durchrostenden Fässer zu stapeln um Platz für weiteren ewig strahlenden atomaren Müll zu schaffen. Und nicht zu vergessen: Tschernobyl ist noch lange nicht beendet!!!
jetzt antwortenKommentar meldenHallo ich fasse es nicht, da gibt es noch Idioten, die noch nicht begriffen haben, das Atomkraft ein Irrweg ist der jetzt zu Ende ist. Welche demokratisch gewählte Regierung kann es sich noch leisten, ihr Schicksal mit AKW s zu verknüpfen? Schwarz/gelb wohl nicht mehr. Dafür werden die inzwischen aufgeklärten Wähler sorgen. Auf Dauer läßt sich ein Volk nicht mehr verarschen. Mit dem überschüssigen Wasserkraftstrom Norwegens lassen sich 60 AKW s ersetzen und warum wurde es bisher nicht gemacht? Weil die Norweger so günstig liefern können, dass die Atomlobby nichts mehr verdienen kann.
jetzt antwortenKommentar meldenDa diskutieren Politiker und selbsternannte Energie-Fachleute vor dem schrecklichen Hintergrund der Ereignisse in Japan über Dinge, von denen sie keine blasse Ahnung haben. AKW`s versorgen zu 25- 50% je nach Tageszeit alle Stromverbraucher konstant mit Strom. Der Stromverbrauch schwankt massiv. Ersetzt man die konstante Lieferung durch schwankende Lieferung aus z.b. Wind und Sonne, würde dies den sofortigen Zusammenbruch der gesamten Industrie, aller Kühlungen,Heizungen, EDV usw. bedeuten oder man müßte jedes Windrad/Photov.dach mit einem Stromspeicher (den es nicht gibt) ausstatten.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Angst ist nicht irrational! Die ist sehr rational, realistisch und gerechtfertigt. Angst ist eine menschliche Regung die uns vor unkalkulierbaren Risiken schützt!
jetzt antwortenKommentar meldenEin Flugzeugabsturz tötet ein paar hundert, ein Unfallszenario wie in Japan tötet tausende, vielleicht sogar Millionen auf lange Sicht. Wer zahlt denn die zusätzlichen Kosten für die von den Strahlung Geschädigten? Die Betreiber der AKW? Wer zahlt die Kosten für das verseuchte Areal von 20-30 Quadratkilometer? Wer zahlt die Zeche für einen "Unfall"? Wie immer ist das Ganze eine Milchmädchenrechnung genau bis zum Gartenzaun des eigenen Grundstücks.
jetzt antwortenKommentar meldenMan erzählt uns allen Ernstes Atomkraftwerke seien sicher, weil die Wahrscheinlichkeit eines "Unfalls" so gering sei. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit tatsächlich so gering wäre, wie man uns verkeuft, wären doch die Folgen eines "Unfalls" so dramatisch, dass niemand sie verantworten kann. Ganze Regienen können über viele Jahrtausende unbewohnbar sein und jeden, der sie betritt, töten. Solange die Wahrscheinlichkeit, dass sowas passiert, nicht gleich null ist, ist die Nutzung von Atomenergie einfach nur unverantwortlich. Dabei dürfen die Kosten anderer Energiequellen keine Rolle spielen.
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