Sa., 26.05.12

Fastenaktion 09.03.2011 Warum die Kirche keine Ehrlichkeit braucht

Das Aschekreuz auf der Stirn  symbolisiert den Beginn der Fastenzeit. In diesem Jahr soll nicht gelo (Foto)
Das Aschekreuz auf der Stirn symbolisiert den Beginn der Fastenzeit. In diesem Jahr soll nicht gelogen werden. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Die Fastenzeit beginnt, die evangelische Kirche rät zum Verzicht. Sieben Wochen lang sollen wir nicht lügen und ehrlich zu unseren Fehlern stehen. Trotz aller Skandale in jüngster Vergangenheit: Für die Kirche selbst soll das Motto nicht gelten.

Wer sich über die Fastenaktion der evangelischen Kirche informieren will, landet erstmal in einer Telefonhotline. «Guten Tag. Und willkommen bei der Fastenaktion ‹7 Wochen Ohne›. Möchten Sie etwas zu unserer Aktion bestellen, drücken Sie die Eins.»

Und so schnell ist man als Journalist, der doch die «Drei» für Informationen drücken sollte, bei der Telefonfachverkäuferin des zuständigen Chrismon-Verlags gelandet. Zur diesjährigen Fastenzeit sei noch der Tageswandkalender vorrätig, klärt die Dame auf. «Doppelseitig, mit Farbfotos, 47 Motive», sagt die Stimme. 10,90 Euro kostet der Kalender, der an die Zeit des Verzichts erinnern soll.

In diesem Jahr, in der 25. Ausgabe der jährlichen Fastenaktion «7 Wochen Ohne», soll auf Lügen verzichtet werden. So fordert es die Evangelische Kirche Deutschland (EKD). Vom Aschermittwoch bis zum Osterfest sollen Gläubige ehrlich durchs Leben gehen. «Wer nicht aufrichtig zu seinen Taten stehen kann, dem kommt mitunter der aufrechte Gang ganz abhanden», warnt die Aktionsseite im Netz.

Nach dem Jahr der Skandale: Kirche war ehrlich genug

Eigentlich kein schlechter Gedanke. Schließlich war das vergangene Jahr auch für die evangelische Kirche kein einfaches. Die Alkoholfahrt von EKD-Chefin Margot Käßmann, der jahrzehntelange Missbrauch und das Gezerre um die Entschädigung von Heimkindern, die Debatte um Homopärchen im Pfarrhaus.

Doch für die Kirche selbst soll das Motto der größmöglichen Ehrlichkeit nicht gelten. Nur für die Gläubigen. «In der Politik ist das Thema ebenfalls recht aktuell», sagt EKD-Pressesprecherin Silke Römhild und spielt auf den Umgang von zu Guttenberg mit seiner Doktorarbeit an. Zwar sei die Fastendekade auch für die Kirche eine Zeit des Innehaltens. «Aber die Aktion richtet sich in erster Linie ans Individuum.»

Beim Thema sexueller Missbrauch sei der Umgang in der evangelischen Kirche ohnehin bereits ein anderer als bei den Katholiken. «Unsere Landeskirchen pflegen einen offenen Umgang und große Transparenz», sagt Römhild. «Bei uns stehen Opferhilfe und Täteraufklärung seit Jahren im Vordergrund», spätestens seit der Einführung der Missbrauchs-Richtlinien im Jahr 2002. Trotzdem müsse es weiter eine große Wachsamkeit geben, so die EKD-Sprecherin.

Katholische Kirche macht nicht beim Lügenverzicht mit

«Schwarze Schafe gibt es überall», sagt Arnd Brummer, Geschäftsführer von «7 Wochen Ohne». «Natürlich ist in Kinderheimen gesündigt worden. Ich glaube, dass in der evangelischen Kirche die Missstände aufgedeckt wurden. In anderen Weltorganisationen ist es vielleicht anders.»

Die katholische Kirche, die stärker von Missbrauchsskandalen erschüttert wurde, macht übrigens nicht beim Lügenverzicht mit. Sie hat ihre eigenen Fastenaktionen. «Jedes Bistum gestaltet die Aktionen selbst», so Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Vor allem Spendenaktionen sind dabei, etwa über das Misereor-Hilfswerk. Darin fordert sie auf, den Menschen zu helfen, die in Armut in Slums leben. Oder das SMS-Fasten: Wer mindestens 4 Euro spendet, erhält an jedem Fastentag eine Kurznachricht mit Bibelversen.

Die evangelische Kirche hingegen sonnt sich in ihrer gelebten Transparenz und Offenheit. «Schauen Sie sich Margot Käßmann an», rät «7 Wochen Ohne»-Geschäftsführer Brümmer: «Sie hat nach ihrer Alkoholfahrt gesagt: Ich war's. Da können Sie erkennen, wie verantwortungsvoll ein Mensch reagieren kann.»

Wer ebenfalls bei der ehrlichen Fastenaktion mitmachen will: Sie läuft in diesem Jahr bis zum 24. April. Und den Tageswandkalender mit 47 doppelseitigen Farbmotiven, den gibt es ja auch noch.

iwi/ivb/news.de
Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • August
  • Kommentar 10
  • 24.02.2012 18:41
 Antwort auf Kommentar 7

Nie wurde so viel gelogen, wie: vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd! Die Leute, die anscheinend mit Gottes Erlaubnis kräftig lügen dürfen, sind die von Opus-Dei, denn die tragen einen so genannten Bussgürtel, mit dem sie sich mit "Vorbüßen" die göttliche Erlaubnis zum Lügen einholen.

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  • Autumnus
  • Kommentar 9
  • 14.02.2012 18:21
 Antwort auf Kommentar 3

Im umschreiben der Bibel hat der Vatikan, ganz große Schwierigkeiten. Besonders wenn ein katholischer Pfarrer, namens Karl Herbst, so einige Lügen der Kirche aufdeckt, deren Unrichtigkeiten mit dem Turiner Grabtuch bewiesen sind

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  • Autumnus
  • Kommentar 8
  • 14.02.2012 18:14
 Antwort auf Kommentar 3

Im umschreiben der Bibel hat der Vatikan, ganz große Schwierigkeiten. Besonders wenn ein katholischer Pfarrer, namens Karl Herbst, so einige Lügen der Kirche aufdeckt, deren Unrichtigkeiten mit dem Turiner Grabtuch bewiesen sind

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  • Lucy
  • Kommentar 7
  • 09.03.2011 18:34
 Antwort auf Kommentar 5

Wieder mal ein Artikel, der nur so vor Verallgemeinerung strotzt. Sicher gibt es auch in den großen Kirchen Menschen, die lügen oder die nicht zur Wahrheit stehen. Aber das sind eben nicht die katholische Kirche oder die evangelische Kirche. Genauso wenig, wie es die presse, die Politiker, die ... sind. Artikel, die so oberflächlich und inhaltslos sind, können Sie sich bitte schenken.

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  • Alyeska
  • Kommentar 6
  • 09.03.2011 17:23
 Antwort auf Kommentar 3

*Unterschreib*

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  • APohlke
  • Kommentar 5
  • 09.03.2011 14:44
 

Was will der Artikel eigentlich? Selbst wenn man der Kernthese, die immer wieder wiederholt wird, folgt - die Kirche fordert Ehrlichkeit von ihren Mitgliedern, ist aber selber unehrlich - fragt man sich am Ende, worin eigentlich der Autor selbst die Verlogenheit und Unehrlichkeit der Kirche sieht. Klar bennennen kann er das offenbar nicht. Eine Mitarbeiterin, die sich Mühe gibt, ihren Job zu machen, wird hier lächerlich gemacht, ohne daß überhaupt ein echtes Anliegen vorliegt - außer billigen Hohn und Spott ohne Substanz, vermutlich weil sich der Autor des billigen Beifalls sicher glaut.

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  • Federhut
  • Kommentar 4
  • 09.03.2011 13:43
 

Die ev. Kirche hätte Ehrlichkeit bitter nötig. Habe am eigenen Leib zu spüren bekommen, was passiert, wenn man Ehrlichkeit fordert. Dann werden die Opfer verhöhnt und die Täter geschützt und belohnt. Ev. Kirche ist verkehrte Welt.

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  • Brasilianer
  • Kommentar 3
  • 09.03.2011 13:40
 

7 Wochen ohne Lügen ist schon interessant dann darf man wieder - nun was solls die Institution Kirche als solche war ja schon seit Beginn an auf Lügen aufgebaut ,was selbstverständlich nicht nur auf die katholische Kirche zutrifft nur diese nutzte ja jahrhunderte die auf Lügen aufgebaute Macht zB. um sich zu bereichern denke an die heilige INQUISITION wo ab einer bestimmten Zeit Gegener besonders auch aus vermögenden Schichten denunziert wurden hingerichtet u. Vermögen eingezogen. Der Vatikan ist auch heute kaum bereit auf Lügen zu verzichten dann müsste ja wohl die Biebel umschreiben

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  • klinge
  • Kommentar 2
  • 09.03.2011 13:21
 

Weil alle Religionen die reinste Märchenstunden sind. Man verzeihe den Anfängen und der damals herrschenden Intelligenz. Sie konnten es nicht anders erklären und da auch der Mensch der heutigen Zeit glaubend geboren wird, hält sich diese unwahre damalige Wahrnehmung. Der einzige Vorteil, der sich daraus entwickelt hat sind einige Regeln. Die Kriege mit Millionen Toden die Gleichgläubige miteinander Führen ohne das der von ihnen ernannte Gott einschreitet ist der beste Beweis, dass es diese Version nicht gibt. Irgend etwas Schöperisches aber schon, nur vom Mensch geistig nicht erfassbar.

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  • Alina Münch
  • Kommentar 1
  • 09.03.2011 13:08
 

Soso. Jeder bastelt sich eben seine eigene Religion, mit allen Regeln die einem passen, und allen voran mit dem Wegstreichen der Regeln die einem eben nicht entsprechen. Amen.

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