Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Nur wenige tausend Jahre nach der Erfindung des Kindes hat auch die Bahn Wind davon bekommen. Und reagiert prompt: Erstmal eine, irgendwann später sogar fünf Kinderlounges sollen den Kleinen künftig die Wartezeit versüßen. Der ICE-Toilette sei Dank!
Wir schreiben das Jahr 2011 und die Bahn hat festgestellt: Es gibt Kinder. «Bald erste DB-Kinderlounge», kündigt eine Agenturmeldung fröhlich an, und wir erfahren, dass am kommenden Mittwoch, dem 9. März, Bauklötze und Sofas in den Räumen der Nürnberger Bahnhofsmission für Stimmung bei reisenden Familien sorgen sollen. Ein Angebot für Kinder bis 14 Jahre, das auch Wickelräume enthält.
Generationen kleiner Jungs, die Lokomotivführer werden wollen, haben das Herz von Bahnchef Grube endlich erweichen können. Denn bisher galt eher der eiserne Grundsatz: Kinder lieben Züge – und die Bahn hasst Eltern. Wer jemals mit einem Kind samt Kinderwagen und dem üblichen Gepäck versucht hat, einen Zug zu erklimmen, sich durch die Gänge zu schieben, den ganzen Kram zu verstauen und dann noch das bis dahin natürlich vollge – äh, wickelbedürftige Kind wieder zu säubern, weiß Bescheid, was so eine Fahrt mit dem geliebten Zug an Lebensjahren kostet.
Verblasste Erinnerungen an riesige Kinderabteile
Gehört hat jeder schon mal von den Eltern-Kind-Abteilen. Aber gesehen oder gar drin gesessen? Verblasst ist eine Erinnerung aus der eigenen Kindheit an großräumige Kinderabteile, mit Rutsche, Ausmalblättern und Betreuung. Das war die Bundesbahn und das waren die 1980er. Doch jetzt gibt es ja bald die Nürnberger Kinderlounge. Und nicht nur dort. Auch in Essen, Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf sind diese Elternparadiese geplant. «Später.»
Merken Sie was? Kein einziger Bahnhof im Osten Deutschlands ist dabei. Ach, aber Ostdeutsche bekommen doch sowieso kaum noch Kinder. Und die sind ja auch noch ans Warten gewöhnt. 22 Jahre nach der Wende??? Zudem: Nur fünf von 5395 Bahnhöfen in Deutschland sollen überhaupt jemals so ein sagenhaftes Kinderparadies erhalten. Ein knappes Promille. Realer Nutzen gleich 0,001. Drittens: Die Zielgruppe Kinder gibt es schon etwas länger. Warum gerade jetzt?
Nun, zumindest die Antwort auf Frage drei ist überzeugend. Weil eben gerade jetzt jemand 400.000 Euro auf einem Zugklo, Pardon, einer ICE-Toilette liegen ließ. Abzüglich des Finderlohns blieben der Bahn unverhoffte 375.000 Euro. Da kann man schon mal auf die – äh, auf den Windelinhalt hauen!
Millionäre der Nation, wenn ihr etwas für gestresste Eltern übrig habt, macht doch mal der Zugtoilette eine Aufwartung ...
reu/ivb/news.de/dpa
ich kann dießen Artikel nur zustimmen, er ist noch nicht einmal übertrieben! Erleben auch Sie mal Ihren URLAUB, natürlich mit Kleinkindern, in vollen Zügen und reisen mit der Bahn!
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