Do., 23.02.12

Rufmord Der soziale Tod lauert im Netz

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Artikel vom 25.02.2011

Ein ekelhafter Kommentar unter einem news.de-Artikel hat uns aufgeschreckt: Der soziale Tod ist nur einen Klick entfernt. Rufmord traf schon König Herodes - doch das Internet potenziert seine unheilvolle Kraft. Wie es passiert und wie bereits dagegen gekämpft wird.

«Worte sind wie Vögel - einmal freigelassen, kann man sie nicht wieder einfangen.» Wer auch immer diese Redensart einst erfunden hat, er konnte nicht ahnen, wie präsent der kleine Spruch in der Internet-Ära werden sollte. Äußerungen, die online getan werden, sind im Netz und verbreiten sich dort unkontrolliert weiter. Vor allem mutwilligen Rufmördern ist mit dem Internetzugang ein grausames Werkzeug in die Hände gegeben. «Richtig raus bringen Sie es nie. Wenn einer Sie auf dem Kieker hat und es richtig anstellt, haben Sie keine Chance», sagt Thomas Volkmer, der das Portal internetvictims.de betreibt, ein Forum für Rufmordopfer.

Rufmord ist natürlich keine Erfindung des World Wide Web. Selbst die Bibel mischte da schon kräftig mit. König Herodes, der Böse aus dem Neuen Testament, der Tyrann, der nicht nur alle zweijährigen Kinder töten ließ, um Jesus auszuschalten, sondern auch Feinde lebendig verbrennen ließ, Ehefrau und Schwager um die Ecke brachte und Frauen missbrauchte – ein Opfer? Darauf deutet zumindest einiges hin. Die Historikerin Linda-Marie Günther hat festgestellt, dass Herodes römischen Besatzern wie jüdischen Priestern ein Dorn im Auge war, die daher aggressiv an seinem Rufmord schraubten. Zum Zeitpunkt von Jesu Geburt zum Beispiel war Herodes bereits tot. Eigentlich sei er ein Stratege gewesen, der seinem Reich wirtschaftliche Blüte brachte.

Überhaupt, die Römer! Ganz ohne Internet gelang es ihnen prächtig, diffamierende Gerüchte zu schüren. Wie ein Geo-Artikel beschreibt, nutzten sie dafür bemalte Vasen. So soll zum Beispiel Kaiser Augustus dafür gesorgt haben, seinen Erzrivalen Marcus Antonius als Geliebten der Kleopatra lächerlich zu machen.

Was früher persönlich ausgetragen wurde, steht jetzt im Netz

Wer in der Öffentlichkeit steht, ist besonders angreifbar, damals wie heute. Doch auch ganz normale Bürger können sich von einem Tag auf den anderen als soziale Parias fühlen. Wie die junge Frau, deren Name vor einiger Zeit zusammen mit einer Infektionskrankheit an ihrer Hauswand stand. Sie packte die Koffer, zog weg. Zwei Worte an einer Wand sind ein sozialer Todesstoß.

Doch wenn im weltweiten Netz Name und Adresse einer Frau zu lesen sind, die angeblich für Kokain alles tut, und dieses «alles» in allen Details beschrieben wird, ist das noch ein anderes Kaliber. Dies mussten wir kürzlich in einem Kommentar unter einem news.de-Artikel lesen. Wir haben die Schweinerei ausgeblendet, doch wer weiß, wo sie noch hinterlassen wurde.

Für Thomas Volkmer hat der Rufmord mit der Verbreitung des Internets eine neue Dimension bekommen. «Früher hat man sich eben persönlich beschimpft, jetzt schreibt man es ins Netz, in der Hoffnung, dass der Gegner es liest», sagt er. Den meisten Tätern sei nicht bewusst, welche Tragweite das habe. «Sie wollen einfach die Ex ärgern, sich Luft machen.» Häufig sei auch geschäftliche Konkurrenz die Motivation. «Wenn jemand billiger produziert, kann ich in Foren schreiben, ich habe die Ware nicht bekommen oder sie sei defekt. Damit kann man den anderen kaputtmachen.» Und vor allem, ohne die eigene Identität preiszugeben.

Erster Schritt: Forumsbetreiber anschreiben

Man müsse unterscheiden zwischen einer kurzen Affekthandlung oder dem organisierten Zerstören einer Person, betont Volkmer. Gegen eine wütende Beleidigung in einem Forum sei der beste Weg, einfach den Forumsbetreiber zu kontaktieren, um den Eintrag löschen zu lassen. «Die müssen reagieren», erklärt er. Doch es gebe auch Fälle, in denen jemand von früh bis spät am Rechner sitze, um Diffamierungen zu streuen. «Dann kommen Sie um eine Klage nicht herum», sagt Volkmer.

Hier greift das Strafrecht, ganz genauso, als ob sich die Verleumdung oder Rufschädigung analog zugetragen hätte. Dass eine Klage jedoch auch nach hinten losgehen kann, haben Volkmer und sein Kollege am eigenen Leib erfahren müssen. Weil sie als Provider Webspace vermieteten, seien sie als Adressbuch- und Porno-Mafia dargestellt worden, berichtet Volkmer. «Wer eine Garage vermietet, guckt ja auch nicht, was der Mieter darin veranstaltet», rechtfertigt er sich.

Das Gericht habe ihm letztlich Recht gegeben. Doch das Verfahren brachte Bauchweh, schlaflose Nächte, fraß eine sechsstellige Summe - und als Schadensersatz kamen nicht mehr als 15.000 Euro raus. Deshalb rät Thomas Volkmer wenn irgend möglich zum persönlichen Weg. «Versucht erst mal, es telefonisch zu regeln, trefft euch. Eine Klärung wie früher, im persönlichen Gespräch.»

Gegentaktik: Positive Reputation aufbauen

Dazu muss der Täter natürlich bekannt sein. Ansonsten steckt der Kampf gegen die Online-Verleumdung noch in den Kinderschuhen. Zwar lässt sich grundsätzlich der Übeltäter über die IP-Adresse des Rechners ermitteln. Eine Strafanzeige werde allerdings oft schleppend behandelt, sagt Volkmer, der als Forumsbetreiber selbst gelegentlich mit den Ermittlern zusammenarbeitet: «Die Polizei hat die Möglichkeit, die IP anzufragen. Da haben die so richtig Lust drauf», kommentiert er. Und auch die Forumsbetreiber hätten die Adressen nicht immer gespeichert.

Erschwerend hinzu kommt, dass Täter ihr Unwesen gern vom Internet-Café aus treiben. Technisch versiertere Rufmörder verwischen ihre Spuren auch gern über sogenannte Anonymizer, komplexe Serversysteme, die IP-Adressen unauffindbar machen.

Zwar gibt es inzwischen bereits rufschützende Software, die unliebsame Einträge findet oder löscht, doch auch die kommt schwerlich hinterher. Daher schlägt Thomas Volkmer vor, sich in jedem Fall eine Reputation im Netz aufzubauen. Den einen oder anderen Forumseintrag über Vorlieben und Hobbys zu hinterlassen, eine gewisse Präsenz in sozialen Netzwerken zu zeigen. «Dann hat man, egal was kommt, schon was Positives über sich drin.»

Als Thomas Volkmer vor einigen Jahren prozessierte, habe der Richter übrigens gar nicht recht gewusst, was eigentlich das Problem war. «Er sagte zu uns: ‹Was wollen Sie denn, es steht doch nur im Internet.›»

hem/reu/news.de
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URL : http://www.news.de/gesellschaft/855133413/der-soziale-tod-lauert-im-netz/1/
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Leserkommentare (10)
  • Kommentar: 10
  • 26.02.2011 12:41
von
RAGNAROEKR

Die Sudler sind überall. Ihre Schmutz- und Schmierenkampagnen gründen sie auf folgende Annahmen: Recht auf Existenzvernichtung, weil jemand einen Fehler (1) gemacht hat; eine andere Meinung vertritt, die nicht zu widerlegen ist und daher auf einem falschen Bewusstsein beruhen muss (2); alle Angehörige des minderwertigen Menschenmaterials unter Generalverdacht gestellt werden müssen (3); in Netzwerken zusammgengeschlossene Wärmeempfindende alle Moral besitzen, so dass dem Gegner nur noch die Unmoral bleibt (4). Leider sind die Raufbolde erfolgreich, sonst wären ihre Kampagnen Rohrkrepierer.

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  • Kommentar: 9
  • 26.02.2011 09:44
von
Mardatyats

Nur um das klarzustellen: Ich mag die deutsche Politik auch nicht, aber im Artikel geht es um Rufmord und ständig nur über Politik zu lästern, ist quasi dasselbe! Wem es hier nicht passt und wer sich zu fein ist etwas konstruktives zu tun kann ja gern nach Kuba gehen und sich anschauen, wie man trotz Armut leben und lächeln kann. Zudem sollte man als gescheiter Mensch spätestens nach Tiziano Terzani's Buch "Das Ende ist mein Anfang" wissen, dass der Jounalismus in den Keller gerutscht ist. Wem DAS nicht passt, weil zu faul zwischen den Zeilen zu lesen, kaufe sich stattdessen ein gutes Buch!

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  • Kommentar: 8
  • 25.02.2011 20:00
von
ccb

Politiker haben es sicherlich nicht ganz leicht, aus den Gesetzes Texten, ein Konzept für das Tagesgeschäft ab zu leiten. Machmal wird da ein Ziel über einen langen Weg erreicht, aber meißtens muß man sich mit Teilerfolgen zu frieden geben. Und darf das Jubeln nicht vergessen. Alle veröffentlichungen haben das Ziel die Wahrheit zu berichten, jeweils vom Auge des Betrachters. Zum Wohle aller, nichts sollte mehr geheim bleiben. Da kann es auch mal passieren, das da jemand im Übereifer Worte findet, die er später selbst bedauert.

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  • Kommentar: 7
  • 25.02.2011 15:38
von
PRIVATIER

Nur mal schauen was im Bewertungsprofilen von Grossen Auktionshäusern ab läuft und von den Verantwortlichen noch gedeckt wird --------Powerseller und Grosse machen grosse ??Gechäfte und die Negativen werden geblockt man verdient ja mit. Private Schlachtet man ----------bringen nicht genug GELD.

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  • Kommentar: 6
  • 25.02.2011 15:10
von
churchill

Merken sie sich eines, wenn ich Rufmorde, dann werde ich bestraft. Tut die Politik so etwas, dann werden alle kollektiv bestraft. Politik ist das verlogendste auf der Welt. so wie unsere Parteien uns auch am liebsten an die ganze Welt verkaufen. Natürlich zu unsere eigenen kulturellen 'Bereicherung' versteht sich. Wer fühlt sich von diesen Leuten in der politik nicht bestraft?

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  • Kommentar: 5
  • 25.02.2011 14:34
von
oliver

Belehren sie uns ruhig weiter, aber ich werde mir von Politik und Medien nichts vormachen lassen. Denn dieser Schaden, den Grüne und Medien auf unser Land hinterlassen haben ist imens und sollte da eines Tages etwas passieren, dann steht für mich der Verursacher jetzt schon fest! Ich vertrete die These Rufmord kann legitim sein. Nur wer kontrolliert, was legitim ist und was nicht? Wer kontrolliert unsere Politiker und Medien auf dass sie das beste für uns und unser Land tun, die sich selbst.

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  • Kommentar: 4
  • 25.02.2011 14:31
von
oliver

Ich kann die GEZ-Medien auch nicht mehr ernst nehmen, ganz besonders, wenn es um NEWS aus dem nahen Osten geht. Aber ist ist sehr auffällig, wie linkslastig die Medien sind und unsere Politik mitzieht. Würde es nicht reichen, wenn die Steinewerferpartei alleine political correctnes Apostel spielen würde. Guttenberg ist zweifelsfrei ein ofper der Medien, aber er ist auch allseits bekannnter Abgeordneter. Machen sie es wie in Agypten schalten sie das Internet ab und alle Probleme sind erledigt. Die linke szene hat sich in Sachen Guttenberg nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

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  • Kommentar: 3
  • 25.02.2011 14:11
von
marion rica

Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie den Artikel Rufmord : Der soziale Tod lauert im Netz. Solange ich selbst scharf bin auf solche Informationen und gerne unsoziales lese, was aber nicht fundiert ist und dieses glauben möchte, unterstütze ich alle, die dieses hobby "schlechtmachen" haben. Manche kaufen sogar Illustrierte, wie die "Farbige" oder die "Inaktuelle" bzw. "Früher im Spiegel" und ganz besonders, die wichtigste Zeitung überhaupt "Bilt". Kein Wunder, dass das interessant ist. Damit kann ich ja sogar viel Geld verdienen. Und Reichtum ist ja bekanntermaßen unanfechtbar....

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  • Kommentar: 2
  • 25.02.2011 13:55
von
Steffi Maltzan

Ich kann dieser Überschrift nur beipflichten, aber war es nicht Ihr Journalist u.a. der genau eben dies getan hat über Guttenberg? Über diese Wortwahl, diese persönlichen Angriffe habe ich mich sehr geärgert. Das ist kein guter sachlicher Journalismus mehr. Das ist schade, da eine objektive Meinungsbildung durch diese Art der Verbreitung unmöglich geworden ist.

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  • Kommentar: 1
  • 25.02.2011 12:08
von
Nero Kaiser

Rofmord ist heute das Kalkül jedes Politikers, der sich mieser Mittel bedient, und die Medien tragen alles dazu bei, was den Rufmortd fördert. Dazu benötigt man kein Internet. Man schaue sich nur die Rufmordkampagne gegen Kachelmann oder auch jene gegen unbequeme Politiker an.

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