Sa., 26.05.12

Handschrift 15.02.2011 Zurück an die Füller!

news.de-Mitarbeiterin Juliane Ziegengeist (Foto)
Zurück an die Füller! Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiterin Juliane Ziegengeist

Wir tun es jeden Tag: E-Mails tippen, SMS verschicken, unseren Status bei Facebook posten. Aber einen Brief schreiben? Fehlanzeige. Handgeschriebenes bleibt in der digitalen Welt auf der Strecke. Das Ergebnis ist Einheitsbrei.

Wann haben Sie zuletzt einen Brief geschrieben, so richtig mit Stift und Papier? Lassen Sie mich raten. Das ist - wie bei mir selbst - schon eine ganze Weile her. Die Frage nach den letzten getippten Zeilen am Computer dürfte einfacher zu beantworten sein. Denn das digitale Zeitalter hat die Schreibschrift längst ins Abseits gestellt. Wir tippen E-Mails und SMS, chatten und bloggen, schreiben aber kaum noch Briefe per Hand. Selbst die Postkarte ist zur E-Card geworden.

Dabei ist das Handschreiben eine wichtige Kulturtechnik. Es schult nicht nur unsere Feinmotorik, sondern lässt uns auch anders denken als beim Tippen am Computer. Der Schreiber formt Buchstaben, statt sie aus einem Pool verschiedener Tasten auszuwählen. Er muss vorher wissen, was er zu Papier bringen möchte, und seine Gedanken ordnen. Am Computer lassen sich Notizen ohne Spuren ergänzen, löschen und korrigieren. Auf dem Papier nicht.

Unser Schreibfluss wird durch den Takt des ständigen Tippens gestört. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir Buchstaben und Wörter noch mit Füller in einem einzigen Schwung aneinanderreihten, um nicht zu klecksen. Heutzutage verbinden wir im Durchschnitt nur noch maximal drei Buchstaben in einem Fluss miteinander. Das ist Kugelschreiber und Computer, vor allem aber dem Zeitdruck geschuldet. Der lässt uns hastiger schreiben und sich beim Tippen ohnehin viel besser bewältigen.

Ob Tablets wie das iPad es richten können? Sie versprechen mit ihren Touchscreens und speziellen Stiften eine Rückkehr zum Handgeschriebenen, wenn auch ohne Tinte und Papier. Aber Onscreen-Tastaturen und Apps, die per Hand geschriebene digitale Notizen in normale Texte umwandeln, machen es nicht besser. Im Gegenteil. Die Handschrift wird zur Computerschrift. Und damit verschwindet alles Individuelle, das in ihr steckt.

Um das zu verhindern und die Schreibschrift nicht aussterben zu lassen, müssen wir zum Füller zurückfinden und uns Zeit nehmen. Wir müssen uns Anlässe suchen, um zu schreiben. Dass Handgeschriebenes zu einer Privatsache geworden ist, ist schlimm genug. Es darf sich künftig aber nicht nur auf Banales wie den Einkaufszettel oder in Druckbuchstaben ausgefüllte Formulare beschränken. Und schon gar nicht auf das Testament. Das wäre der Tod der Handschrift.

ham/mik/news.de
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