Sa., 26.05.12

Arbeitslosigkeit 10.02.2011 Pepe, komm nach Deutschland!

Pepe (Foto)
Kommen die spanischen Gastarbeiter zurück? Bild: dpa/dapd (Montage news.de)

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Hoffnungsschimmer Alemania: Die Arbeitslosigkeit in Spanien liegt bei 20 Prozent, bei jungen Leuten doppelt so hoch. Nun sucht Deutschland Fachkräfte - und Spanien erinnert sich an Gastarbeiter «Pepe». Kommt die zweite Emigrationswelle?

¡Vente a Alemania Pepe! (Komm nach Deutschland, Pepe) ist ein Klassiker des spanischen Kinos. Der beliebte Volksschauspieler Alfredo Landa spielt Pepe - und Pepe ist der Gastarbeiter schlechthin. Ende der 1960er zieht er mit der unvermeidlichen Chorizo-Wurst im Rucksack aus einem spanischen Kuhdorf ins Wirtschaftswunder Deutschland. Auch um zu arbeiten, und zwar fast rund um die Uhr, aber viel mehr noch, um große Blonde zu bestaunen. Regisseur Pedro Lazaga ist Komödienfilmer, und so hat sich Gastarbeiter Pepe in der kollektiven Erinnerung als sympathischer Clown festgesetzt.

Dass bittere Armut dem Phänomen zugrunde lag, ist ein bisschen in Vergessenheit geraten. Aber jetzt ist Pepe zurück. ¡Vente a Alemania Pepe! nennt auch Rosalía Bayón González ihren Leserbeitrag in der spanischen Tageszeitung El País. «Für mich ist derzeit die Emigration mit der Chorizo im Rucksack, wie meine Oma es in den 1960er Jahren gemacht hat, die einzige Möglichkeit, die ich aufgrund unseres Problems sehe», schreibt die junge Frau.

«Unser Problem», das ist die Arbeitslosigkeit, über die man in Spanien spätestens im zweiten Satz jedes Gespräches stolpert. «Wir», das sind nicht nur, aber vor allem die jungen Leute. Über 40 Prozent ist die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen bis 25 inzwischen gestiegen, besagen Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). In Deutschland sind es demnach 9,3 Prozent.

Leicht ist es für junge Spanier seit Langem nicht, sich beruflich zu etablieren, gerade Geisteswissenschaftler konnten schon in den Zeiten vor der Krise froh sein, wenn sie 1000 Euro im Monat verdienten. «Mileuristas», «1000-Euro-Verdiener» ist daher der Spitzname für die Glückspilze, die nach langen Perioden als Praktikanten doch mal einen zeitlich befristeten Vertrag abstaubten. Mit der «crisis» ist alle Hoffnung geschwunden.

Spanischer Klassiker
Komm nach Deutschland, Pepe!
Video: YouTube (Filmotech)

Es wird einem nichts geschenkt - auch nicht in Deutschland

Am 12. Januar geht eine Meldung durch die spanische Presse: «Medicall Group bietet 500 Ausbildungsverträge in Deutschland für junge Arbeitslose». Das ist der Startschuss, der in Spanien die zweite «Pepe»-Welle ins Rollen bringt. «Wir waren sozusagen die Vorreiter», sagt Christian Seefried, der deutsche Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz an der spanischen Südküste. Darauf gekommen ist er bei einem Gespräch mit dem Leiter der Hotel- und Gastronomieschule in Rostock darüber, dass in Mecklenburg-Vorpommern Leute fehlen, um die Arbeitsplätze in der Gastronomie der Ostseeküste zu besetzen.

«Das Projekt ist wirklich ausgeartet», sagt Seefried. 1000 Bewerbungen hat er inzwischen, dabei sind 500 Personen das absolute Maximum, die auch nicht auf einmal, sondern nach und nach in Rostock ausgebildet werden sollen. Ende Februar starten erste Seminare, noch in Spanien, «um die Leute ein bisschen zu schocken», wie Seefried sagt. «Viele wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Es wird einem nichts geschenkt. Sie sind Ausländer in Deutschland und müssen besser sein als der gleichwertige Deutsche, das muss man ihnen klarmachen, bevor sie umziehen und das Geld der Familie ausgeben», betont der Medicall-Geschäftsführer.

Als zehn Tage später der Hamburger Unions-Politiker Michael Fuchs dem Spiegel zum Stichwort Fachkräftemangel sagt, es gebe im Süden Europas viele arbeitslose Jugendliche, die dringend einen Job suchen, ist «Pepe» in Spanien in aller Munde. «La Merkel» kündigt an, das Thema beim Treffen mit Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero am 3. Februar ansprechen zu wollen, und Nachrichtensendungen und Comedy-Programme erinnern sich an Alfredo Landa. 500.000 bis 800.000 Fachkräfte würden hierzulande benötigt – da ist doch wieder Hoffnung.

Zumal auf der Website der Deutschen Botschaft in Madrid eine Annonce aufgetaucht ist. Die Vertreter der Zentralen Auslandsvermittlung aus Bonn haben bei einer Konferenz am 27. Januar gemeinsam mit den spanischen Kollegen beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu verstärken. Ingenieure, Gesundheitspersonal, Wissenschaftler und Fachleute in Gastronomie und Tourismus sind erwünscht. Weitere Voraussetzung: ein zumindest mittleres Deutsch-Niveau, ist auf der Botschaftsseite zu erfahren. «An den ersten beiden Tagen gab es mehr als 3000 Anrufer», sagt der zuständige Sprecher des spanischen Arbeitsministeriums in Madrid. Dabei sei Eures, das europaweite Netzwerk, über das die Arbeitsvermittlung stattfinden soll, schon seit Jahren aktiv.

«Pepe»-Welle ist bisher nur heiße Luft

«Es ist erstens gar nichts Neues, und zweitens ist da konkret noch nicht viel passiert. Derzeit werden eher von den Medien Erwartungen geschürt.» Es seien gerade schlicht drei Faktoren zusammengekommen, die zu der Aufregung geführt hätten, meint der Sprecher: «Erst die Meldung auf der Botschaftsseite, dann der Besuch der Kanzlerin und drittens die Tatsache, dass Spanien und Deutschland beim Thema Arbeitslosigkeit derzeit die beiden Extreme in Europa sind.» Ob wirklich eine zweite Gastarbeiterwelle zu erwarten ist, kann noch niemand beurteilen. Und Merkel und Zapatero haben sich am 3. Februar nicht über spanische Arbeitskräfte unterhalten, sondern darüber, dass Spanien zur Stabilisierung des Euros noch ein bisschen mehr sparen müsse. Mehr Kürzungen, die wieder auf den Rücken der Bürger ausgetragen werden, wie alle befürchten.

Rocío Martín Travesí sorgt sich erst mal nicht mehr. Sie hat den Absprung schon geschafft. Die 25-Jährige studierte Marketing in Sevilla, suchte erfolglos einen Job und ging dann im April 2010 zum Praktikum nach Berlin. MT Performance war damals eine kleine Firma mit vier Personen. Inzwischen hat Rocío einen Arbeitsvertrag und ihre Firma ist auf 40 Leute angewachsen - alle Spanier und Portugiesen. «Den meisten ging es genauso wie mir. Im Marketing gibt es derzeit in Spanien höchstens Arbeit als Vertreter, mit Bezahlung auf Provision.» Das Einzige, was ihr hier bei der Arbeit fehlt, ist die Kommunikation. «Es wird viel weniger geredet. Eine Abteilung weiß oft nicht, was die andere macht.»

Ein, zwei Jahre will Rocío bestimmt noch bleiben. Solange die Krise dauert. Oder vielleicht auch noch in ein anderes Land wechseln. In Sevilla, wo sie herkommt, denken viele darüber nach, es ihr gleichzutun. «Ich überlege auch, nach Deutschland zu gehen», sagt José, der als Ungelernter immer hier und da gejobbt hat und jetzt seit über einem Jahr auf der Straße steht. Einen Kurs als Motorrad-Mechaniker hat er übers Arbeitsamt gemacht, doch eine gut ausgebildete Fachkraft ist etwas anderes. «Solche wie dich will «la Merkel» nicht», müsste man ihm eigentlich sagen. «Pepe» ist im Spanischen zwar der Spitzname für «José». Aber die Zeiten sind eben doch andere.

jag/reu/news.de
Leserkommentare (10) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • dqsrht
  • Kommentar 10
  • 18.06.2011 16:26
 

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  • Schier
  • Kommentar 9
  • 18.06.2011 03:09
 

Ein Rätsel: Auf was hat ein Mensch in Deutschland kein Recht, obwohl von ihm verlangt wird, dass er es besitzt? Widersinnig? Wen störts...es ist: der Arbeitsplatz

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  • Schier
  • Kommentar 8
  • 18.06.2011 02:39
 

Die dümmliche und selbstgefällige Kreatur Meier Fred s.o. hätte ich in der Tat nicht gern als Arbeitskollegen. Ich muss zugeben zuhause sein ist viel schöner, als solche Induividuen um sich ertragen zu müssen. Ohne solche Menschen wie ihn wäre jeder Arbeitsplatz gleich viel attraktiver. . Viele H4 Empfänger bemühen sich sehr um Arbeit, werden aber nicht gewollt, wie Herr Meiers Reaktion zeigt. Dann kann er ihnen die Arbeitslosigkeit aber auch nicht vorwerfen. Machen wir H4 Empfänger also Dauer-Urlaub in Spanien und lassen die Banker Deutschland zugrunde richten. Olé -

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  • Krystalyn
  • Kommentar 7
  • 17.06.2011 12:00
 

It's spkooy how clever some ppl are. Thanks!

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  • Meier Fred
  • Kommentar 6
  • 12.02.2011 17:21
 Antwort auf Kommentar 1

@oliver die Mehrzahl der deutschen Arbeitslosen und H4-Empfängern wollen doch gar nicht arbeiten: man hat nichts gelernt, will nichts lernen, hat keinen Bock zur Arbeit und hat sich mit der Stütze sehr gut eingerichtet. Und in Ostdeutschland kommt hinzu: man ist nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, sich selbständig zu machen oder sonstwie anzufangen, selbst zu denken und zu handeln. Ergo: ich tausche gerne jeden fleißigen Spanier gegen einen deutschen H4-Empfänger.

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  • Meier Fred
  • Kommentar 5
  • 12.02.2011 17:13
 

Hervorragende Idee! Holen wir fleißige junge Leute aus der EU zu uns und bilden wir sie vernünftig nach deutschem System aus. Dann können sie was und bereichern unseren Arbeitsmarkt. Dann fehlt nur noch, dass wir unsere Millionen an arbeitsscheuen deutschen Hartz IV-Empfängern ins Ausland abschieben und unser Land hat wieder eine hervorragende Zukunft.

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  • Libertad
  • Kommentar 4
  • 11.02.2011 02:01
 

Tja, dieser Pepe. Welche Facharbeiter Ausbildung hat der denn? Man hölt sich billig arbeitende Leute ins Land und weiß später einmal nicht wie man nach deren Arbeitsleben, deren Unterhalt bezahlen soll. Deutsche Facharbeiter aber gehen ins Ausland, weil sie dort besser bezahlt werdem, aber auch deren Ausbildung kostet.Irgendetwas stimmt in diesem Land nicht mehr. Will man dieses ganze Systen absichtlich zusammanbrechen lassen un o ein Globalisierung herbei zu führen? ...und was dann?

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  • Waldemar Voigt
  • Kommentar 3
  • 10.02.2011 13:28
 

es geht hier nicht um "Pepe" oder "Abdul", es geht auch um "Fritz, Forz" und "Feuerstein" aus Germania. Deutschland braucht junge, hoch motivierte, intelligente und arbeitswillige Menschen, die für die "Ruheständler" einmal die Renten erwirtschaften sollen. Die sollten nach deutschem Standard ausgebildet werden und die würden auch den Generationenprozess lösen, der bis heute ungelöst ist. Diese jungen Menschen, z.B. aus Dritte Welt Ländern, werden nach der Ausbildung sicherlich in unserem Land bleiben, weil es ihnen hier gut geht. "Pepe" und "Abdul" werden aber irgendwann wieder adios sagen.

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  • Waldemar Voigt
  • Kommentar 2
  • 10.02.2011 13:16
 

Deutschland bildet die besten Facharbeiter aus, aber diese verlassen Deutschland, weil sie woanders mit ihrer qualifizierten Ausbildung weitaus besser bezahlt werden. Und weil unserer Politiker keine adäquate Fachausbildung vorweisen müssen und absolut unqualifiziert sind, treffen sie ständige Fehlentscheidungen, dass wir "Facharbeiter" aus Europa, wie Spanien, in unser Land holen müssen, die wir erst mal zu Facharbeitern nach deutschem Standard ausbilden. Nein, wir brauchen junge, intelligente Menschen aus den dritte Welt Ländern, die in Deutschland ausgebildet werden und auch hier bleiben.

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  • oliver
  • Kommentar 1
  • 10.02.2011 13:06
 

Der Pepe ist mir zwar viel lieber als ein Muselmane, aber wozu bitte schön Zuwanderung, wenn unsere eigenen Leute schon solche Jobschwierigkeiten haben. Schauen sie sich mal die Zahlen in Ostdeutschland und Bremen an! Was sehen sie da. Ostdeustchland durch die Bank weg zweistelliger Prozentbereich, Bremen zweistelliger Prozentbereich. Wollen sie uns eigentlich verarschen? Bei denen da oben sind alle Ausländer und Fremdkulturen wichtige als wir Deustche. Ich wäre für ein Muselmanisches nach Hause Führprogramm, dann können ein paar Spanier ruhig hier einkehren.

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