Von news.de-Redakteur Jan Grundmann, Leipzig
Zwölf Quadratmeter Dunkelheit: So werden Besucher die Wohnung von Opossum Heidi aus Leipzig kennenlernen. Denn die Beutelratte ist nachtaktiv. Auch Backstage-Räume sind da, falls dem Star mit Silberblick der Blitzlicht-Trubel zu viel wird.
Noch wohnt Heidi in einer «rückwärtigen Zoo-Anlage», so Jörg Junhold, Chef des Leipziger Tierreichs. Diese Anlage ist wohl wie ein Studentenwohnheim, in dem neue Tiere erst mal in ihrer neuen Umgebung ankommen. Sie bleiben einige Zeit dort, bis sie reif sind für die eigene, größere Wohnung. Ihr aktuelles Zimmer ist vier Quadratmeter groß - im neuen Domizil hat sie zwölf.
An ihrer Wohnung wird derzeit noch gewerkelt. Heidis Gehege ist Teil einer der spektakulärsten Zoo-Projekte der Welt: Die Tropenhalle Gondwana im Leipziger Zoo ist so groß wie zwei Fußballfelder und kostet fast 70 Millionen Euro. «Es ist ein einzigartiges Konzept», lobt Zoo-Direktor Junhold, als er auf dem 15 Meter hohen Aussichtsturm steht. Der thront inmitten der Tropenhalle, in der noch der Baulärm wummert. Das gigantische Stahl-Glas-Dach macht eine künstliche Beleuchtung für Tropen-Tiere und -Pflanzen überflüssig.
Laut Plan öffnet die Anlage am 1. Juli. Wer dann zu Heidi will, muss aber in die kühle Dunkelheit. In einen Bergwerksstollen, der die Verbindung zwischen altem Zoo und neuer Tropenhalle darstellt. Dieser Stollen, spärlich beleuchtet, soll an Urzeiten erinnern: Hier werden entwicklungsgeschichtlich alte Tiere präsentiert. Fische etwa. Oder Beutelratten. Also Heidi. Ihre schielende Schwester Naira und Teddy, der einzige Kerl im Opossum-Stall, sind auch hier.
Heidi ist nachtaktiv - Zoo kehrt Tagesrhythmus in ihrer Wohnung um
«Ein Opossum ist ein nachtaktives Tier», sagt Heidis Tierpfleger Michael Ernst. Deshalb auch die Dunkelheit. Deshalb wird auch der Tagesrhythmus für den weltweiten Shooting-Star der Beutelratten-Szene umgedreht: Am Tag, wenn die Besucher durch den Bergwerksstollen strömen, wird ein Schummerlicht das Gehege sanft beleuchten.
Für Heidi fühlt sich das wie Nacht an, sie soll umher tapsen, während sie durch die Scheibe die Besucher sieht. Wie es sich für Heidi gehört, mit einem soliden Silberblick. Und wenn die Nacht über Leipzig hereinbricht, wird es gleißend hell in Heidis Gehege. Dann kann sich die Beutelratte endlich schlafen legen.
Weil Beutelratten Kletterer sind, hat das Gehege natürlich mehrere Ebenen: viele Holzstämme, ein Schlafhäuschen im oberen Teil des Geheges. Auch eine Klimaanlage ist integriert. «Die Vitrine wird natürlich eingerichtet wie die Wohnung eines Menschen», sagt Tierpfleger Ernst. «Der würde sich zwar auch freuen, in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung zu sein. Aber wenn dort nix drin steht, wird er in kurzer Zeit durchdrehen.» Zudem hat Heidi zwei Backstage-Räume. Zum Relaxen, falls ihr Trubel, Menschen und Fotos zu viel werden.
Botschafterin Heidi: Schiel-Opossum soll in diplomatischen Dienst
Oscar-Präsentatorin, Hunderttausende Facebook-Fans, Songs zu ihren Ehren, die Vermarktung als Stofftier: «Klar, die Aufmerksamkeit für Heidi ist toll», sagt Zoodirektor Jörg Junhold. «Das, was innerhalb weniger Tage passiert ist, hat auch meine Vorstellungskraft überstiegen. Wir genießen es.» Allerdings soll Heidi eine Art Botschafterin für alle 40 beheimateten Tierarten sein - der Werbeträger also.
In der 35 Meter hohen Dschungelhalle, die von Weitem wie das imposante Spaßbad Tropical Islands unweit von Berlin wirkt, soll Heidi ab 1. Juli zu sehen sein. In unmittelbarer Nachbarschaft: Faultiere, Riesenotter, Zwergflusspferde und weitere zum Teil gefährdete Tierarten. Aus der Mitte entspringt ein Fluss - der von den Besuchern per Boot durchschifft werden kann. Der Dschungel mit 17.600 Pflanzen fühlt sich auch an wie ein Regenwald: Es sollen, so Heidis Oberboss Jörg Junhold, 25 Grad und bis zu 70 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen. Und viel Aufklärung über die Bedrohungen von Flora und Fauna. Ein Freizeitpark mit Tieren, Pflanzen und Bildungsauftrag.
Laut Zoo ist die Megahalle international einzigartig. Bis zu 2500 Besucher sollen sich gleichzeitig im Gondwanaland aufhalten können. Die Gesamtkosten der Halle von 66,8 Millionen Euro teilen sich der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig und der Zoo.
reu/news.de
gegen Zoos: Im Sommer noch Zuschauermagneten, im Winter nur noch Ballast – das ist das Schicksal vieler Tierbabys in europäischen Zoos. Kommt der Nachwuchs erst einmal in die Pubertät, ist in den elterlichen Gehegen kein Platz mehr. So enden hunderte Jungtiere, sogenannter „Überschuss“, über dubiose Tierhändler in schlechter Haltung, in Jagdgehegen, als Artisten im Zirkus oder verschwinden einfach spurlos.
Kommentar meldenbezaubernd und herzerfrischend . Der Mensch braucht die Nähe zur Kreatur . Herzlichst , Eure Nanny Tober
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