Sa., 26.05.12

Homostreit 28.01.2011 Wenn ein Mann plötzlich Pfarrersfrau ist

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann

Die evangelische Kirche streitet um die Homoehe im Pfarrhaus. Gunter Volz war einer der Ersten, der mit Partner ins Pfarrhaus zog. Er findet den Konflikt lächerlich. Und erklärt, wie die Gemeinde reagiert, wenn statt der Pfarrersfrau ein Mann im Garten steht.

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Der Seelenfrieden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hängt schief. Schuld sind die Homosexuellen. Und der laxe Umgang der Kirchenführung mit ihnen. Finden zumindest acht Altbischöfe - und wettern gegen die «widernatürliche Lebensweise» der Schwulen und Lesben, wie es etwa im 1. Buch Mose stehe.
 

Denn immer mehr evangelische Landeskirchen wagen den Vorstoß: Homosexuelle Paare sollen in den Pfarrhäusern offiziell zusammenleben dürfen. Allerdings ist die Streitschrift selbst diskret verfasst - das H-Wort wird tunlichst vermieden. Stattdessen geht es um die «Lebensführung im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe». Die Interpretation der acht Bischöfe lautet: Damit dürfen auf keinen Fall Lesben oder Schwule im Pfarrhaus gemeint sein.

Wer die Bibel beim Wort nimmt, muss auch Sklavenhaltung okay finden

Gunter Volz ist selbst schwuler Pfarrer. Er sagt: «Ich habe keinen Zweifel, dass Homosexualität in der Bibel abgelehnt wird.» Allerdings habe sich das Verständnis von Liebe und Sexualität über die Jahrhunderte enorm verändert. «So war die Familie im Alten Testament eine reine Versorgungsgemeinschaft. Die Liebesheirat gibt es erst seit der Romantik», so Volz.

Wer die Bibel in allen Punkten beim Wort nehme, müsse deshalb auch fordern, dass Frauen in der Gemeinde nichts zu sagen hätten, Sklavenhaltung schon okay sei - und erklären, warum der im Alten Testament geforderte Schuldenerlass nach sieben Jahren durch die Gläubiger nicht umgesetzt werde. Die christliche Haltung zu Ehe und Familie: Sie mache sich an der verantwortungsvollen Ausgestaltung der Partnerschaft fest - und nicht an einer Trennlinie zwischen Homo- und Heterosexualität, findet er.

Die Homosexualität des Pfarrers als Tuschel-Thema in den Arztpraxen

Volz war 1992 einer der ersten Prediger, der mit seinem Partner ins Pfarrhaus einzog. «Damals war es sicher noch recht ungewöhnlich», so Volz. Nach seinem Theologie-Studium übernahm er als 32-Jähriger vertretungsweise eine Pfarrstelle im Frankfurter Stadttteil Unterliederbach.
 

Er stellte seine Sexualität nicht heraus. «Trotzdem hat sich es in den Arztpraxen des Stadtteils schnell rumgesprochen», so Volz. Einige Gemeindemitglieder hatten so ihre Probleme. «Die Kritiker kamen aber nicht direkt auf mich zu, die haben eher den indirekten Weg gewählt.» Eltern kündigten zunächst an, ihre Kinder nicht auf die Konfirmanden-Freizeit zu schicken. «Aber als es soweit war, sind doch alle mitgekommen.»

Männlicher Partner in der Pfarrfrauenrolle

Am Ende wollte die Gemeinde ihn, Volz, als ihren Hirten. «Ich freute mich. Und fand es wichtig, dass mein Partner mit ins Pfarrhaus einzieht.» Der Kirchenvorstand tagte zwei lange Abende über Volz' Ansinnen - und bejahte den Wunsch. Das war für Volz ein wichtiger Rückhalt in der Anfangszeit mit durchaus dissonanten Klängen aus der Gemeindekehle. «Doch nach und nach sind die Vorurteile gebröckelt.»

Das habe auch an seinem vier Jahre jüngeren Partner gelegen, der ebenfalls Theologe ist. «Mein Partner war von Anfang an in der Gemeinde mit dabei», sagt Volz. «Er war sehr geschätzt. Wir wurden zusammen zu Terminen eingeladen. Man kann sagen, dass mein Partner die Pfarrfrauenrolle sehr verantwortungsvoll ausgefüllt hat», sagt Volz, dessen Stimme dabei ein wenig hüpft. So kümmerte sich sein Partner auch um die Arbeit im großen Garten des Pfarrhauses, einer Villa aus den 1920er-Jahren. Das habe bei Gemeindemitgliedern Respekt geerntet, sagt Volz. Und wieder lacht er.

Weil Volz als schwuler Pfarrer offen gelebt habe, outeten sich Mitmenschen. Ein Jugendlicher, eine ältere Kirchenvorsteherin, sie bekannten sich zur gleichgeschlechtlichen Liebe. «Auf der Kanzel habe ich mich zurückgehalten. Ich verkaufe mich ja nicht als schwuler Pfarrer. Aber ich habe mich auch nicht versteckt, wenn ich auf meine Partnerschaft angesprochen wurde.» Elf Jahre war Volz Gemeindepfarrer; seit 2003 arbeitet er als Pfarrer für sozialpolitische Fragen in Frankfurt am Main.

Die Kirche wird durch Schwule oder Lesben nicht untergehen

Seine Landeskirche Hessen-Nassau hatte sich früh für die Homoehe im Pfarrhaus geöffnet. Auch Rheinland, Nordelbien, jetzt auch Mitteldeutschland und sogar Bayern: Lesbische und schwule Pfarrer können mit ihren gleichgeschlechtlichen Ehepartnern ins Pfarrhaus ziehen. Doch noch immer tun sich einige evangelische Landeskirchen schwer mit der Homo-Öffnung.

Im Jahr 2009 sind Volz und sein Partner die Homoehe eingegangen. Und wie sich das gehört: mit kirchlichem Segen. Trotzdem stößt ihm der Brandbrief der Altbischöfe bitter auf. «Es ist der Versuch einiger Leute, die mal Verantwortung in der Kirche getragen haben, das Rad zurückzudrehen. Mich hat der Brief jedenfalls gewundert. Es gibt ja genug wichtige, gesellschaftliche Probleme - etwa soziale Fragen oder die Bewältigung der Finanzkrise. Darüber haben sie sich nicht geäußert.»

Ihn erinnert die aktuelle Debatte an den Streit um Frauen im Pfarramt, der bis zum Anfang der 1980er-Jahre ausgetragen wurde. «Auch damals wurde mit der Bibel argumentiert, dass Frauen in der Gemeinde nichts zu sagen hätten.» Die Konflikte wurden ausgetragen, am Ende setzten sich die Frauen durch und standen fortan auf der Kanzel. «Die Kirche», sagt Volz, «ist nicht untergegangen durch weibliche Amtsträgerinnen. Und sie wird es auch nicht durch Schwule und Lesben tun.»

mat/ivb/news.de
Leserkommentare (8) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Aids Gräulich
  • Kommentar 8
  • 28.01.2011 23:33
 

H/S/L = AIDS = grandiose Volksgesundheit, dafür hat man doch auch Milliaardenund lässt lieber die kinderreiche Mutter, Oma und Uroma nach dem dritenn Tage ihres Schlaganfalles sterben, anstatt ihr rechtzeitig zu helfen.

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  • Pfaffner Tetzel
  • Kommentar 7
  • 28.01.2011 23:26
 

So zerstört man die evangelische Kirche unwiderruflich, wenn solchen Vorbildern nicht Einhalt geboten wird. Kirchenflucht, verhökerte und zweckentfremdete Kirchen sind nur der Anfang dieser verwerflichen Entwicklung. Das Ende käme dann schnell, wenn nicht wieder ein gesunder Geist einzieht. Deshalb ist die katholische Kirche gut beraten, wenn sie solchen Erscheinungen nicht nachgibt.

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  • Phantasius Toleranz
  • Kommentar 6
  • 28.01.2011 23:14
 

Alcibiade, verkürzt ausgedrückt hat Goethe einen alten Griechen zitiert, der meinte, sein ganzes Volk sei "arschgefickt" (mal googeln). Die edelste Spezies unserer Zeit lehnt sich also nur an die göttliche Antike an, denn die Römer gingen unter an ihrem Bauch und dem was drunter hängt (Vergil). Wieviel Verblödung und Entartung wird man uns noch zumuten? Toleranz bedeutet nicht, dass sich eine gesunde Mehrheit von der Abartigkeit tyrannisieren lassen muss. Es gibt keine Impfung dagegen, Krankheiten haben aber die Eigenheit sich unkontrolliert auszubreiten, wenn sie nicht erkannt werden.

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  • Satan Perversus
  • Kommentar 5
  • 28.01.2011 22:54
 

Na sowas, diese Kirche gerät wirklich zunehmend in lächerlichen Verruf. Jeder kann doch in der Bibel nachlesen, das unser Schöpfer den Mann dem Manne bestimmte und die Frau der Frau, wie sonst sollen denn die Kinder entstehen? Nur durch gleichgeschlchtliche Beziehungen, Ehe kann das ja niemand nennen. Die Ehe ist eben pervers und die Heteros sind die Wurzel allen Übels dafür, dass es uns gibt. Es lebe deshalb das andere Ufer, die Kreatur wird´s danken, wenn sie von diesem alles zuerstörenden Menschen befreit ist. Bibelleugner und -verdreher, Pharrisäer und Otterngezücht! "G"

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  • Matt
  • Kommentar 4
  • 28.01.2011 18:16
 

@von Brandis: Ach stimmt, deswegen die ganzen Umerziehungs-Camps und von Homosexuellen angeleitete "Heilungs"gruppen für Heteros, damit sie endlich schwul/lesbisch werden. Sie haben da völlig Recht. Genau wie mit der gefährlichen Vorbildfunktion, denn schließlich ist homosexuell zu sein ja eine Entscheidungssache, so wie Rauchen. Oder schwarz sein. Was machen Sie eigentlich vor dieser leuchtenden Teufelskiste? Jetzt aber schnell ein paar Ave-Mariä und Vaterunser gebetet, sonst kommt der Teufel und zwingt sie zu ewigem Analsex. Und dann macht Sie vielleicht noch jemand nach! Gott bewahre.

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  • Helmut von Brandis
  • Kommentar 3
  • 28.01.2011 16:40
 

Die Homosexuellen: Eine Minderheit, die der Mehrheit mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ihre Lebensweise überstülpen will. In diesem Falle: Der Pfarrer oder die Pfarrerin soll der Gemeinde ein Vorbild sein, vor allen den Kindern und Jugendlichen. Das gleichgeschlechtliche Verhältnis von Partnern ist kein gutes Vorbild weil es abnorm ist. Es wird also etwas der Gemeinde, hier wiederum vor allem den jungen Gemeindegliedern, vorgelebt, was anormal ist. Das hat nichts mit Sklavenhaltung, Frauen auf der Kanzel usw., usf. zu tun. Die acht ehemaligen Bischöfe haben recht!

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  • Brasilianer
  • Kommentar 2
  • 28.01.2011 14:53
 

nach der Bibel leben funktioniert heute in der aufgeklärten Welt nicht mehr -selbst in Ländern wie Brasilien wo ein Grossteil der Bevölkerung Gläubig ist hat man immer eigene Regeln -selbst Kriminelle bitten Ihren Schutzheiligen vor Straftaten um Beistand. Die Bibel als solches ist ein sehr Eigenwilliges u.teilweise verlogenes Werk und war nie im Sinne von dem was Jesus wollte sie war immer im Sinne von einzelnen die ihre Macht ausbauen wollten neu als Testament verfasst. Man nehme nur DU sollst nicht gegen die Obrigkeit sein - Du sollst bescheiden u.in Demut leben (der Papst lebt dies vor ?)

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  • Libertad
  • Kommentar 1
  • 28.01.2011 13:19
 

Jeder Arbeitgeber hat das Recht Verhaltensweisen von seinem Arbeitnehmer einzufordern, die dem Betrieb keinen Schden bringen. Das hat nichts mit Toleranz zu tun.

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