Sa., 26.05.12

Schwiegermütter 16.01.2011 Warum Familie tödlich ist

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News.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Böse sind Stief- und Schwiegermütter? Nein, böse ist die ganze Familie. Weil zu viel Nähe eng ist und jeder seinen Platz zum Atmen braucht, knallt es immer wieder im trauten Kreis. Da hilft nur eins: verzichten.

Schwiegermütter sind nur die Spitze des Eisbergs. Gemeinsam mit der Stiefmutter haben sie traditionell die Rolle der «Bösen» im Familiengefüge inne. Doch wer genau hinschaut, sieht: Die dicken sieben Achtel des Eisbergs liegen nicht beim «Schwieger-», sie schwelen in der Familie selbst.

Bei der Mutter, die ihren Sohn gängelt, seit er ein kleiner Junge ist. Beim Vater, der sich auf der Arbeit, beim Feierabend-Bier oder im Fitnessstudio verkriecht, um sich nicht mit den Familienscherereien zu belasten. Beim großen Bruder, der den kleinen hasst, weil der süßer ist. Bei der Tante, die keinen abgekriegt hat und deshalb ihre Nichte vereinnahmen will.

Und so weiter. Kennt jeder. Gewöhnt man sich dran, verdrängt man. Zu Weihnachten explodiert das familiäre Gemisch dann regelmäßig - wenn mal wieder alle nett zusammenkommen. Dann kriegen selbst die Enkel irgendwann spitz, dass sich auch Oma und Großtante Berta noch nie grün waren und warum Onkel Hans eigentlich nach Amerika ausgewandert ist. Es war also nie anders.

Die Familie ist Keimzelle und Treibhaus für Missgunst, Neid, Streit, Intrigen, Hass, Gewalt, Mord. Ja, bis zum bitteren Ende geht es tatsächlich häufig, das fällt auf, wenn man sich die Liste der Gerichtstermine anschaut. Wo zu viel Enge und zu viel Nähe und zu viel Abhängigkeit herrschen, geht der Mensch am ehesten hoch, weil ihm die Luft zum Atmen fehlt.

Wer in der «Vermischtes»-Redaktion arbeitet, kennt die Familiendramen, die sich Monat für Monat in den Einfamilienhäusern von Kleinstädten abspielen. In dieser Fotostrecke sind nur ein paar besonders tragische Fälle zusammengefasst. Eigentlich möchte sich jeder nur erschreckt abwenden, aber irgendwo steckt da auch der Reiz des Grauens – weil sich ein Stück weit nachvollziehen lässt, wie es soweit kommt.

Wer von außen in eine Familie hineingerät, kann im besten Fall drüber grinsen und froh sein, dass die eigene Mischpoke in diesem Moment weit weg ist und zur Abwechslung mal keinen Ärger macht. Im ungünstigen Fall aber werden gerade Schwiegertochter oder -sohn zum Sündenbock. Weil sie nicht wertvoll genug sind für den Kronprinzen oder, weil sie als Eindringlinge das ganze sorgsam versteckte Elend mitbekommen.

Letztlich ist jede Familiensaga wohl vor allem eine Frage der Dosis: Jeder muss herausfinden, wie viel Eltern und Schwieger sich am Stück vertragen lässt. Und gehen, wenn's am schönsten ist.

kas/ivb/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Svetlana
  • Kommentar 1
  • 13.02.2011 08:58
 

Suuuper! Ganz auf Familie verzichten - naja... Aber schön zu lesen, sehr wahr, ich habe gelacht, ..... Wir haben auch so einen Problemklops und den unbestellten Obersorger frei Haus.... Etwas Abstand tut wirklich nur gut .....

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