Es ist Grippezeit, und das heißt in diesem Winter auch, Schweinegrippenzeit. Seit Beginn des Jahres sind elf Menschen durch das H1N1-Virus getötet worden. Das besondere der diesjährigen Grippewelle: Vor allem Kinder sind betroffen.
Die Schweinegrippe ist wieder auf dem Vormarsch: Sieben Tote zählte das Robert Koch-Institut (RKI) von Oktober bis zum 7. Januar. Seitdem sind weitere vier Menschen dem H1N1-Virus erlegen: Heute wurden zwei Schweinegrippe-Opfer aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeldet, ein 36-jähriger Mann aus Ostwestfalen starb bereits am Wochenende an der Schweinegrippe, er habe keine Vorerkrankungen gehabt, sagte eine Sprecherin des Kreises. In Göttingen erlag eine 75-jährige Frau am Dienstag den Folgen der Schweinegrippe.
Weniger eindeutig waren drei weitere Todesfälle - ein Mädchen in Köln, ein Mann in Essen und eine Frau in Münster. Bei allen Patienten war das H1N1-Virus festgestellt worden. Bei der Sechsjährigen soll eine Obduktion die genaue Todesursache klären. Ein Sprecher der eingeschalteten Kölner Staatsanwaltschaft sagte, es dauere einige Tage bis zu einem Ergebnis. Der in Essen gestorbene 57-Jährige mit H1N1-Diagnose war auch schwer lungenkrank. Am Uniklinikum Münster starb eine Frau an Organversagen, die neben der Schweinegrippe auch andere Erkrankungen hatte.
In der ersten Januarwoche notiert das RKI zudem 39 Infektionen mit dem H1N1-Virus - der höchste Wert seit Oktober. Instituts-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte, Besonderheit der diesjährigen Grippewelle sei, dass es verstärkt schwere Verläufe und Todesfälle bei Kindern und jungen Menschen gebe. Rund drei Viertel aller Grippekranken sind mit dem Schweinegrippevirus H1N1 infiziert.
Kinder sind die Hauptüberträger
Jugendärzte betonten, dass Kinder besonders gefährdet seien - und zugleich auch die Hauptüberträger der Schweinegrippe, die per Tröpfcheninfektion, also durch Husten und Niesen und über die Hände weitergegeben wird. «Das Immunsystem der Kinder kennt dieses noch neue Virus nicht, hat damit keine Erfahrung», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, in Köln. Eine Impfung - noch vor dem für Februar erwarteten Höhepunkt der Grippewelle - sei ratsam.
Der aktuelle Grippeimpfstoff schützt nicht nur vor den saisonalen Grippeviren, sondern auch vor H1N1. Aus RKI-Sicht reicht die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aus, unter den Kindern lediglich chronisch Kranke gegen Grippe impfen zu lassen.
In einer Grippesaison sterben in Deutschland im Durchschnitt 8000 bis 11.000 Menschen in Folge der Erkrankung, schätzen Experten. Die Zahl schwankt jedoch erheblich. So kann es in einer milden Saison so gut wie keine Todesfälle geben, in einer starken Saison dagegen 30.000. In der Regel sind Ältere stärker betroffen als Jüngere. Das ist beim Schweingrippevirus jedoch umgekehrt.
iwi/news.de/dpa