Von news.de-Redakteur Jan Grundmann
Explodieren auch in Deutschland Bomben? Die koptischen Christen sorgen sich um ihr Weihnachtsfest am 6. Januar. Ihr deutscher Bischof Anba Damian erklärt news.de, weshalb Kopten keine Angst haben. Und warum sie die ältesten Christen der Welt sind.
Bischof Anba Damian, Sie sind oberster Kopte in Deutschland. Nach dem Anschlag auf koptische Christen in Ägypten, dem Heimatland dieser orthodoxen Kirche, wurde im Netz auch Terror gegen deutsche Kopten angekündigt. Haben Sie Angst?
Bischof Damian: Wir Kopten haben keine Angst vor dem Tod. Wir sind eine Märtyrer-Kirche. Unsere Vorväter sind Märtyrer; ihr Blut, ihr Tod hat viele Menschen zum Glauben gebracht. Verfolgung und Diskriminierung haben die Kopten im Laufe der Geschichte stärker gemacht, sie sind das Bindeglied zwischen den Gläubigen weltweit.
Wie groß sind denn dann Ihre Befürchtungen, dass die koptischen Christen in Deutschland Opfer eines Anschlags zum orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar werden könnten?
Bischof Damian: Dass jetzt eine Gefahr besteht, ist keine Frage. Damit muss man sich abfinden. Doch bisher haben wir uns in Deutschland sicher gefühlt. Wir haben Herzlichkeit und Respekt verspürt. Unser Kloster war Anlaufpunkt auch für Muslime, die mit uns die islamische Sprache sprechen möchten, Unterstützung und Hilfe suchen und finden.
Die deutschen Kopten als Vermittler zwischen Orient und Okzident?
Bischof Damian: Wir sind Vermittler und Botschafter des Friedens. Rund die Hälfte der 6000 Mitglieder in Deutschland sind hier geboren - und werden meist durch Eheschließung zu Kopten.
Wie haben Sie auf die Anschlagspläne reagiert?
Bischof Damian: Wir haben durch die Polizei von den E-Mails erfahren, die in arabischer Sprache verfasst sind und drohen, unseren Weihnachts-Gottesdienst in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar zu überfallen. Am Silvesterabend habe ich eine E-Mail mit folgendem Inhalt an Innenminister Thomas de Maizière geschrieben: «Wir sind zwar im Schutz des Allerhöchsten, jedoch fand ich es wichtig und verantwortungsvoll, Eure Exzellenz in Kenntnis zu setzen in Vollvertrauen auf Eure Weisheit und Handlungsfähigkeit.»
Haben Sie danach noch ruhig den Jahreswechsel feiern können?
Bischof Damian: Ich war zu verschiedenen Feiern eingeladen, aber mein Herz wollte da nicht mitmachen. Ich bin in den Wald gegangen, es lag sehr viel Schnee, ich habe allein zu Gott gebetet und bin anschließend ins Bett gegangen. Seit dem Neujahrsmorgen steht das Telefon nicht mehr still.
Gibt es jetzt Änderungen bei den Weihnachtsfeierlichkeiten?
Bischof Damian: Eigentlich gehört das sogenannte Agapemahl nach der Liturgie zur Weihnachtsfeier. Doch diesmal werden die Feierlichkeiten auf den Gottesdienst beschränkt. Natürlich wegen der Anschlagsdrohungen, damit die Menschen früher nach Hause kommen können - aber auch, weil es im zweiten Jahr in Folge zu Anschlägen auf ägyptische Christen gekommen ist. Die Wunde in unserem Herzen ist nicht verheilt.
Worin unterscheidet sich denn die koptische von der römisch-katholischen Kirche?
Bischof Damian: Hauptunterschied ist das Primat des heiligen Vaters. Wenn die Kopten den römischen Papst als Oberhaupt ihrer Kirche anerkennen würden, wären wir uns sofort einig. Zudem ist die koptische die älteste Kirche der Erde: Ägypten hat die heilige Familie aufgenommen, Jesus hat den Altar bei Assiut geweiht, damit hat sich eine Vorhersage aus der Bibel erfüllt. Zudem kam der Evangelist Markus und hat 41 nach Christus die erste koptische Kirche der Welt in Alexandria gegründet.
iwi/ivb/news.de
Wo findet denn im Rheinland am 6. Januar ein koptischer Gottesdienst statt? Da ist dann doch Gelegenheit, mit ihnen zu beten und zugleich Solidarität zu bekunden. W.M.
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