Experten raten zur Besonnenheit: Das H1N1-Virus sei nicht gefährlicher als andere Erreger. Nachdem zwei Menschen an einer Infektion durch das Virus gestorben sind, heißt es, die Schweinegrippe sei zurück. Davor schütze aber die normale Grippe-Impfung.
Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg versucht, den Menschen die neue Angst vor dem Schweinegrippe-Virus zu nehmen. Die Deutschen müssten sich darauf einrichten, dass das Virus H1N1 künftig immer wieder zur Grippesaison auftauche: «So etwas verschwindet nicht wieder einfach so», sagte Meyer der Frankfurter Rundschau.
Der Viren-Fachmann verwies darauf, dass in dem aktuellen Grippe-Impfstoff das H1N1-Virus bereits berücksichtigt sei. Der jährlich neu angemischte Impf-Cocktail sei 2010 auf Empfehlung der Weltgesundheitsbehörde (WHO) entsprechend verändert worden. Wer im Herbst bereits die Standard-Impfung beim Arzt mitgemacht habe, sei gut vorbereitet. Die Todesfälle in Niedersachsen sind nach Expertenangaben nicht die ersten der aktuellen Grippesaison in Deutschland. Wie viele Tote es insgesamt gibt, ist aber nicht bekannt, da die Schweinegrippe nicht mehr meldepflichtig ist.
Keine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen
Am Montag war bekannt geworden, dass in Niedersachsen ein dreijähriges Mädchen an dem Virus gestorben war. Das Kind erlag nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums im Göttinger Uniklinikum der Erkrankung. Auch ein 51-jähriger, der am Montagmorgen in der Göttinger Klinik starb, hatte sich mit dem Virus infiziert. Ob die Schweinegrippe bei ihm die Todesursache war, lasse sich jedoch nicht genau bestimmen, sagte der Infektologe an der Uniklinik Göttingen, Helmut Eiffert. Der Mann habe schwere chronische Vorerkrankungen gehabt.
Das Mädchen starb dagegen nach den Angaben der Mediziner am 28. Dezember eindeutig an der Viruserkrankung. Vorerkrankungen seien bei der Dreijährigen nicht festgestellt worden. Auch die Geschwister des Mädchens hätten sich mit der Schweinegrippe infiziert, sagte Eiffert. Bei ihnen war die Infektion aber nicht so schwer, so dass sie aus der Klinik entlassen werden konnten. Zwischen den beiden Todesfällen in der Uniklinik gebe es keine Verbindung, sagte ein Sprecher der Stadt Göttingen.
Die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan sprach von zwei tragischen Einzelfällen. «Es gibt keinen Anlass zur Panik», sagte sie am Montag in Hannover. Zwar dürfe man die saisonale Grippe nicht unterschätzen. «Aber gleichzeitig darf man auch eine Pandemie nicht überschätzen.
Gemeinsam mit dem Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, rief die Ministerin zur Schutzimpfung gegen die Influenza-Viren auf. Vor allem ältere Menschen, Schwangere oder chronisch Kranke sollten sich impfen lassen.
iwi/cvd/news.de/dpa