Sa., 26.05.12

Digitale Opfer 29.12.2010 Die Top 10 des Aussterbens

Von Gregor Tholl

Computer und Smartphones sind nicht erst seit gestern auf dem Vormarsch. Doch 2010 haben die technischen Alphatiere Althergebrachtes noch weiter abgedrängt. Welche Dinge vom Aussterben bedroht sind - news.de zeigt sie Ihnen.

In diesem Jahr sinnierten viele über neue technische Geräte wie Tablets und E-Reader, die vielleicht bald Zeitungen und Bücher ersetzen könnten. Mancher vergisst, dass die Revolution bereits voll im Gange ist. Im digitalen Zeitalter wird vieles schnell unmodern. Zehn Dinge, die nicht erst seit 2010 untergehen, mit denen es aber weiter bergab ging:

1. Handschriftliche Briefe: Na, leiden Sie auch unter Nostalgie beziehungsweise «Netzlos-talgie»? In Zeiten des Internets liegt kaum noch persönliche Post im Briefkasten - fast nur noch Rechnungen und Werbebroschüren. Selbst die Liebe wird oft nur noch in SMS und E- Mails bekundet. Menschen des 19. Jahrhunderts würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, dass ihr geliebter seitenlanger Brief im 21. Jahrhundert vom Aussterben bedroht ist.

2. Postkarten: Früher war es Pflicht, aus dem Urlaub eine kitschige Ansichtskarte zu schicken. «Viele Grüße aus...», «Das Wetter ist schön und wir unternehmen viel» - belanglose Zeilen dieser Art vermisst wohl niemand. Allerdings gibt es kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn ein lieber Mensch ihm eine Karte schreibt, statt nur mit einer Handy-Nachricht oder via Facebook über eine Reise zu berichten.

3. Papierfotos: Die vergilbten Kinderfotos aus den 1960er und 1970er Jahren, die Urlaubsfotos aus den 1980ern (oder gar die Dias) - früher konnte man Erinnerung in den Händen halten und betrachten. Etwa seit Mitte der Nullerjahre sind viele Reisen und private Ereignisse nur noch auf Chipkarten und in Computern gespeichert. Wehe den Babys, die 2010 geboren wurden - ist ihre Kindheit nach einem PC-Absturz komplett ausgelöscht?

4. Lexika und Wöterbücher: Wissen hatte früher ein paar hundert Seiten und passte zwischen zwei Buchdeckel. Die Vokabeln und das Allgemeinwissen gingen von A bis Z. Nur manchmal wünscht man sich diese niedliche Welt zurück. Sonst ist es wunderbar, stets aktualisiertes Wissen im Web zu finden und zum Beispiel das französische Wort für «Pulverschnee» nicht minutenlang erblättern zu müssen, sondern schnell getippt abzufragen.

5. Die CD: Am schlimmsten waren in den 1990ern diese unförmigen CD- Ständer, die Platz wegnahmen und suggerierten, ein cooler Staubfänger zu sein, jedoch einfach nur ein Staubfänger waren. In Zeiten von iTunes und MP3 kaufen immer weniger Menschen materielle Tonträger. Die Musik ist flüchtiger geworden und nimmt auch keinen Platz mehr weg in den Wohnungen. Ausgenommen vom Trend zur leeren Wohnung: Schallplatten-Fans...

6. 2D-Filme: Wenn die Kinowirtschaft nicht mehr weiterweiß, dann greift sie zu 3D. In den 1950ern und 1960ern gab es eine 3D-Welle, um die Leute weg vom Farbfernseher zu Hause in die Lichtspielhäuser zu locken, in den 1980ern waren dann Videorekorder der Grund. Zurzeit geht es darum, die Menschen weg von den Raubkopien und Computerspielen ins Kino zu bewegen. Diesmal scheint sich der Trend zu verstetigen. Doch schlechte Storys sind auch in 3D nicht gut.

7. Festnetztelefonate: Immer mehr Menschen schaffen ihr Festnetztelefon ab, weil sie es neben dem Mobiltelefon zu teuer finden oder sowieso kaum daheim sind. Mancher fühlt sich von einem Anruf zu Hause mehr gestört als vom Handy, das zwar in der Tasche ein weit größerer Eingriff in die Privatsphäre ist, aber notfalls auch lautlos gestellt oder ausgeschaltet sein kann. Ein lautes Festnetztelefon in der Wohnung schreckt oft mehr auf.

8. Diskussionen: Früher gab es ausgiebige Debatten unter Freunden. Wie hieß nochmal der Laden in Paris mit den tollen Cocktails? Heute wird jedes aufkommende Gespräch weggegoogelt. Irgendjemand ist immer da, der sein Handy zückt und im Internet nachschaut. Keine Fachsimpeleien mehr, sondern mehr oder weniger gesicherte Fakten von Wikipedia. Alles wird geklärt, bevor die Unterhaltung anregend wird. Manchmal sitzen Menschen zusammen und starren lieber aufs Smartphone als Smalltalk zu betreiben. Die virtuelle Realität besiegt das echte Gegenüber.

9. Wecker: Wo früher der Wecker stand, liegt heutzutage das Handy mit Weckfunktion. Ein eigenes Gerät braucht man für den Start in den Tag nicht mehr. Aus dem Tiefschlaf lässt man sich moderner reißen. Besser wird der unangenehme Vorgang dadurch aber nicht.

10. Echte Freunde: Das Wort «Freund» hat im Zeitalter sozialer Netzwerke eine schwächere Bedeutung bekommen. Freundschaft ist, wenn man Kontakt miteinander aufnimmt. Ich klicke dich an, du klickst mich an. Kann man mehr als 150 Bekannte haben? Kritiker werfen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (neben datenschutzrechtlichen Problemen) vor, seine «süchtigen» etwa 500 Millionen Nutzer in der Welt eines unbekümmerten Harvard-Studenten gefangen zu halten. Ist das wirklich so? Jedenfalls sprechen die Angewohnheiten vieler Nutzer dafür: Sie laden möglichst nur «coole» Interessen und Bilder hoch, machen eindeutige Beziehungsangaben und wenig komplexe Statusangaben und pflegen vor allem die Unsitte, jeden einmal Gesehenen zum «Freund» zu verklären.

zij/news.de/dpa
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