Mit vollem Tank, Decke und Proviant sollten sich Autofahrer auf den Weg zum Weihnachtsbaum machen, rät der ADAC. Die Züge sind rappelvoll, die Bahn spricht vom «Großkampftag». Als Entschädigung erwartet uns eine weiße Weihnacht.
Der weihnachtliche Reiseverkehr ist heftig ins Rutschen gekommen. Vor allem im Norden und Osten beeinträchtigten Eisregen und Glätte das Autofahren, berichtet die Polizei. Eine bis zu zwei Zentimeter dicke Eisschicht habe sich auf den Straßen gebildet, heißt es in Niedersachsen, auf den Autobahnen stellen sich immer wieder Lastwagen quer, Autos rutschten von vereisten Fahrbahnen.
Aber auch die Bahn ist betroffen. Der ICE in Richtung Kopenhagen verkehrt bis zum Nachmittag nicht, zwischen Oldenburg und Puttgarden wurde der Zugverkehr am Vormittag ersatzlos eingestellt.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab Unwetterwarnungen für Teile von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Thüringen heraus. Südlich einer gedachten Linie von Düsseldorf über Erfurt bis nach Dresden sinke hingegen die Gefahr merklich.
Wer nicht fahren muss, sollte das Auto stehen lassen
Auf der Autobahn 1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation seit dem Vormittag zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten. «Die Autobahn vereist zunehmend. Die Leute sollten zu Hause bleiben oder vorsichtiger fahren», warnte eine Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg.
In Niedersachsen wurden Autobahnabschnitte für den Lkw-Verkehr gesperrt. Die Polizei forderte den Schwerlastverkehr auf, die Fahrt sofort zu unterbrechen und den nächsten Parkplatz anzufahren oder den Standstreifen als Parkplatz zu nutzen. Betroffen seien vor allem die Autobahnen 2 Hannover-Magdeburg und 39 Salzgitter-Wolfsburg, teilte die Polizeidirektion Braunschweig mit. «Die Straßen sind spiegelglatt, es gibt Unfälle ohne Ende - zum Glück bisher ohne Verletzte», sagte ein Sprecher.
Blitzeis legte am frühen Morgen auch die Autobahn 24 Berlin-Hamburg vollständig lahm. Sie musste nach mehreren Unfällen bei Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) zeitweilig gesperrt werden.
Der ADAC informiert hier ausführlich über die Verkehrslage auf den Autobahnen und Bundesstraßen.
Der ADAC erwartete für heute, einen der Hauptreisetage zum Fest, «Chaos und mittlere Katastrophen». Autofahrern werde geraten, stets mit vollem Tank sowie Decken und einer Notreserve an Getränken auf Tour zu gehen.
Im Süden jedoch ist es aufgrund der höheren Temperaturen höchstens nass. Praktisch in ganz West-, Mittel- und Süddeutschland hieß es: Tauwetter, Regen und höchstens örtlich Probleme mit Glätte.
Informationen für alle, die noch in Bahn oder Flugzeug den Weg zum Weihnachtsbaum antreten müssen, haben wir hier für Sie zusammengetragen.
Im Zug nur noch Stehplätze
Die Bahn ächzt im Weihnachtsverkehr unter dem Ansturm von Reisenden. Viele Fahrgäste können in den Zügen derzeit nur noch einen Stehplatz ergattern. «Die Züge sind sehr, sehr voll und viele sind ausgebucht», sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Die Bahn empfahl Reisenden, die keine Reservierung haben, erst Heiligabend zu fahren - je später, desto besser. Zu den Abendstunden hin würden die Züge leerer. «Heute ist Großkampftag», sagt eine Bahn-Sprecherin.
Wer seine Fahrkarte zurückgeben will, erhält auch nach Weihnachten noch sein Geld zurück. Die Bahn hat ihre Kulanzregelung, die wegen der winterbedingten Zugausfälle getroffen wurde, bis zum 29. Dezember verlängert.
Die Bahn spricht von einem weitgehend stabilen Zugverkehr. Dennoch gibt es viele Verspätungen und auch Ausfälle. Die ICE-Züge dürfen weiter höchstens auf Tempo 200 beschleunigen, um Schäden durch aufgewirbelte Eisbrocken zu vermeiden.
Normalbetrieb am Frankfurter Flughafen
Entspannt hat sich hingegen die Situation am Frankfurter Flughafen. «Bei uns läuft alles rund», sagte der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, Thomas Uber. Am Morgen seien an Deutschlands größtem Airport zwar noch 40 Flüge annulliert worden. Dies sei jedoch auf die anhaltenden Störungen an anderen Flughäfen wie London und Paris zurückzuführen. Für den Rest des Tages werde nicht mit weiteren Ausfällen gerechnet.
Auch der Rückstau auf dem Flughafen wartender Reisender sei praktisch abgebaut. Die Nacht hatten noch rund 100 Passagiere auf dem Flughafen verbracht, wie der Sprecher berichtete. Die Feldbetten bleiben aber vorerst stehen. Seit dem Wochenende mussten tausende Passagiere am größten deutschen Luftdrehkreuz ausharren, weil ihre Flüge im Schneechaos ausfielen.
Weiße Weihnacht im ganzen Land
Deutschland darf sich über weiße Weihnacht und Ausflugswetter freuen. Im Norden und Osten kann die Bescherung aber auch weniger schön ausfallen, berichtet der DWD. Tief «Scarlett» bringt Heiligabend neben Schnee kräftigen Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann.
Auf einem Streifen von der Ostsee bis ins Rheinland können vereinzelt über 20 Zentimeter der weißen Pracht fallen. Im Süden und Südwesten regnet es am Freitag zunächst. Doch am Nachmittag gehen auch dort die Niederschläge allmählich in Schnee über. An den Weihnachtsfeiertagen beruhigt sich das Wetter. Es bleibt überall frostig kalt. Die Höchstwerte liegen zwischen minus acht und minus drei Grad, vereinzelt wird es noch kälter.
cvd/iwi/reu/news.de/dpa
Die s.g. Kulanzregelung der DB entpuppt sich als weniger kundenfreundlich als gedacht. Wenn man z.B. am Tag der geplanten Fahrt entscheidet nicht zu fahren, muss man nach wie vor 15€ Bearbeitungsgebühr zahlen wie sonst auch. Vor dem 1. Geltungstag kann man zumindest Fahrtkarten ohne Zugbindung sowieso immer kostenfrei stornieren. Also nur PR vom Feinsten.
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