Sa., 26.05.12

Studieren in Deutschland 13.12.2010 Weihnachten bei den Knollis

Aziz und Friederike (Foto)
Der Syrer Aziz Bachouri studiert in Deutschland. Weihnachten feiert er in der Familie seiner Freundin Friederike. Bild: news.de/Bachouri

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff, Leipzig

Wie feiern eigentlich ausländische Studenten Weihnachten in Deutschland, fernab von Heimat und Familie? Aziz Bachouri, syrischer Student an der Uni Leipzig, ist Moslem und genießt trotzdem das Weihnachtsfest.

Abdulazis Bachouri, kurz Aziz, verbringt Weihnachten im Kreis der Familie - nur nicht in seiner eigenen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Aziz kommt aus Syrien, seine muslimische Familie zelebriert Christi Geburt also nicht. Aziz jedoch feiert fremd - in der Familie seiner deutschen Freundin Friederike Knoll. «Weihnachten ist sehr schön in Deutschland», schwärmt er. «Mit der Familie zusammen sein, die Herzlichkeit, die Liebe, das ist wirklich schön.»

Sein erstes Weihnachtsfest in Deutschland hat Aziz noch ganz allein verbracht - in seiner Dresdner Wohnung vor dem Fernseher. Erstaunlich war für ihn vor allem die plötzliche Stadtflucht seiner deutschen Kommilitonen - kaum einer blieb über die Feiertage in Dresden. «Spätestens am 23. Dezember sind alle weg. Nur ich nicht», hat er damals festgestellt - ein komisches Gefühl.

Seit er vor drei Jahren das erste Mal mit Familie Knoll feiern durfte, freut er sich sehr auf Weihnachten. «Die Familie meiner Freundin hat mich von Anfang an aufgenommen, als gehörte ich schon immer dazu. Das ist meine zweite Familie geworden», beschreibt Aziz sein Gefühl gegenüber Friederikes Eltern und Großeltern.

Kartoffelsalat und Geflügelwurst

«Die Mutter meiner Freundin macht zu Weihnachten den Kartoffelsalat extra mit Geflügelwurst, weil ich kein Schwein esse. Mir wird viel Respekt entgegengebracht, ich wurde in die Familie aufgenommen, darf mit ihr Weihnachten feiern», schwärmt Aziz. «Und deshalb kann ich auch nichts anderes haben als Respekt vor diesen Menschen, die mich so aufgenommen haben. Ich mag die wirklich von Herzen.»

Seit sechs Jahren ist der Syrer in Deutschland. Erst machte er den obligatorischen Deutschkurs, dann begann er in Dresden ein Medizinstudium, das er irgendwann völlig überfordert abbrechen musste. Die Mischung aus der für ihn fremden deutschen Sprache und medizinischen Fachbegriffen war schlicht zu viel für ihn. Die Lösung bot ihm Leipzig: Hier begann Aziz kurz darauf ein Studium in Arabistik und DaFkurz für «Deutsch als Fremdsprache». In diesem Studiengang werden Deutschlehrer ausgebildet, die sich Menschen in oder aus anderen Ländern richten. . «Zu dieser Zeit hab ich schon Arabisch unterrichtet, in einem Dresdner Institut. Da hab ich gemerkt, dass das besser zu mir passt als Medizin», erzählt Aziz.

Zweite Heimat, zweite Familie

In Leipzig fühlte er sich sofort wohl, er ist angekommen in seiner zweiten Heimat Deutschland. Aber auch Dresden bleibt wichtig für ihn, denn dort wohnt seine Freundin Friederike. Die «Knollis», wie Aziz die Familie nennt, kommen aus der sächsischen Hauptstadt. An Heiligabend gehen alle zusammen in den Gottesdienst in der Apostelkirche im Stadtteil Trachau. Vor drei Jahren besuchte Aziz so erstmals in seinem Leben einen christlichen Gottesdienst. «Ich hab mich dort entschieden, die Lieder nicht mitzusingen. Aber das war trotzdem ein Highlight und inzwischen kenne ich sogar den Pfarrer», erzählt er lachend.

Aziz ist nicht außergewöhnlich religiös, trotzdem bezeichnet er sich als gläubigen Moslem. Er legt aber Wert darauf, dass der Islam eine tolerante Religion ist und keineswegs dem negativen Vorurteil entspricht. «Es gibt Menschen, die sich Osama bin Laden anschauen, seinen Bart sehen, und sagen ‹So sind alle Muslime, die bringen sich alle um, um im Paradies die vierzig Jungfrauen zu bekommen›», sagt Aziz. Dabei sei der Islam sehr tolerant und vor allem: friedlich.

Der erste Schnee

Aziz hat in seiner Heimat sogar einen christlichen Kindergarten besucht - weil dieser seinem Elternhaus am nächsten lag. Familie Bachouri kommt aus Hama, einem kleinen Ort in der Nähe von Damaskus. Dort leben seine beiden Brüder, seine Schwester und seine Eltern noch immer. Im christlichen Kindergarten in Hama hat Aziz schon als kleiner Junge Weihnachten gefeiert, allerdings ganz anders als in Deutschland. Der Baba Noelarabisch für Weihnachtsmann kommt erst am sechsten Januar, dem Dreikönigstag. Auch weiße Weihnachten gibt es in Syrien nicht.

In seinem ganzen Leben hat es in Hama nur ein einziges Mal geschneit - doch der Schnee blieb nur als nasser Matsch auf parkenden Autos liegen. Die Schneeballschlacht des kleinen Aziz mit seinen Freunden wurde schnell zur Wasserschlacht. Sein erster deutscher Winter war das genaue Gegenteil. «Hier fiel auf einmal sehr viel Schnee. Damals hab ich drei Pullover übereinander getragen und mir war noch immer kalt», erinnert sich der Student. «Aber der Schnee, das war schon geil. Ich hab dann mit deutschen Freunden im Schnee gespielt.»

An Weihnachten bei den Knollis gibt es neben dem Kirchgang noch weitere klassische Bräuche, typisch ist das traditionelle Essen: Heiligabend Kartoffelsalat, Weihnachten gibt es Ente. «Oder ich wünsche mir Gulasch mit Knödeln und Rotkraut», erzählt Aziz, das koche Friederikes «Mutti» besonders gut. Falls er jemals wieder nach Syrien geht, hofft er, dass er jedes Jahr an Weihnachten zurückkehren kann - in den Schoß der Familie Knoll.

rzf/ivb/news.de
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