Sa., 26.05.12

Pisa-Studie 07.12.2010 Deutschlands Schüler werden schlauer

Pisa-Studie (Foto)
Heute werden die Ergebnisse der neuen weltweiten Pisa-Studie vorgestellt. Getestet wurden fast eine halbe Million 15-jährige Schüler. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff

Der Pisa-Schock bleibt dieses Jahr aus: Deutschland hat sich insgesamt im Vergleich zur ersten Studie verbessert. Nur im Lesen bleiben deutsche Schüler Mittelmaß. Deutlich zugelegt haben allerdings Hauptschüler und Migranten.

Am deutlichsten ist die Verbesserung der deutschen Schüler im Bereich der Mathematik. Um neun Punkte ging es auf 513 Wertungspunkte hinauf. Der Durchschnitt aller an den Pisa-Tests teilnehmenden Länder liegt bei 490 bis 500 Punkten. Damit liegt Deutschland in Mathematik erstmals deutlich über dem Durchschnitt.

Auch in den Naturwissenschaften lässt Deutschland mit 520 Punkten das Mittelmaß langsam hinter sich. Allerdings schnitten deutsche Schüler in diesem Bereich schon in der Studie 2006 überdurchschnittlich ab. Seit der ersten Messung im Jahr 2000 ist allerdings ein weiterer Aufwärtstrend zu beobachten. Angesichts der neuen Ergebnisse sprach OECD-Pisa-Experte Andreas Schleicher in einem Interview mit der Zeit von «Riesenfortschritten».

Pisa-Studie
Deutschland braucht eine echte Reform
Video: news.de

Die Fähigkeiten im Lesen bleiben hingegen das größte Problem der deutschen Schüler. Zwar gab es auch hier Verbesserungen, im Vergleich zu den Studien von 2003 und 2006 aber nur gering. Im Leseverständnis bleiben deutsche Schüler damit Durchschnitt. Fortschritte machten allerdings Kinder mit Migrationshintergrund und Hauptschüler. So sagte der Leiter des wissenschaftlichen Konsortiums, Professor Eckhard Klieme, dass die Verbesserungen im Bereich des unteren Leistungsbereichs und bei Migranten ungewöhnlich seien. «Der Leistungsstand der deutschen Schüler hat sich überraschend deutlich verbessert», betont Klieme.

Schweiz hui, Österreich pfui

Auch die Schweiz konnte sich in allen Fachbereichen verbessern und ist insgesamt deutlich überdurchschnittlich. Mit 534 Punkten erreichen die Eidgenossen einen Spitzenplatz, direkt hinter dem europäischen Klassenbesten Finnland. Auch in Lesen und Naturwissenschaften konnten die Schweizer sich verbessern, bleiben bei letzteren aber einen Platz hinter Deutschland.

Österreichs Bildungssystem schmiert derweil völlig ab. In allen Bereichen hat sich das Alpenland verschlechtert, nur in Mathematik bleibt es Durchschnitt. In Lesen belegen die österreichischen Schüler mit nur 470 Punkten den viertletzten Platz.

Absolute Sieger der neuesten Pisa-Studie sind asiatische Länder, allen voran China und Südkorea. Schüler aus Shangai führen alle drei Bereiche deutlich an, in Mathematik konnten die Chinesen erstmals die 600er Marke knacken. Das beste europäische Bildungssystem gibt es in Finnland, das vor allem in Naturwissenschaften punktet.

Aufstieg in die erste Liga

«Deutschland ist aufgestiegen von der zweiten in die erste Liga, aber von der Champions League ist Deutschland noch weit entfernt. Auf der Reservebank sitzen noch zu viele Talente», sagte Heino von Meyer, Leiter des OECD-Zentrum Berlin. Von Meyer blieb auch beim Bild des Fußballs, wenn er meint: «Wir brauchen Özils nicht nur beim Fußball, wir müssen auch zusehen, dass wir die Özils in den Schulen und den Klassen fördern.»

Ausschlaggebender Punkt für die deutliche Verbesserung ist die demographische Entwicklung Deutschlands: Schülerzahlen nehmen vor allem in ostdeutschen Bundesländern ab, während die finanziellen Budgets gleich bleiben. So steigen die Pro-Kopf-Ausgaben für die Schüler. Bildungsministerin Annette Schavan führt Erfolge auf diese Entwicklung zurück. «Wir haben eine deutliche Reduzierung der Schulabbrecher und der Sitzenbleiber und wir haben deutlich kleinere Klassen, vor allem an den Grundschulen», stellte sie fest. Deutschland sei dem Ziel der «Bildungsrepublik» ein gutes Stück näher gekommen.

Trotzdem gibt es weiterhin signifikante Unterschiede in der Bildung von Mädchen und Jungen. Ein internationales Problem: In allen OECD-Ländern schneiden die Jungen schlechter ab. In Deutschland beträgt der Unterschied 40 Punkte, umgerechnet sind die Mädchen damit im Alter von 15 Jahren den gleichaltrigen Jungen fast ein Schuljahr voraus. «Deutschland hat ein größeres Jungenproblem als ein Migrantenproblem», ist Heino von Meyer überzeugt.

Vorbild Finnland

Die Experten sind sich allerdings einig, dass die Erfolge deutscher Schüler nicht ausreichen. Die Spitzengruppe der Schüler konnte sich den Ergebnissen zufolge überhaupt nicht verbessern. Das wichtigste Kapital eines rohstoffarmen Landes ist die Bildung. Nur durchschnittlich abzuschneiden, genügt nicht. «Man muss versuchen, die besten Köpfe für die Schulen zu gewinnen. Länder wie Finnland machen das recht erfolgreich vor», sagte Andreas Schleicher der Frankfurter Rundschau.

Seit dem Jahr 2000 werden alle drei Jahre Schüler auf ihre Lese-, Mathematik- und naturwissenschaftlichen Kenntnisse getestet. Die erste Studie führte zum deutschen «Pisa-Schock» - das Land reagierte panisch, jedoch wenig konstruktiv. Seither gab es an deutschen Schulen eine Reihe von Verbesserungen. So wurden bundesweite «Bildungsstandards» eingeführt und in vielen Bundesländern die Förderstunden ausgebaut.

Das größte Problem im deutschen Bildungssystem bleibt jedoch trotz der aktuellen Erfolge die Förderung schwächerer Schüler und Migranten. Das System ist wenig durchlässig, wer einmal auf der Hauptschule landet, hat kaum Möglichkeiten, Richtung Gymnasium aufzusteigen. Schleicher fordert seit Jahren eine Abschaffung der frühen Aufteilung deutscher Schüler in Haupt-, Real- und Gymnasialschüler.

Noch Hausaufgaben zu erledigen

Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle sprach angesichts der Ergebnisse der Süddeutschen Zeitung gegenüber von einem «sehr positiven Signal». «Deutschland hat seine Aufgaben gemacht, Bildung genießt Priorität. Es gibt aber weiterhin Hausaufgaben», sagte Spaenle, der auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz ist. So müsse sich weiterhin intensiv um die Gruppe der Migranten gekümmert werden, um das Potenzial dieser Gruppe voll nutzen zu können.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dämpfte die Euphorie. «Deutschland ist bei der Lesekompetenz im internationalen Vergleich gerade mal Mittelmaß. Von <Priorität für Bildung> kann keine Rede sein», sagte die stellvertretende Vorsitzende der GEW Marianne Demmer. Der Vorsitzende Ulrich Thöne sprach davon, dass das deutsche Bildungssystem «völlig unterfinanziert» sei. «Schon jetzt haben wir zu wenige Lehrkräfte und steuern weiter in einen dramatischen Lehrermangel hinein. Wir müssen jetzt konsequent umsteuern, sonst werden alle Bemühungen zunichte gemacht», sagte Thöne.

ham/ivb/news.de
Leserkommentare (9) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 9
  • 10.12.2010 12:00
 

Wieder einmal so eine Lobhudelei für die Politik deutscher Beliebigkeit. 16 Kultusbürokratien fehlt jeder Ehrgeiz. Auch den Deutschen. Offensichtlich hat die Politik den Überblick verloren. Schulversuche sind Aktionismus, der meistens darin besteht, die Standards zu verringern, so dass der bildungsunfähige und –unwillige Dussel auch noch einen Abschluss hin bekommt. Trennt die Spreu vom Weizen. Fördert die Besten und fordert die Minderleister zur Konkurrenz heraus. Drillt Letztere in kleinen Klassen, auch samstags. Nur so kann die Bildung in Deutschland wieder zum Maßstab für die Welt werden.

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  • Herbert Exner
  • Kommentar 8
  • 07.12.2010 18:10
 

Leider werden für die neue Pisa-Studie die Ergebnisse nur pauschal genannt. Es wäre jetzt wieder eine gute Gelegenheit die Effizienz der Schulsysteme zu vergleichen. Also Gymnasium gegenüber IGS, Ganztagsschule zu Halbtagsschule, Berlin zu Bremen, Bayern zu Niedersachsen, Hessen zu NRW. Da Pisa international durchgeführt wird, können GEW und Rotgrün die Aktion nicht verhindern sondern nur um-interpretieren. Intelligente Schüler mit breiter Allegemeinbildung sind für Ideologie-Parteien als Wähler verloren.

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  • Max Grummlich
  • Kommentar 7
  • 07.12.2010 15:12
 

Wenn die Studie schlechter und noch dümmer wird, als sie es war, und außerdem die Lehrer nachlässiger und dümmer werden, dann erscheinen auch unsere Schüler schlauer, wie wunderbar. Das trifft sogar dann zu, wenn sie für 3 x 3 = 10 errechnen. Max

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  • Grimm
  • Kommentar 6
  • 07.12.2010 14:40
 

Unsere Schüler würden auch besser lesen wenn man sie mit 5 Jahren lesen lassen würde. Und in Mathe wären sie auch schneller, wenn sie gleich richtig mal und geteilt lernen würden und nicht den halbschriftlichen Baby-Quatsch. Die Schüler selbst finden diese Technik viel zu langsam und fragen sich oft, für wie blöd halten uns die Lehrer bzw. das Schulreferat eigentlich. P.S.Übrigens ist es unmöglich andere Länder miteinander zu vergleichen, da nicht jeder den gleichen Schulalltag hat. Sie schaffen es noch nicht mal in Deutschland einen einheitlichen Schulplan einzurichten. Schülercoach

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  • Einstein
  • Kommentar 5
  • 07.12.2010 14:01
 

"Haptschüler" ?? Soviel zum Thema ;-)

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  • steuerfuzzi
  • Kommentar 4
  • 07.12.2010 13:32
 

was machen unsere lehrer? die sind doch vom beamtentum versaut. kaum verbeamtet sind sie"ausgebrannt". fortbildung in der schulzeit. halbtagsjob, stundenkürzung für die schulgartenschlüsselverwaltung etc.(gut nicht für deutschlehrer, aber welcher mathe-, sport-, physik-, lateinlehrer etc. bereitet sich hier nach einigen "dienst"jahren noch vor?) ergo: kündbare anstellungsverträge wie kreti und pleti auch, befristet und leistungsbewertung. 8-std-arbeitstage, übliche mittagspause, urlaub nach normal-regelung, restferien für fortbildung oder vorbereitung...das würde spreu vom weizen trennen.

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  • steuerfuzzi
  • Kommentar 3
  • 07.12.2010 13:19
 

mein gott.. das ist doch alter kaffee. ich hab meine kinder nach oxford geschickt, auch damit sie sehen wie junge leute aus anderen ländern rackern (wo ganze familien für die ausbildungskosten zusammenlegen). klar das kostet was. "aber was nichts kostet ist nichts wert". schaut euch doch die null-bock-leute hier an. ich möchte wissen wie die eltern ihre kinder fördern würden, wenn bildung was kosten würde. in oxford kaufen sie die besten lehrer weltweit ein, da gibt es unter den lehrern wettbewerb und ein weltweites klassenleistungs-ranking.

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  • oliver
  • Kommentar 2
  • 07.12.2010 13:00
 

Das ist so wie beim TUV. Man schreibt per Gesetz eine Drehzahl vor, bei der getestet werden soll und die Hersteller optimieren alles auf diese Drehzahl. Wie würden die Schüler denn bei anderen Arten Tests abschneiden? Was kann man aus dem G8-Debakel lernen, wo sollten die Lehrpläne alte Zöpfe abschneiden? Fragen über Fragen. Die Türken sprechen immer noch nur Türkisch miteinander und bleiben unter sich und beschimpfen die Deutschen als Christen. Kaffesatzleserei ist das für mich und die Migranten wären wesentlich besser, wenn man nicht zu viele in den Klassen hätte.

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  • Coon Maus
  • Kommentar 1
  • 07.12.2010 12:38
 

Ach,haben die Lehrer inzwischen was gemerkt?

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