Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Pisa-Studie erwartet Bildungsforscher Klaus Klemm kein gutes Ergebnis für die deutschen Schulen. Deutschland sei in der Bildung noch immer nur Mittelmaß.
Der Bildungsforscher Klaus Klemm dämpft die Erwartungen an die neue Pisa-Studie, die am kommenden Dienstag veröffentlicht wird. Die deutschen Schulen bekämen bei der internationalen Untersuchung sicher «kein Riesenkompliment», sagte Klemm der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. In den vergangenen Jahren sei Deutschland bei dem internationalen Bildungsvergleich Mittelmaß geblieben. Daran werde sich in den nächsten Jahren vermutlich nichts ändern.
Klemm bemängelt das Tempo der Reformen in Deutschland. «Vieles wurde zu zaghaft gemacht», kritisierte der Wissenschaftler. Der Ausbau der Ganztagsschulen zum Beispiel komme nur schleppend voran. Nur knapp ein Viertel der Schüler in Deutschland gehe bislang auf solche Schulen und nur zehn Prozent seien tatsächlich in den Ganztagsbetrieb eingebunden. «Da ist zu wenig passiert», beklagte Klemm. Dabei sei es gerade für Kinder aus sozial schwachen Familien entscheidend, ob sie ab mittags zu Hause seien oder betreut in der Schule.
Zu frühe Aufteilung der Schüler
Außerdem würden Kinder in Deutschland zu früh auf unterschiedliche Schulen aufgeteilt, sagte Klemm. Das verschärfe die soziale Ungleichheit. Deutschland gehöre beim Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft international noch immer zu den Schlusslichtern.
Das schlechte Abschneiden bei der ersten PISA-Untersuchung von 2000 hatte heftige Diskussionen über das deutsche Bildunssystem ausgelöst. Die deutschen Schüler hatten damals deutlich schlechtere Leistungen geliefert als ihre Altersgenossen in den übrigen OECD-Ländern. Heute bezeichnet Klemm das schlechte Ergebnis von 2000 als «heilsam». Er sagte, die Bildung sei dadurch stärker in den Fokus gerückt, und die Politik habe einige Reformen angestoßen. «Vieles von dem, was geschehen ist, kann aber noch nicht wirken», betonte er. Die Stärkung der frühkindlichen Bildung etwa könne sich bei der PISA-Studie erst in einigen Jahren zeigen.