Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
In jeder größeren Stadt gibt es Musikkurse für Kleinkinder: Eltern singen dort mit ihrem Nachwuchs, lassen die Kleinen mit Rasseln und Instrumenten spielen. Doch was bringt Musikunterricht für Babys, die noch nicht einmal laufen können?
«Dooong!» - Anne Holzgräbe schlägt sanft auf den Gong in ihrer Hand, sofort durchdringt der tiefe, glockenartige Klang den Raum. Fünf Augenpaare mustern fasziniert das metallene, runde Instrument. «Das kann solche Töne machen?», scheinen sie zu fragen. Nur, dass sie noch nicht fragen können. Denn die Augen gehören zu Johanna, Matteo, Fritzi, Louis und Cord - im Schnitt zehn Monate alt.
Die fünf Babys sitzen auf den Schößen ihrer Mütter im Kreis, in der Mitte Anne Holzgräbe, die Musiklehrerin. Nun nimmt sie eine Rassel, schlägt sie rhythmisch und stimmt dazu ein Begrüßungslied an, um den Musikunterricht für heute zu eröffnen. «Winke, winke, winke», singt sie.
«Winke guten Tag!» Dabei macht sie auf den Knien die Runde und gibt jedem der Kinder einmal die Rassel in die Hand. Die Mütter kennen das Lied, fallen in den Gesang mit ein. «Guten Tag Matteo», singen sie, als der fast Einjährige die Rassel bestaunt. Matteo kann noch nicht gut rasseln - seine Begeisterung für das Holzinstrument ist trotzdem groß.
Johanna ist mit ihren 14 Monaten schon erheblich weiter. Nicht, dass sie sprechen würde, aber sie kann laufen und auch an der Rassel zeigen sich ihre motorischen Fähigkeiten. Sie ist so berauscht von ihren Rasselkünsten, dass sie das Instrument gar nicht mehr hergeben will. «Da kommt der soziale Aspekt ins Spiel: Die Kleinen lernen natürlich auch zu warten, bis sie an der Reihe sind», erklärt Holzgräbe.
Eine Runde durch den Raum tapsen
Und sie lernen so, dass jedes Kind das gleiche Recht auf die Instrumente hat. Deswegen darf Johanna auch nicht mit der Rassel weglaufen, wie sie es gerade will. Ihre Mutter hält sie fest und nimmt ihr die Rassel sanft ab.
Laufen darf Johanna trotzdem, denn die Kinder zum Stillsitzen zu zwingen, wäre ein falsches Zeichen. Schließlich sollen sie Spaß haben. Und wenn sie zwischendurch tapsend eine Runde durch den Raum drehen oder auf allen Vieren los krabbeln wollen, dann werden sie nicht aufgehalten.
Es geht im Musikunterricht für Babys auch nicht um das korrekte Spielen von bestimmten Instrumenten. «Die Grundidee ist, Musik zurück in den Alltag der Familien zu bringen», sagt die Pädagogin. Die Eltern sollen dabei mindestens genau so viel lernen, wie ihre Kinder. Deshalb übt sie mit den kleinen und großen Kursteilnehmern immer wieder Kinder- und Wiegenlieder, die diese später zu Hause gemeinsam nachträllern können. «Singen ist eigentlich immer gut», findet die Mutter von Louis. «Denn man kann die Kinder nicht immer bespielen. Und dann ist Singen eine gute Beschäftigung, bei der die Babys selber nicht so viel machen müssen.»
Einfach mal raus
«Wir machen das, damit wir nicht zu Hause versauern und ein bisschen Zeit mit anderen kleinen Kindern verbringen können», erklärt die Mutter von der kleinen Fritzi, die mit ihrem Sprößling auch zum Babyschwimmen und PEKiP geht.
Dabei müssen die Eltern immer darauf achten, dass sie ihre Kleinen nicht überfordern. Nach 45 Minuten Musikkurs haben die meisten der Babys das Ende ihrer Aufmerksamkeitsspanne erreicht und beginnen zu quengeln. «Man merkt aber generell, dass Kinder in dem Alter Musik sehr mögen», erzählt die Mutter von Johanna. «Sobald bei uns zu Hause das Radio an ist, stellt sich Johanna hin und wackelt mit dem Po.»
Auch Matteo fängt inzwischen an, sich zur Musik zu bewegen, erzählt seine Mutter. Schon kleine Kinder haben ein Gefühl für Rhythmus, Tempo und Lautstärke der Musik. Daran will Anne Holzgräbe anknüpfen. Das vorhandene Gefühl der Kleinen trainiert sie immer wieder durch Spiele und Lieder, wie den Kniereiter. Dabei verbessert sich auch die Verbindung zur Bezugsperson. Egal ob Mutter, Vater oder Tagesmütter - Gesang und Spiel tut der Beziehung zu den Kleinen gut.
Die Musikpädagogin gibt schon seit sechs Jahren Kurse für Kinder, Kleinkinder und Babys. Ob die letztlich selbst einmal ein Instrument spielen werden, ist dabei gar nicht so wichtig. Das finden auch die Eltern. «Es wäre schön, wenn Matteo mal ein Instrument lernt», sagt seine Mutter. Schließlich habe sie selbst auch mal aktiv Musik gemacht. «Aber wenn er lieber zum Ballett möchte, ist mir das auch Recht!»
sis/ivb/news.de
Ich finde das Thema Kinder und Musik selbst auch sehr interessant. Auf meinem Blog (http://blog.tausendkind.de/2011/07/05/babys-lieben-musik/) habe ich mich auch schon dazu geäußert. Kinder brauchen Musik einfach. Es ist doch etwas einmaliges, wenn das Kind den Gefallen an der Musik findet. Klangspiele oder kleine Musikinstrumente sind meiner Meinung nach eine sehr gute Möglichkeit, um anzusetzen. Jedoch darf ein Kind nie gezwungen werden irgendetwas zu tun, was es nicht möchte. Eltern müssen das Respektieren. Leistungsdruck ist hier genau das Falsche!
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