Sa., 26.05.12

Atom-Protest 21.11.2010 Castor-Gegner lag tot im Bach

Polizeieinsatz bei Castortransport (Foto)
Sowohl Demonstranten als auch Polizisten waren zum Schluss mit ihren Kräften am Ende. Die Beamten waren nach Angaben der Einsatzleitung bis zu 30 Stunden im Einsatz. Bild: ap

Fast zwei Wochen nach den Anti-Atom-Protesten im niedersächsischen Wendland: Spaziergänger haben einen Gegner des Castor-Transports ertrunken in einem Bach bei Neu Darchau gefunden.

Für die Zugehörigkeit des Toten aus dem Mühlenbach bei Neu Darchau (Kreis Lüchow-Dannenberg) zu den Gegnern des Atommülltransports sprächen sein Erscheinungsbild und gefundene Gegenstände, sagte ein Polizeisprecher.

Die Spuren und die Todesursache deuteten darauf hin, dass der Mann beim Wasserlassen ausgerutscht und in den Bach gefallen sei. Dort habe er mindestens eine Woche gelegen. Seine Identität steht nicht fest. Nach massiven Protesten hatte der Castor- Transport am 9. November mit mehr als eintägiger Verspätung am Dienstag das Zwischenlager Gorleben erreicht.

92 Stunden kosteten 25 Millionen

Als sich das Tor hinter dem letzten Schwertransporter schloss, hatte der Atommüll seit seiner Abreise von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague 92 Stunden Fahrt hinter sich. 25 Millionen Euro werden für die Sicherung des Transportes gezahlt werden müssen.

Die Gegner eines Atomendlagers in Gorleben sehen sich nach dem Rekordprotest im Aufwind. «Der Castor-Zug ist in Gorleben eingetroffen, aber die Bundesregierung ist weiter denn je von ihrem Ziel entfernt, Akzeptanz für Atomkraft in Deutschland zu schaffen,» sagte Robin Wood-Vorstand Florian Kubitz. «Die Proteste haben gezeigt, dass die Haltung schmilzt, dass wir nichts bewegen können», sagte Jochen Stay von der Kampagne «ausgestrahlt» in Trebel.

Getarnter Bierlaster

Eine gute Stunde hatte der Konvoi der Schwerlaster gebraucht, um die Strecke zwischen dem Verladebahnhof Dannenberg zum Zwischenlager zu überwinden. Tausende Polizisten sicherten die Strecke. Zuvor hatten die Beamten in der Nacht eine Sitzblockade von mehreren tausend Demonstranten aufgelöst, deren Teilnehmer dort bis zu 44 Stunden ausgeharrt hatten. Vor dem Verladebahnhof Dannenberg verzögerten am Montagabend zwei Greenpeace-Mitglieder die Abfahrt der Tieflader mehr als zwölf Stunden lang. Sie hatten sich in einem als Bierlaster getarnten Lkw an einen Betonblock fixiert. Die Polizei bekam sie erst am frühen Morgen los.

Sowohl Demonstranten als auch Polizisten waren zum Schluss mit ihren Kräften am Ende. Die Beamten waren nach Angaben der Einsatzleitung bis zu 30 Stunden im Einsatz. «Die Polizisten sind bis an die Grenzen ihrer Belastung gekommen», sagte Schünemann. Atomkraftgegner warfen der Polizei vor, angesichts ihrer Überforderung zum Teil härter zugegriffen zu haben als es angemessen gewesen wäre.

Polizei: Strategie aufgegangen

Nach Einschätzung der Polizei ist ihre Sicherheitsstrategie aufgegangen. Erhebliche Schäden am Gleisbett hätten verhindert werden können. Insgesamt wurden 1316 Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gegen 172 Protestierer wurden Strafverfahren eingeleitet, 117 Traktoren wurden beschlagnahmt.

Nach Angaben der Atomkraftgegner gab es auf Seiten der Demonstranten mindestens 950 Verletzte. Vor allem wurde über Augenprobleme durch Pfefferspray geklagt. Bei der Polizei wurden 131 Verletzte gezählt, sie erlitten unter anderem Platzwunden durch Steinwürfe und Flaschen.

Trotz der Rekordproteste gegen den Castor sollen die Transporte nach Gorleben bis 2017 fortgesetzt werden. Schon im kommenden Jahr wird der nächste Konvoi rollen, kündigte Niedersachsen Innenminister Schünemann an.

cvd/news.de/dpa
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