Sa., 26.05.12

Wohnheime 18.11.2010 Die schrägsten Studentenbuden

Olympisches Wohnen (Foto)
Einst beherbergten diese kleinen Häuser weibliche Olympioniken. Jetzt sind es Wohnungen für Münchner Studenten. Bild: news.deJens Masmann/Studentenwerk München

Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff

Versiffte Küchen, dreckige Toiletten auf dem Gang und all das in hässlichen Plattenbauten - Studentenwohnheime haben oft einen zweifelhaften Ruf. Doch es geht auch anders. News.de stellt Deutschlands ungewöhnlichste Studiwohnheime vor.

Türme sind ein beliebtes Gebäude für Studentenwohnheime: In Osnabrück und Nürnberg leben Studenten in ehemaligen Wachtürmen der Stadtmauer, in Köln in einem turmhohen Wohnblock und in Regensburg in einem mittelalterlichen PatrizierturmIm Mittelalter nannten sich bedeutende Adelsfamilien nach römischem Vorbild «Patrizier». Patrizierfamilien zeigten ihren Reichtum gerne durch den Bau von Türmen - je höher der Turm, desto reicher die Familie. .

Ganz besonders ist das Wohnheim in Osnabrück: Der mittelalterliche Wachturm ist so klein, dass nur ein Student Platz darin findet. Auf drei Etagen mit jeweils 19 Quadratmetern Grundfläche befindet sich unten das Bad, in der Mitte ein kleines Schlafzimmer und ganz oben die Wohnküche. Die Rückwand des Badezimmers bildet die Osnabrücker Stadtmauer: Eine Bruchsteinmauer direkt aus dem tiefsten Mittelalter.

Wie im Mittelalter

Auch in Erfurt leben Studenten in einem sanierten Haus aus dem Mittelalter, der Engelsburg. Das Gebäude ist uralt: 1383 wurde das Bauwerk erstmals urkundlich erwähnt, schon 1125 soll an gleicher Stelle ein Hospital gestanden haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Haus nicht mehr als eine Ruine, doch eine Gruppe von Studenten machte sich eigenhändig an den Wiederaufbau.

Seit Ende der 1960er beherbergt die Engelsburg einen Studentenklub. Nach der Wende wurde der gesamte Gebäudekomplex von Grund auf saniert, seit dem Jahr 2000 bietet das Studentenwerk Thüringen sechs Studenten in der Engelsburg ein Dach überm Kopf.

Der Weinstadel in Nürnberg ist nur unwesentlich jünger: 1446 wurde mit dem Bau begonnen. Ursprünglich war er eine Art Krankenhaus und diente in der Karwoche jeweils drei Tage lang als Heim für Leprakranke. Deshalb befand sich das Gebäude auch außerhalb der Stadtmauern. Teil dieser Maueranlage war schon damals der Wasserturm, er wurde bereits 1325 fertig gebaut. Seit 1950 leben in Mauerturm und Weinstadel Studenten.

In Regensburg wird heute ein mittelalterlicher Turm als Studentenwohnheim genutzt. Der «Goldene Turm» ist mit 50 Metern der höchste mittelalterliche Wohnturm der Stadt. Er wurde schon 1260 errichtet und bietet seit 1985 Studierenden eine Unterkunft.

Wie in der Zukunft

Das genaue Gegenteil mittelalterlichen Wohnens gibt es in Wuppertal und Hildesheim: Dort stehen die Wohnheime der Zukunft. Die «Neue Burse» in Wuppertal ist ein Komplex aus hochmodernen Niedrigenergiehäusern. Zwei der vier Gebäude brauchen als Passivhäuser fast keine Heizungsenergie. Trotzdem ist der Wohnkomfort enorm hoch: Parkettböden und helle Räume mit französischen Fenstern sind Standard.

Die Hildesheimer «bunsenFACTORY» ist ebenfalls ein sehr modernes Gebäude, bei dem das studentische Zusammenleben im Mittelpunkt steht: Die Kreativität der Bewohner wird durch diverse Band-Proberäume und Werkstätten gefördert. Der Name setzt sich zusammen aus der Bunsenstraße, in der das Wohnheim liegt, und Andy Warhol's legendärem Atelier «The Factory», dem Vorbild für die Verbindung aus kreativer Arbeit und täglichem Leben.

Beton versus Holz

In München bewohnen mehr als tausend Studierende jeweils ein eigenes kleines Häuschen. Das ehemalige olympische Frauendorf wurde 1972 erbaut, damals schliefen männliche und weibliche Olympioniken noch getrennt. Zwischen 2007 und 2009 wurden die Bungalows renoviert, seitdem werden sie wieder bewohnt, diesmal auch von Männern.

Allerdings sollte bei Interessierten die Abneigung gegen Beton nicht zu hoch sein. Denn wie es sich für Bauwerke aus den frühen 1970ern gehört, finden sich im olympischen Dorf wenig Naturbauelemente. Dass die Bungalows trotz oder gerade wegen des Beton-Chics sehr ansehnlich sind, zeigt die news.de-Fotostrecke.

Das Stuttgarter Bauhäusle besteht wiederum ausschließlich aus Naturelementen: ein Studentenwohnheim komplett aus Holz und recycelten Baustoffen. 1981 erbauten etwa 250 Architekturstudenten, angeleitet von zwei Stuttgarter Professoren, das Bauhäusle. 30 Studierende wohnen inzwischen darin. Die Nachfrage ist groß, die Warteliste des Studentenwerks Stuttgart lang. Doch das Warten lohnt sich, denn das Bauhäusle gilt als schönstes und zugleich günstigstes Wohnheim der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

som/ham/reu/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Elster
  • Kommentar 1
  • 20.11.2010 13:28
 

Wenn es in Studentenwohheimen dreckig ist ,dies kann ich nicht verstehen . Habe auch studiert und mußte den Haushalt ,den Beruf und die Versorgung des Kindes bewältigen. Schön ,wenn jetzt einige Unterkünfte besser sind .

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