Von Tom Breen
Den Hund einschläfern, nur weil er nicht mehr laufen kann? Das war einmal. Heute gibt es auch für Tiere Rollstühle. Und wenn's Fiffi im Nacken zwickt, kommt der Chiropraktiker. Zumindest in den USA. Zukunftsmusik auf für Deutschland?
Eine teure Operation mit geringen Erfolgschancen oder die sofortige Einschläferung - so lauteten die zwei Möglichkeiten, die der Tierarzt Beverly Tucker zur Wahl stellte. Ihr Hund Toby hatte ein schweres Problem mit einer Bandscheibe. Doch Tucker wollte sich mit den beiden Alternativen nicht abfinden und entschied sich für eine dritte Möglichkeit.
Der Hund hat seitdem eine Art Rollstuhl, der ihm seine Beweglichkeit zurückgegeben hat. Räder übernehmen nun die Aufgabe der gelähmten Hinterbeine, zumindest zum Teil. «Ich hätte meinen Hund niemals hängen lassen», sagt Tucker. «Wir haben uns für die Räder entschieden, und wir haben es nicht bereut.»
So wie Toby geht es vielen Haustieren in den USA. Vorbei ist die Zeit, in der eine Behinderung für sie ein Todesurteil war. Während früher der Tierarzt zur Giftspritze griff, wenn Fiffi dem Herrchen zur Last wurde, verdient heute eine wachsende Industrie an dem Trend zur Vermenschlichung von Vierbeinern & Co. Der Markt für Tier-Rollstühle wächst, und eine wachsende Zahl von Chiropraktikern spezialisiert sich auf Hunde-Wirbelsäulen.
«Den gleichen Status wie Kinder»
Selbst in der gegenwärtigen Wirtschaftkrise geben die Amerikaner immer mehr Geld für ihre Tiere aus. Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 verbuchte die Branche einen Umsatz von 41,2 Milliarden Dollar (29,5 Milliarden Euro), diese Jahr sollen es nach einer Prognose der amerikanischen Gesellschaft für Tierprodukte bereits 47,7 Milliarden Dollar (34,2 Milliarden Euro) sein.
Tiere mit Behinderungen - von Wirbelsäulenschäden bis zur Taubheit - haben immer noch viele Probleme im Vergleich zu ihren gesunden Artgenossen. Doch die Aussichten sind bei weitem nicht mehr so düster wie einst. Ob Tierärzte, ehrenamtliche Tierschützer oder Hersteller medizinischer Hilfsmittel, alle sind sich einig, dass die Bereitschaft zur Pflege angeschlagener Vierbeiner deutlich gestiegen ist. «In vielen Fällen ist zu beobachten, dass Haustiere den gleichen Status in einer Familie haben wie Kinder», sagt Dianne Dunning von der North Carolina State University.
Für Buddha wurde der Hunde-Rollstuhl erfunden
Ganz anders waren die Möglichkeiten dagegen vor 21 Jahren, als Buddha eines Morgens aufwachte und seine Hinterbeine nicht mehr bewegen konnte. Der Dobermann von Ed und Leslie Grinnell war über Nacht zum Pflegefall geworden. Es gab noch keine einschlägigen Selbsthilfegruppen im Internet, keine Physiotherapeuten für Tiere. Der Tierarzt stellte die Grinnells daher vor die Wahl: eine Operation für 5000 Dollar mit einer 50:50-Chance auf Erfolg - oder den Hund einschläfern zu lassen.
Ed Grinnell, ein gelernter Ingenieur, wollte sich damit nicht zufriedengeben. Er nutzte seine Fähigkeiten, um einen Rollstuhl für Buddha zu bauen. Der Versuch klappte. Und der Hund lebte noch drei Jahre.
Zehn Jahre später schickten so viele Tierärzte ihre Patienten zu den Grinnells, dass die auf ihrer Notlösung von einst ein florierendes Geschäft aufbauen konnten. Seit 1999 hat das Unternehmen Eddie's Wheels expandiert und 14 Stellen geschaffen. Von Shelburne Falls im US-Staat-Massachusetts aus gehen die Produkte in alle Welt: Rollwagen für Hunde, Katzen, Kaninchen, Ziegen, Schafe und sogar Alpakas.
«Ich glaube nicht, dass die Leute vor 20 oder 30 Jahren anders über ihre Tiere gedacht haben», sagt Leslie Grinnell. Allerdings sei in der Gesellschaft damals einfach noch nicht die Idee verbreitet gewesen, «dass es sich dabei um ein wichtiges Familienmitglied handelt».
Eds Frau Leslie sieht in dem Trend auch eine Chance für die Menschen. Denn nicht nur für die behinderten Tiere bedeute die Fürsorge eine zweite Chance. «Diese Tiere empfinden kein Selbstmitleid», sagt sie. «Von ihnen können wir eine Menge lernen.»
iwi/news.de/dapd
moin,moin! wir finden es sehr gut.den tieren ist es doch völlig egal wie es aussieht hauptsache sie sind einigermaßen wieder mobil. daumen hoch L.G. wir
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