Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
Politik und Wirtschaft bemängeln schon lange, dass naturwissenschaftliche Fachkräfte fehlen. Doch Kleinkinder werden diese Lücke nicht füllen. Naturwissenschaftliche Experimente im Kindergarten sind trotzdem sinnvoll.
Ob naturwissenschaftliche Bildung bei Kleinkindern dem Land neue Ingenieure verschafft, ist doch sehr fragwürdig. Klar begeistern sich viele Kinder für Experimente, allerdings ist der Bezug zur Forschung sehr abstrakt: Planscht ein Dreijähriger wie verrückt in einem Topf blauen Wassers, hat das mit Wissenschaften kaum etwas zu tun. Und er wird deshalb auch nicht zwingend, wenn er groß ist, ein Ingenieur.
Aber Bildungsforscher Wassilios Fthenakis hat Recht, wenn er darauf verweist, dass es nicht primär um naturwissenschaftliche Erkenntnisse geht. Durch das Experimentieren lernen die Kinder auch ganz andere Dinge: Sprache zum Beispiel.
Versuchen Sie sich mal zu erinnern: Wann haben Sie das Wort Pipette gelernt? Mit 15 Jahren vielleicht? Heute hantieren schon Dreijährige ganz beiläufig mit solchen Wörtern. Es ist kein großer Wissensvorsprung, den beispielsweise die Kinder aus dem Kindergarten Forscherinsel im Vergleich zu Kindern haben, die vor 30 Jahren einen Kindergarten besuchten. Aber es ist einer.
Also weiter so: Jetzt muss das Konzept ausgebaut werden. Und zwar nicht nur, indem mehr Kindergärten naturwissenschaftliche Experimente anbieten, sondern vor allem, indem diese an den Grundschulen weitergeführt werden. Denn wenn die Naturwissenschaften in Grundschulen weiterhin so kurz kommen wie bisher, dann müssen die Kinder aus der Forscherinsel in zwölf Jahren das Wort Pipette ein zweites Mal lernen. Das war's dann mit dem Wissensvorsprung.
kas/ham/news.de