Sa., 26.05.12

Schmalkalden 02.11.2010 Anwohner retten Habseligkeiten

Krater in Schmalkalden soll aufgefüllt werden (Foto)
Luftbildaufnahme vom Erdloch in der Walter-Rathenau-Straße in Schmalkalden. Bild: dpa

So schnell wie möglich soll der Schlund mit Kies gefüllt werden. 2000 Lkw-Ladungen sind nötig, ein Förderband und ein Riesenbagger wurden bestellt. Fachleute warnen vor ähnlichen Fällen überall in deutschen Mittelgebirgen.

Der Krater von Schmalkalden bedroht weiterhin die ihn umgebende Wohnsiedlung. «Es ist Gefahr im Verzug», sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Andreas Maruschke, über die Risiken für die Häuser an einem Steilhang des Erdlochs. Die Behörden wollen so schnell wie möglich tausende Kubikmeter Kies in den rund zwölf Meter tiefen Erdfall kippen, um dessen Rand abzusichern. Fachleute warnen derweil vor ähnlichen Fällen «überall in den deutschen Mittelgebirgen».

«Für mich wirkt das immer noch wie eine Katastrophenschutzübung, ich habe das noch nicht verarbeitet», sagte eine Frau einen Tag nachdem sich der Abgrund direkt neben ihrem Haus auftat. «Man kann sich nicht vorstellen, dass das bei uns passiert ist», beschrieb Irene Pastowski ein weit verbreitetes Gefühl unter den 20.000 Einwohnern der Fachwerkstadt. Inmitten einer Wohnsiedlung klafft seit dem frühen Montagmorgen eine Wunde. «Man wundert sich, dass kein Haus darin verschwunden ist», sagte die Passantin Wally Günther.

Die Bewohner der geräumten Häuser durften noch einmal einige Habseligkeiten von dort bergen. Die meisten Familien kamen nach Angaben der Stadtverwaltung zunächst bei Verwandten und Bekannten unter. Für zwei Familien besorgte die Stadt Unterkünfte. Die Polizei will nun nach Angaben von Sprecher Fred Jäger in nächster derzeit Zeit verstärkt ein Auge auf das Gebiet am Krater haben, um die fluchtartig verlassenen Häuser vor Dieben zu schützen.

Vier Familien können in Wohnungen zurück

Vier Familien konnten einen Tag nach dem Einsturz des Erdreichs in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Für die wieder freigegebenen Gebäude sei im Moment keine Gefahr im Verzug, sagte der Landrat des Kreises Schmalkalden-Meiningen, Ralf Luther (CDU). Sie stehen etwa 50 bis 80 Meter von der Unglücksstelle entfernt.

Die fünf Häuser unmittelbar am Rand des metertiefen Loches blieben hingegen weiter geräumt. Ihre 17 Bewohner können wahrscheinlich auf längere Sicht nicht mit einer Rückkehr rechnen.

2000 Lkw-Ladungen Kies nötig

Experten wollen den Krater mit Hilfe eines Baggers und einem 30 Meter langen Förderband mit Kies füllen. «So baut man einen Gegendruck auf, damit die Flanken nicht weiter einstürzen», erklärte der Direktor des Instituts für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gerhard Jentzsch. Doch ob die Aktion zum Erfolg führt, ist ungewiss. Selbst wenn das Loch mit Kies gefüllt sei, könne es noch eine Weile dauern, bis sich der Erdfall beruhige. Noch könne Gestein nachrutschen oder lockeres Material im Untergrund nachgeben. «Auch gegen die Gefahr, dass sich unter dem Krater noch ein weiterer Hohlraum befinden könnte, kann man nichts tun.»

Die Einsatzkräfte waren damit beschäftigt, die Dimensionen des Erdkraters zu vermessen. Dazu wurde eine Drohne eingesetzt, die das Loch aus der Luft vermaß. Außerdem bereitete der Krisenstab die Sicherung der Unglücksstelle vor. 40.000 Tonnen Kies sollen nach Angaben von Landrat Ralf Luther in den Krater gefüllt werden. Das entspreche 2000 Lkw-Ladungen - nachdem der Landrat zuvor von 1000 Lkws ausgegangen war. Ein Spezialbagger, der aus Brandenburg angefordert wurde, soll am Mittwoch in Schmalkalden eintreffen, ebenso wie die benötigten Förderbänder zum Transport der Füllmasse.

Ähnliche Erdkrater drohen Experten zufolge überall in den deutschen Mittelgebirgen. «Im Thüringer Wald und dem Südharz ist die Wahrscheinlichkeit aber besonders groß», sagte Jentzsch. Sein Amtskollege von der Universität Frankfurt, Peter Prinz-Grimm, pflichtete dem bei: Das Risiko steigt nach Darstellung des Geologen, wenn sich mehr Gestein im Boden befindet, das von Wasser gelöst werden kann. Dazu gehörten Kali- und Steinsalze ebenso wie Zechstein und Gips.

Natürliche Ursache vermutet

Der Krater hatte sich urplötzlich in der Nacht zum Montag in der Wohnsiedlung aufgetan. Ein Auto rutschte in die Tiefe, die Straße und Teile von Garagen brachen weg. Das fast kreisrunde Loch hatte zunächst einen Durchmesser von gut 35 Metern. Wie durch ein Wunder war bei dem Unglück niemand verletzt worden.

Geologen gehen von einer natürlichen Ursache für den Krater aus. Bergbau wurde als Grund ausgeschlossen. Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Lutz Katschmann vom Geologischen Landesdienst Thüringen.

cvd/jag/ivb/news.de/dpa/dapd
Leserkommentare (6) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Jan Grundmann
  • Kommentar 6
  • 02.11.2010 16:14
 

Anmerkung der news.de-Redaktion: Bisher gab es widersprüchliche Angaben über die Kubikmeter-Zahl Kies sowie der Lkw-Ladungen. Die neueren Angaben von Landrat Ralf Luther gehen von 40.000 Tonnen Kies und 2000 Lkw-Ladungen aus.

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  • Heinrich Ganser
  • Kommentar 5
  • 02.11.2010 14:36
 

Das 42h37wahrscheinlich beste wäre es, das Loch mit Tuff zu verfüllen, und diesen mit Hubschraubern einzufüllen. Tuff hat eine sehr hohe und gute Verdichtungsqualität und dürfte somit das billigste und beste Verfüllungsmaterialdafür sein.

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  • Winnie
  • Kommentar 4
  • 02.11.2010 13:58
 

Es gibt vielleicht noch eine andere Möglichkeit dises Loch zu füllen.Bentonit(eine Tonart)könnte als Suspension mit Wasser in das Loch gefüllt werden.Diese Ton nimmt man auch für Schlitzwände bei der Deponiesanierung und als Stützflüüsigkeit bei Tunnel-und Tiefbau.Erfahrung hat die Fa.BENTOCARBON mit Sitz in Marl und Mannheim so wie die TU Braunschweig.

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  • Ernst Schlachter
  • Kommentar 3
  • 02.11.2010 13:35
 Antwort auf Kommentar 1

Mathematik Ich nehme nicht an, dass in Deutschland ein 40-tönner nur 2 m3 laden darf. Bitte nachrechnen!

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  • oliver
  • Kommentar 2
  • 02.11.2010 13:05
 

Mist, immer passiert so etwas an der falschen stelle, hätte es nicht besser die Politiker des Bundestags begraben können? Dann könnte mal eine von den 68er Standards abweichende Partei ihr Glück versuchen.

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  • rechenfehler
  • Kommentar 1
  • 02.11.2010 10:09
 

diese mathematik geht nicht auf, es sind über 10 000 von den grössten LKW!!!!!!!!!!!!!!!!!gruss anderle

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