Sa., 26.05.12

Krater in Schmalkalden 01.11.2010 «Ein natürliches Risiko in Thüringen»

Erdloch in Schmalkalden (Foto)
Ein fast 40 mal 30 Meter großer Krater hat sich mitten in einem Wohngebiet im thüringischen Schmalkalden gebildet. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Jan Grundmann, Schmalkalden

Ungewöhnlich sind solche Löcher im Freistaat nicht. Doch treffen sie eigentlich Wald, Wiese - aber kein Wohngebiet. Das sagt Dr. Lutz Katschmann vom geologischen Landesdienst Thüringen. Und erklärt, wie Hohlräume in der Erde entstehen - und den Bergbau keine Schuld trifft.

Wie oft geschehen denn solche Erdrutsche?

Dr. Lutz Katschmann: Diese sogenannten Erdfälle sind ein natürliches Risiko in Thüringen. Zehn bis 20 pro Jahr sind durchaus üblich im Bundesland. Was das Besondere an dieser Situation ist: Es geschah mitten in einem Wohngebiet. Sonst passiert das eher auf Waldflächen oder dem freien Feld.

In der Nähe von Schmalkalden wurden etwa Kupfer oder Mangan abgebaut. Könnte der Bergbau Schuld am Unglück sein?

Katschmann: Nein, in diesem Fall wohl nicht. Diese Erdfälle haben natürliche Ursachen. Der Thüringer Wald wurde vor vielen Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten gehoben. Wenn diese Erdmassen gehoben werden, entstehen parallel dazu Verwerfungen, an denen das Gebirge zerbricht. Auf diesen Störungsbahnen fließt dann oft Wasser. Das Wasser kann dann Gestein auflösen. So entstehen Hohlräume, die zu solchen Erdfällen führen können.

Und solch einen unterirdischen Hohlraum vermuten Sie als Ursache?

Katschmann: Es gibt im Bereich von Schmalkalden drei mögliche Ursachen. Entweder große Mengen Steinsalz, die durchs Wasser aufgelöst werden und unterspült werden. Oder es ist gipshaltiges Gestein, das, wenn es mit Wasser durchspült wird, zu Kalziumsulfat wird. Dritte Variante ist Kalkstein, das sich zu Kalziumkarbonat auflöst. In jedem Fall wird so der Boden unterspült, es entsteht ein Hohlraum.

Welche Variante halten Sie für am wahrscheinlichsten?

Katschmann: Wir wissen es nicht, wir wir bisher keine genauen Bohrungen in diesem Gebiet durchgeführt haben. Und wir wissen ja nicht, in welcher Tiefe der Hohlraum ist. Aber die Steinsalz-Auflösung ist am unwahrscheinlichsten. Weil sich das Salz im Laufe der Zeit eigentlich hätte auflösen müssen.

Was werden Sie in den kommenden Tagen tun?

Katschmann: Wir versuchen, das Loch mit Kies zu verfüllen. Dieses lockere Rollmaterial ist nötig, damit wirklich alles verfüllt wird, nichts verklemmt und sich neue Hohlräume bilden. Aber die beiden Autos, die noch in der gefährdeten Garage stehen, sind wohl nicht zu retten. Ob das Gebiet wieder bewohnbar wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, das wäre spekulativ.

Lesen Sie auch unsere Reportage vom Unglückstag in Schmalkalden.

Dr. Lutz Katschmann arbeitet beim geologischen Landesdienst in der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie. Er war am Unglückstag vor Ort in Schmalkalden und begleitet auch in den kommenden Tagen die Maßnahmen.

cvd/news.de
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige