Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff
Das Seniorenstudium ist gefragt wie nie: Jedes Jahr schreiben sich mehr ältere Menschen in deutschen Universitäten ein. Doch das System Uni macht diesen Schritt nicht immer leicht: News.de hilft weiter.
Warum nochmal studieren? Studien zeigen, dass im hohen Alter die Fähigkeit, neue Dinge zu lernen, nicht verloren geht. «Es braucht nur etwas mehr Zeit», sagt Timo Jacobs vom Institut für Altersforschung in Heidelberg. Einem Studium steht das nicht im Weg. Denn das Seniorenstudium strukturiere den Alltag, bringe den Kontakt zu Jüngeren und biete die Möglichkeit, Wissen weiterzugeben. «Das Weitergeben von Erfahrung ist eine ganz wichtige Lebensaufgabe im höhreren Alter», weiß der Heidelberger Altersforscher Jacobs.
Einschreibung. Die Einschreibung ist nicht immer leicht. Oft verwirren Universitäten mit ihren vielen Ansprechpartnern alte und junge Studenten gleichermaßen. Außerdem ist das Seniorenstudium an jeder Hochschule anders organisiert. Hilfe bieten Seniorenvertretungen an den Universitäten oder der Akademische Verein der Senioren in Deutschland (AVDS). Dieser kümmert sich auch um die Internetseite Senioren-Studium.de. Dort informiert der AVDS über mögliche Studienorte, deren Angebote und gibt Tipps für den Uni-Alltag.
Gasthörer. Die häufigste Art des Seniorenstudiums ist die Teilnahme als Gasthörer. Diese bezahlen eine Gebühr, um an bestimmten Vorlesungen teilzunehmen. Sie dürfen aber keine Prüfungen ablegen und nur in seltenen Fällen Seminare besuchen. Jochen Schneider vom AVDS bemängelt daran, dass es keine wissenschaftliche Anerkennung gibt. «Der Gasthörer hat immer nur ein Semester und dann fängt er rein rechtlich gesehen wieder von null an», kritisiert Schneider.
Seniorenkolleg. Eine Alternative ist die Teilnahme an einem Seniorenkolleg. So werden Studiengänge oder Vorlesungsreihen bezeichnet, die nur für Senioren geöffnet sind. Deutsches Vorbild ist die Universität des dritten Lebensalters in Frankfurt - eine der ältesten reinen Senioren-Unis hierzulande. Auch an der Universität München und an der Uni Leipzig gibt es Vorlesungsreihen nur für Senioren.
Das richtige Fach. Beliebteste Fächer bei Senioren sind Geschichte, Kunstgeschichte oder Philosophie. 77 Prozent der älteren Semester ziehen die Geisteswissenschaften den Naturwissenschaften vor. «Man beginnt im höheren Alter vermehrt über den Sinn des Lebens nachzudenken», sagt der Altersforscher Jacobs. Da läge eine philosophische Vorlesung einfach nahe. Jochen Schneider: «Immanuel Kant hat seine beste Zeit auch mit über 60 Jahren gehabt.» Da fällt es Seniorenstudenten oft einfacher, Texte zu verstehen als den Jungen.
Abschlüsse. Ein Nachweis für absolvierte Kurse oder besuchte Vorlesungen ist absolute Mangelware. Der AVDS möchte deshalb einen Abschluss für Seniorenstudenten einführen. «Dabei geht es nicht um einen Berufsabschluss, sondern um ein Zertifikat darüber, dass man sich wissenschaftlich mit einem Thema beschäftigt und sich weiterentwickelt», erklärt Schneider das Anliegen. Absoluter Vorreiter in Sachen Senioren-Abschluss ist die Technische Universität Dortmund. Dort wird ein kompletter Studiengang inklusive Abschlussarbeit für Senioren angeboten.
Umgang mit jüngeren Studenten. Locker bleiben und immer offen gegenüber den anderen Studenten sein - das sind die wichtigsten Grundsätze. Ältere Studenten sollten immer daran denken, dass die Jungen Prüfungen bestehen müssen, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Sie stehen also unter viel mehr Druck als die Senioren. Sollte also mal Platzmangel in der Vorlesung herrschen, dürfen sich die Senioren ruhig zurückziehen.
Voraussetzungen. Den meisten deutschen Hochschulen genügt die Mittlere Reife als Zugangsberechtigung zum Seniorenstudium. An manchen Universitäten, beispielweise in München, wird allerdings das Abitur verlangt. Senioren müssen, wie normale Studenten auch, eine Semestergebühr bezahlen. Diese liegt mit etwa 100 Euro vielerorts deutlich unter den Gebühren für jüngere Studenten.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Jochen Schneider vom Akademischen Verein der Senioren in Deutschland (AVDS) und Timo Jacobs vom Institut für Altersforschung in Heidelberg.
ham/ivb/news.de
Für alle älteren Gasthörer, die mehr machen wollen, als nur Vorselungen hören, sondern aktiv an speziell für Ältere entwickelten Seminaren in Geschichte, Kunstgeschichte oder Philosophie teilnehmen wollen, gibt es seit Neuestem ein passendes Angebot: www.studiora.de Mit freundlichen Grüßen, Prof. Dr. Rainer Leng
jetzt antwortenKommentar meldenDie Uni Halle / Wittenberg macht dies 30 Jahre schon .Sie hat einen guten Ruf .Bin auch eingeschrieben .
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