Sa., 26.05.12

Indonesien 28.10.2010 Der Horror heißt Wasser und Asche

Vulkan und Tsunami: Mehr als 300 Tote in Indonesien (Foto)
Die Dörfer am Merapi sind unter Asche begraben. Bild: dpa

Der Dorfvorsteher hat überlebt, weil er sich an einen Baum klammerte. Mehrere Hundert Menschen starben durch den Tsunami in Indonesien. Nach zwei Tagen kommt erste Hilfen an. Hier heißt der Horror Wasser, auf der Nachbarinsel Java schleudert der Vulkan wieder Asche.

Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben und Tsunami trafen auf den abgelegenen Mentawai-Inseln westlich von Sumatra am Mittwochabend die ersten Boote mit Hilfspaketen ein. 350 Leichen wurden bereits gefunden, weitere 350 Menschen werden dort nach dem Tsunami am Montagabend noch vermisst.

Am Vulkan Merapi auf der Insel Java versuchen Sicherheitskräfte, Dorfbewohner von der Rückkehr in ihre teils zerstörten Dörfer abzuhalten, denn der Vulkan grummelt weiter und hat inzwischen erneut Asche gespuckt.

Am Merapi hat es vor allem das Dorf Kinahrejo nur wenige Kilometer unter dem Kraterrand getroffen. Dort ist auch Mbah Maridjan, der spirituelle Hüter des Berges, in den Trümmern seines Hauses ums Leben gekommen. «Es war katastrophal, unglaublich heiß», zitiert die Zeitung Jakarta Globe eine Helferin, die das Dorf Stunden nach der Eruption erreicht. «Ich habe Blasen an den Füßen bekommen, obwohl ich Schuhe mit dicken Sohlen anhatte.» Die meisten Häuser sind schwer beschädigt und unter einer dicken Aschedecke begraben. 33 Menschen kamen ums Leben, die meisten durch schwere Verbrennungen. Der Vulkan hatte am Dienstagabend eine glühend heiße Fontäne aus Asche und Geröll in die Luft geschleudert.

Zwei Tage nach dem Tsunami kommen erste Hilfslieferungen

Etwa 1300 Kilometer weiter westlich liegen vor Sumatra die Mentawi-Insel. Erst am Mittwoch, fast zwei Tage nach dem schweren Erdbeben mit Tsunami, sind hier die ersten größeren Hilfslieferungen eingetroffen. Ein erstes Frachtflugzeug brachte Zelte, Medikamente, Lebensmittel und Kleidung in das Katastrophengebiet. Schwere See behinderte das Fortkommen der Boote, die im besten Fall zehn Stunden auf die abgelegene Inselkette brauchen. Viele Bewohner hatten keine Chance, als das Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 7,2 am Montagabend losbrach. Minuten später hörten sie ohrenbetäubendes Brausen und sahen die Tsunami-Killerwellen anrollen. Mindestens 272 Menschen kamen ums Leben, gut 400 werden noch vermisst.

Wer überlebte, hat sich auf den wenigen Anhöhen der Insel Pagai in Sicherheit gebracht, berichteten Dorfbewohner dem Vizepräsidenten Boediono, der die Inseln am Mittwoch mit dem Helikopter erreichte. 20.000 sind aus ihren Dörfern geflohen, Tausende Menschen kampieren nach dem Tsunami unter freiem Himmel und trauen sich nicht in die Dörfer zurück.

«Wir haben nichts mehr», sagte Dorfvorsteher Jersanius Sanaloisa dem Vizepräsidenten. Er hatte sich an einen Baum geklammert und mit seinem Kind überlebt. Seine Frau kam ums Leben. In manchen Siedlungen waren die Killerwellen 600 Meter weit in Land hereingebrochen und hatten fast alle Häuser fortgerissen. Mehrere australische Touristen überlebten die Katastrophe. Sie waren zum Surfen auf den Inseln.

Indonesien liegt im pazifischen «Feuerring» mit zahlreichen Vulkanen, in dem Verschiebungen von Erdplatten immer wieder zu Erschütterungen führen. Das folgenschwerste Beben der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im Dezember 2004 vor Sumatra und löste einen Tsunami aus, der rund um den Indischen Ozean 230.000 Menschen das Leben kostete. Das Beben am Montag, das den neuen Tsunami auslöste, entstand an derselben Verwerfungslinie.

news.de/dpa
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